Finanzinvestor CVC steigt bei Sportwettenanbieter Tipico ein

Finanzinvestor CVC steigt bei Sportwettenanbieter Tipico ein

Der Unternehmenswert von Tipico wird auf 1,4 Milliarden Euro bewertet. An Tipico ist indirekt auch die Casinos Austria-Gruppe beteiligt sowie österreichische Zeitungen.

Wien/Frankfurt. Der Sportwettenanbieter Tipico wird an den Finanzinvestor CVC verkauft. Die Beteiligungsgesellschaft übernimmt die Mehrheit an dem 2004 von vier deutschen Unternehmern auf Malta gegründeten Unternehmen, wie CVC am Sonntagabend mitteilte.

Tipico wird dabei mit rund 1,4 Mrd. Euro bewertet, wie zwei mit der Transaktion vertraute Personen Reuters sagten. Die Firmengründer, die ungenannt bleiben wollen, behielten aber 40 Prozent der Anteile. Laut CVC wurde zum Kaufpreis Stillschweigen vereinbart. Die Deutsche Telekom, die sich ebenfalls um einen Einstieg bei Tipico bemüht hatte, geht damit ebenso leer aus wie Bieter aus China.

CVC hat bereits Erfahrung im Wettgeschäft: Dem Investor gehört seit 2014 die britische Sky Bet. Eine Fusion von Tipico und Sky Bet ist aber Insidern zufolge nicht geplant. Vorher war CVC schon am Sportwettenanbieter William Hill beteiligt. Der Einstieg bei Tipico ist die erste große Transaktion, die der ehemalige Deutschland-Chef von Goldman Sachs, Alexander Dibelius, für seinen neuen Arbeitgeber CVC eingefädelt hat. Der Investmentbanker hatte dort im vergangenen Jahr angeheuert.

Tipico sieht sich als führender Sportwettenanbieter in Deutschland und ist inzwischen auch in Österreich, Dänemark, Belgien und Italien vertreten. Für das Unternehmen arbeiten 5.000 Menschen, die meisten allerdings bei Franchisenehmern, die einen Teil der 1.000 Filialen betreiben. Das Unternehmen ist auch als Sponsor des Hamburger SV und von Bayern München bekannt. Der ehemalige deutsche Nationaltorwart Oliver Kahn, Österreichs Ex-Teamgoalie Michael Konsel sowie die Manchester United-Torwartlegende Peter Schmeichel sind für Tipico als Werbefiguren im Einsatz. Bei Österreichs Bundesliga ist der deutsche Wettenanbieter als der Hauptsponsor der Namensgeber.

Zuletzt hat Tipico laut Insidern einen operativen Gewinn von gut 100 Mio. Euro erwirtschaftet. Börsennotierte Rivalen wie GVC (bwin.party) liegen auf einem ähnlichen Niveau.

Die Deutsche Telekom ist bereits mit 64 Prozent an der Deutschen Sportwetten GmbH (DSW) beteiligt, die das Sportwettenportal tipp3.de betreibt. 36 Prozent gehören der Österreichischen Sportwetten GmbH (ÖSW), die wiederum im Mehrheitseigentum der teilstaatlichen Casinos-Austria-Gruppe steht. Weitere ÖSW-Eigentümer sind österreichische Zeitungen.

Die Deutsche Telekom hatte sich von einer Kooperation mit Tipico Vorteile für den Fall erhofft, dass sie sich in der Versteigerung der deutschen Fußball-Bundesliga-Medienrechte die Internet-Übertragungen sichern könnte.

Der deutsche Sportwettenmarkt gilt als einer der lukrativsten Europas. Zuletzt sind Schätzungen zufolge 4,5 Mrd. Euro im Jahr umgesetzt worden. Im Gegensatz zu Österreich gelten Sportwetten in Deutschland als Glücksspiel. Weil das Lizenzverfahren so lange auf Eis lag, haben die tipp3.de-Betreiber einen rechtlichen Umweg gewählt und bieten Sportwetten seit einem Jahr mit österreichischer Lizenz an.

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