Blühende Geschäfte mit Fairtrade-Rosen

Blühende Geschäfte mit Fairtrade-Rosen

In Österreich wurden 2014 32,8 Millionen Fairtrade-Rosen gekauft. Knapp ein Drittel davon wurde von Klimesch Rosen importiert.

Frühlingsgrüße aus dem Blumenladen. Vor allem Rosen sind das ganze Jahr beliebt, doch heimische Gärtnereien können die Nachfrage nur saisonal bedienen. Ein Großteil der Rosen wird importiert, und jede dritte trägt das Fairtrade-Siegel. Das Wiener Unternehmen Klimesch Rosen macht damit als größter Importeur gute Geschäfte.

Kühle vier Grad Celsius herrschen im Lagerraum, doch die empfindliche Fracht aus Tansania braucht es so kalt, um möglichst lange frisch zu bleiben. Die aufgestapelten Kartons tragen die Aufschrift "Simbi Roses" oder "Mount Meru Flowers". Kenner wissen, dass es sich dabei um Rosen aus dem Südosten Afrikas handelt. Das Wiener Unternehmen Rosen Klimesch hat sich auf den Import von Fairtrade-Rosen nach Österreich spezialisiert.

Klimesch arbeitet bereits seit fast zehn Jahren mit Fairtrade zusammen. Heute ist der Familienbetrieb, der 2015 einen Umsatz von 12 Millionen Euro erwirtschaften, und neun Millionen Fairtrade-Rosen verkaufen konnte, größter Importeur von Fairtrade-Rosen nach Österreich. "Wir haben früher selbst Rosen produziert, aber das Klima in Österreich ist dafür nicht ideal. Die Heizkosten im Winter machen das Geschäft nicht rentabel", sagt Marketingleiterin Nora Klimesch. In Tansania und Kenia könne hingegen das ganze Jahr über geerntet werden. Als Kunden beliefert Klimesch unter anderem Billa und Merkur. Mit dem Rewe-Konzern hat der Wiener Familienbetrieb einen Exklusivdeal.

Die Blumen kommen von großen Farmen in Tansania und Kenia. Dort werden sie geschnitten, gewässert und auf zehn Grad abgekühlt. Dabei fallen sie eine Art Schlafzustand, wie Klimesch erklärt. Vier Tage ist die blühende Fracht, Platz- und CO²-sparend in Kartons verpackt im Schnitt unterwegs, bis sie in Österreich ankommt, wo sie noch etliche Tage im Kühlraum gelagert werden können, ehe sie wieder aus dem Dornröschenschlaf geholt und an den Handel ausgeliefert werden.

Fair gekaufte Rosen kommen den Arbeiterinnen auf den Blumenfarmen - wie hier bei Mount Meru Flowers in Tansania - zugute.

Gute Geschäfte mit fairen Rosen

Das Geschäft mit Fairtrade-Rosen gedeiht. Bei Blumen, die man mit Freude verschenkt, ist den Österreichern offenbar besonders wichtig, dass auch bei deren Anbau und Ernte ökologische und soziale Richtlinien eingehalten werden. Bereits jede dritte verkaufte Rose in Österreich stammt aus fairem Anbau. Im Jahr 2014 wurden 32,8 Millionen Stück verkauft.

Rund 2,9 Millionen Euro setzt der Handel damit jährlich um. Und Großimporteur Klimesch betont, dass seine Ware um nichts teurer ist als die aus konventionellem Anbau ohne Gütesiegel: Ein Bund kostet so oder so 3,49 Euro. Und trotzdem gibt es die Garantie, dass die Löhne mindestens den gesetzlichen Mindestlöhnen entsprechen. Die Arbeiter und Arbeiterinnen erhalten obendrein eine Prämie von zehn Prozent des Einkaufspreises, den die Händler ab Farm bezahlen. In der Saison 2012/13 waren das immerhin fünf Millionen Euro.

Mit den Prämien werden vor allem Bildungsprojekte, Initiativen zur Verbesserung des Mutterschutzes oder auch Überstunden finanziert, die ansonsten nicht bezahlt werden könnten. Die Betreiber der Blumenfarmen müssen nachweisen, wie die Gelder investiert wurden und über die Verwendung der Prämie entscheidet ein Kommittee, das ebenfalls wieder kontrolliert wird. Die Kontrolle erfolgt jährlich von der unabhängigen Zertifizierungsgesellschaft Flocert.

Transparenz wird bis zum Kunden groß geschrieben: Mittels eines Codes auf der Verpackung kann man feststellen, woher die Blumen kommen und sich über die Bedingungen auf den jeweiligen Blumenfarmen erkundigen. Und mit gutem Gewissen Freude schenken.

Zahlen und Fakten

  • Weltweit sind 50.000 Arbeiter auf Fairtrade-zertifizierten Blumen- und Pflanzenfarmen beschäftigt
  • Jährlich werden über 610 Millionen Stiele gepflückt
  • 2014 wurden in Österreich 32,8 Millionen Fairtrade-Rosen gekauft
  • 70 Prozent der 110 Millionen Rosen, die in Österreich verkauft werden, werden im Ausland gezüchtet
  • Kenia, Äthiopien, Tansania, Ecuador und Kolumbien zählen zu den weltweit größten Exportländern
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