Fake News und Hass bremsen Twitter-Aktie

Sinkende Nutzerzahlen in Millionenhöhe setzen dem Kurznachrichten-Dienst Twitter kräftig zu. Die Aktie stürzte schon vor Börsenbeginn ab. Der Umsatz legt jedoch kräftig zu.

Fake News und Hass bremsen Twitter-Aktie

San Francisco. Fake News und Hassbotschaften bremsen Twitters Wachstum. Auf Druck der Behörden in mehreren Ländern säubert der Kurznachrichtendienst seine Internetplattform von Falschkonten und nimmt dafür sogar vorübergehend sinkende Nutzerzahlen in Kauf. Das machte das Management am Freitag deutlich - und trieb damit die Anleger in Scharen davon. Die Twitter-Aktie sackte im vorbörslichen Handel 15 Prozent ab. Und kurz nach der Eröffnung der New Yorker Technologiebörse Nasdaq ist der Kurs der Twitter-Aktie auch tatsächlich abgestürzt hat 16 Prozent an Wert verloren. Die Twitter-Papiere notierten bei 36,06 Dollar (15:50 MEZ).

Damit ging es Twitter genauso wie dem größeren Konkurrenten Facebook, der am Donnerstag nach Vorlage seiner Zwischenbilanz aus ähnlichen Gründen fast 19 Prozent an Börsenwert verloren hatte. In absoluten Zahlen waren dies über 120 Milliarden Dollar (102,4 Mrd. Euro), fast das Vierfache der Marktkapitalisierung von Twitter.

Die beiden Internetkonzerne erzielen zwar massive Umsatzsteigerungen. So schaffte Twitter im vergangenen Quartal ein Plus von 24 Prozent auf 711 Millionen Dollar und übertraf damit klar die Expertenerwartungen. Aber an der Börse richtet sich der Blick stärker auf die Nutzerzahlen, die als Maßstab für das künftige Wachstum gelten. Und hier lieferte das Unternehmen eine Enttäuschung.

Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer betrug lediglich 335 Millionen. Das waren eine Million weniger als im vorangegangenen Vierteljahr. Analysten hingegen hatten mit einem Anstieg in gleicher Höhe gerechnet. Für die laufenden drei Monate signalisierte die Konzernführung einen weiteren Rückgang auf etwa 330 Millionen Nutzer. Auch das ist weniger als von Experten geschätzt.

Kurz nach Börseneröffnung hat Twitter den vorbörslich angekündigten Kursabsturz am Freitag sogleich nachgezogen: Binnen weniger Minuten hat die Aktie um gut 15 Prozent verloren.

Datenskandale und mutmaßliche Versuche von Wahlmanipulationen mittels der sogenannten sozialen Medien haben die Branche stärker ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Aufseher dringen darauf, dass die Betreiberfirmen stärker gegen Hassbotschaften, verunglimpfende Inhalte und Falschinformationen vorgehen. Zudem werden ein besserer Datenschutz und mehr Transparenz bei politischer Werbung verlangt.

Twitter reagiert darauf mit vermehrten Bemühungen, unechte oder verdächtige Nutzerkonten zu sperren oder zu löschen. Das Unternehmen spricht von "Gesundheitsinitiativen". Diese hätten derzeit Vorrang vor kurzfristigen Produktoptimierungen, die mehr Nutzer ködern sollen. Nach Darstellung von Twitter-Chef Jack Dorsey wird sich diese Strategie auch bezahlt machen. So habe die Zahl der täglichen Nutzer zuletzt elf Prozent über dem Niveau von vor einem Jahr gelegen. Dies zeige, dass der Kampf gegen "Problemverhalten" Früchte trage.

Twitter schreibt seit dem Schlussquartal 2017 schwarze Zahlen. In den abgelaufenen drei Monaten war es mit 100 Millionen Dollar der höchste Gewinn der bisher noch kurzen Firmengeschichte. Dazu trug ein vorteilhafter Steuereffekt allein 42 Millionen Dollar bei. Das Ergebnis je Aktie vor Sonderposten lag im Rahmen der Markterwartungen.

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