Gold: Edles Metall mit Fairtrade-Zertifikat

Gold, das Symbol für Reinheit und Liebe wird unter schmutzigen Bedingungen abgebaut. Für mehr Nachhaltigkeit und Nachvollziehbarkeit will das neue Siegel von Fairtrade einen Beitrag leisten. Was hinter einem Paar goldener Eheringe steckt und was Gold so dreckig macht.

Fairtrade-Gold aus Peru

Peru ist eines der bedeutendsten Goldproduktionsländer weltweit.

So Trami, Peru

Seit Mai 2011, nach einem zweijährigen Prüfverfahren durch die Zertifizierungsorganisation FLO-Cert, kann sich die SOTRAMI S.A. die erste Fairtrade-zertifizierte Mine Perus nennen.

Goldabbau ist grundsätzlich schmutzig, die Arbeit ist im Staub des Tagebaus ebenso hart und gefährlich wie unter Tage. Zusätzlich macht der der Einsatz von hochgiftigen Chemikalien wie Quecksilber den Abbau des begehrten Edelmetalls für die Umwelt und die Gesundheit zu einer dreckigen Angelegenheit. Hinzu kommen weit verbreitet illegaler Abbau, Korruption, Enteignung und Kinderarbeit. Fehlende Standards und Kontrollen machen es nahezu unmöglich, "sauberes Gold" zu kaufen, mit diesem zu handeln oder mit gutem Gewissen in Gold zu investieren.

Finanzkrise und Gold-Boom

Mit dem Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008 hat weltweit ein Run auf den Rohstoff Gold eingesetzt. Zum einen, weil Anleger Gold in Krisenzeiten als eine sichere Wertanlage sehen und statt in Aktien vermehrt in das Edelmetall investiert haben. Zum anderen weil die Nachfrage nach Luxusprodukten in Form von Schmuck, Uhren und elektronischen Geräten gestiegen ist. Und natürlich darf auch nicht vergessen werden, dass zur Hochblüte der Wirtschaftskrise in großem Stil mit Gold spekuliert wurde.

Das hat den Goldpreis zwischen 2008 und 2012 von rund 800 auf 1600 Dollar pro Feinunze steigen lassen, ehe er Anfang 2013 massiv nachgegeben hat und auf rund 1200 Dollar gefallen ist. Seither hat sich der Goldpreis bei diesem Niveau eingependelt. Aktuell notiert das Edelmetall bei 1240 Dollar je Feinunze.

Die große Nachfrage nach Gold als Anlageobjekt löste auch einen regelrechten Abbaurausch aus. Gefragt ist nunmehr weniger Gold als Schmuckobjekt, sondern als Investment. Im ersten Quartal des Jahres 2016 hat die Nachfrage nach Gold als Investment erstmals die für Schmuckgold übertroffen. Die Goldnachfrage steigt weiter, liegt aktuell um 21 Prozent über Vorjahr.

Namhafte Goldhändler haben selbst Standards entwickelt, die Nachhaltigkeit beim Produzieren des gefragten Rohstoffes garantieren sollen. "Sustainable Gold" heißt das dann, wie beim LBMA-Zertifikat vom London Bullion Market. Der Rohstoffhandelsplatz legt traditionell auch den Preis für Gold fest. Das London Gold Fixing garantiert Reinheit und Qualität. Über menschenrechtliche Bedingungen oder umweltschädlichen Abbau sagt dieses Siegel allerdings wenig aus. Die „Responsible Gold Guidance“ der LBMA stellt jedoch sicher, dass das zertifizierte Gold etwa nicht aus Krisengebieten stammt und den internationalen Anti-Geldwäschegesetzen entspricht.

Fairtrade-Schmuck in Österreich

Fairtrade will da noch weiter gehen. Seit Anfang Mai gibt es Fairtrade-Gold in Österreich, allerdings bislang nur im Schmucksegment. Die Juweliere Ruesch, Dorotheum und Rauschmayer bieten etwa Ehering-Kollektionen mit Fairtrade-Gold an. "Das ist ein Bereich mit sehr viel Potenzial, gerade im Bereich Eheringe, wo man emotional sehr stark involviert ist", sagt Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich. Im Schmuck- und Münzbereich haben die Kunden einen direkten Bezug zum Produkt, auch hier geht der Trend, wie bei Kleidung und Lebensmitteln, hin zu Nachhaltigkeit und Nachvollziehbarkeit.

Produkte, die mit der Fairtrade-Gold-Punze gekennzeichnet sind, müssen physisch getrennt verarbeitet werden und sind daher bis zur Mine direkt rückverfolgbar. Die Mine und alle folgenden Handelsstufen, bis etwa ein Ring fertig ist, werden kontrolliert. Diese Sicherheit bedeutet, dass Konsumenten mit 10 bis 15 Prozent über dem regulären Goldpreis rechnen müssen.

Dorotheum Ehering-Kollektion aus Fairtrade-Gold

Ehringe aus Fairtrade-Weißgold

Wenig Fairness im Investmentbereich

Im Bankenbereich zählt Reinheit mehr als Fairness. Das Interesse an sauberem Gold hält sich in Grenzen. Hier wird mit großen Mengen an Rohgold gehandelt, der indirekte Bezug zum Kunden mindert zudem das Interesse an weiterreichenden Standards. Trotzdem gibt es auch hier bereits ein faires Investmentprodukt: Die Züricher Kantonalbank bietet Mini-Goldbarren als kleine Anlagemöglichkeit oder Geschenk mit dem Fairtrade-Siegel an.

Dass Faitrade-Gold eine zunehmende Rolle im Investmentbereich spielen wird ist schwer vorstellbar, können die kleinen Minen allein den großen Bedarf von Banken nicht decken. Zudem bedeutet das Siegel die Schaffung eines parallelen Nischenmarktes, gehandelt wird aber rauen Größen mit Rohstoffpreisen. Die hohe Goldnachfrage im Schmucksegment zeigt jedoch Potenzial auf, und auch im Technologiebereich könnte faires Gold von Interesse sein, Stichwort Corporate Social Responsability. Vielleicht verbauen Smartphone-Hersteller in fünf Jahren zertifiziertes Gold.

Fairtrade zertifiziert Gold aus handwerklichem Kleinbergbau. Hinter dem Produkt stehen kleine Bergbauern wie bei den zwei Kooperativen in Peru, eines der Hauptexportländer des beliebten Rohstoffes. Die Kooperation garantiert keine Kinderarbeit, faire Löhne sowie verpflichtende Schutzkleidung und Schulungen im Umgang mit Chemikalien. Eine Ausweitung der Zertifizierung ist bereits geplant. Aktuell durchläuft eine Kooperative in Tansania den Zertifizierungsprozess.

Drei Punkte sind bei der Zertifizierung entscheidend:

1) Legale Schürfrechte sind essenziell. Viele Probleme ergeben sich durch illegales Schürfen, unter anderem wird hier nicht auf die Umwelt geachtet.
2) Verantwortungsvoller Umgang mit Chemikalien. Zyanid ist giftig aber notwendig, um das Gold vom Stein zu trennen. Kleine und vor allem illegale Schürfer benutzen nach wie vor Quecksilber, das dann in großen Mengen in die Umwelt gelangt und schwere Schäden im Ökosystem verursacht.
3) Die Mineure erhalten 95 Prozent vom aktuellen Goldpreis und bekommen zusätzlich eine Prämie von 2.000 Euro pro Kilogramm.

Dennoch müssen im Goldbergbau auch mit der heutigen Technologie Chemikalien eingesetzt werden. Für einen Ehering aus Gold fallen 20 Tonnen Boden, Gestein und giftiger Abfall an. Goldgewinnung ist grundsätzlich ein umweltschädlicher Produktionsvorgang. "Gold wird nie ein Bio-Apferl werden", sagt Kirner. "Wenn wir das Thema aber deswegen nicht angreifen, werden wir die Welt nicht zum Besseren ändern. Wir müssen versuchen, dass dieser grundsätzlich nicht ökologische Vorgang umweltfreundlicher und fairer wird."

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