Fahrdienst Uber will 2015 zigtausende Jobs schaffen

Uber-Chef Travis Kalanick versucht in Europa gute Stimmung für sein Unternehmen zu machen. Man könnte es aber auch als Kampfansage auslegen.

Uber-Chef Travis Kalanick

Der Fahrdienst Uber ist in Europa zwar nicht beliebt. Dafür verspricht der Gründer nun in Europa heuer 50.000 Arbeitsplätze zu schaffen. Für Taxifahrer wahrscheinlich wohl eher eine Drohung als ein Versprechen.

München. In Wien sind bereits im Herbst die Taxifahrer auf die Straße gegangen um gegen den US-Fahrdienst Uber zu protestieren. Denn die Uber-Fahrer haben keine Gewerbelizenz und sind ohne Kilometermesser oder Minutenzähler unterwegs. Für die Nutzung reicht ein App. Als Chauffeure greift man in Wien auf Mietwagenunternehmer zurück. Diese brauchen nur ein Uber-App. Uber braucht damit keinen eigenen Fuhrpark. Für Kunde reicht das App.

Die Folge: Der Preis liegt laut Uber rund 25 Prozent unter den Taxigebühren. Diese Praxis die in Europa überall gleich ist, hat Regulierungsbehörden in Europa auf den Plan gerufen. Um den Streit mit Regulierungsbehörden zu glätten, schlägt Uber nun versöhnliche Töne an. "Wir wollen 2015 eine Partnerschaft mit Städten in der EU schließen", kündigte Uber-Chef Travis Kalanick.

Uber vermittelt über eine Smartphone-App Fahrgelegenheiten privater Autobesitzer und kassiert dafür Provisionen. Nach Ansicht von Behörden und Gerichten in mehreren Ländern verstößt der Dienst gegen Gesetze, die die gewerbliche Personenbeförderung regeln. Ärger bekam Uber deswegen unter anderem in Deutschland, Frankreich, Spanien und den Niederlanden, aber auch in den USA und Asien.

Die Taxi-Branche wirft Uber vor, den Wettbewerb zu verzerren, weil das Startup über seine App im Teil-Dienst UberPop auch Privatleute Fahrgäste befördern lässt - ohne die nach Personenbeförderungsgesetz nötigen Genehmigungen. Die Branche erreichte in Deutschland vor Gericht Einschränkungen für das Uber-Angebot, vor allem was private Fahrer betrifft.

In Österreichische Taxigewerbe läuft Sturm gegen die Konkurrenz aus Kalifornien. Kritiker werfen Uber unter anderem Dumping-Preise zulasten der Fahrer und mangelnden Schutz der Sicherheit von Fahrgästen vor.

Uber ignorierte die einstweilige Verfügung des Landgerichts Frankfurt mit den Worten: "Der Fortschritt lässt sich nicht ausbremsen." Am Sonntag vermied Kalanick Kritik an seinen Gegnern.

Kalanick entgegnete, mit zunehmender Popularität stiegen Auslastung und Verdienstmöglichkeiten der Fahrer. Die Sicherheit könne durch Kontrolle von Fahrern, Kunden-Feedback und satellitengestützte Überwachung der Fahrten verbessert werden.

Die Monopol-Kritik

Doch nicht nur die Jobkarte hat Uber-Chef Kalanick auf der Internetkonferenz DLD in München gezogen, um für sein Fahrtdienst-Service als Alternative zu Taxis zu werben. Er hat gleichzeitig den Behörden vorgeworfen, ein "Monopol" zu schützen. Viele Regeln seien aufgestellt worden, um ein "geschütztes Monopol" der Taxi-Branche zu verteidigen, sagte Kalanick. "Aus Regeln, die Menschen schützen, wurden Regeln, die eine Industrie schützen." Als Beispiel nannte er etwa die deutsche Regelung, wonach Funkmietwagen nach jeder Fahrt zum Firmenstandort zurückkehren müssen.

Alternative zum Auto

Kalanick nutzte seinen rund halbstündigen DLD-Vortrag, um die Vorzüge des Dienstes auch hinsichtlich der Umwelt zu betonen. "Uber wird zur effizienten Alternative dazu, ein Auto zu besitzen", sagte er. Das sei gut für Umwelt und Gesellschaft: "Wir holen Autos von der Straße, wir holen Autos von den Parkplätzen."

Uber ist nach eigenen Angaben weltweit in mehr als 240 Städten aktiv - ist aber sowohl im Heimatmarkt USA als auch in vielen anderen Ländern in eine scharfe Konfrontation mit Behörden und Taxi-Gewerbe verwickelt und muss Einschränkungen hinnehmen.

Die Investoren stören sich bisher nicht daran: Das Startup aus San Francisco sicherte sich jüngst weitere 1,2 Milliarden Dollar (1,04 Mrd. Euro). Die Bewertung lag dabei bei 40 Milliarden Dollar (34,52 Mrd. Euro). Uber ist damit eines der reichsten und am höchsten bewertet Startups, die es je gab. Die Investoren machen sich Hoffnungen, dass die Firma mit ihrer Plattform auf lange Sicht auch die Logistik umkrempeln kann. Zu den Geldgebern von Uber zählen Google, die Bank Goldman Sachs sowie der Internetkonzern Baidu aus China.

Ubers Schmutzkübel

Uber ist nicht nur wegen seiner geschäftlichen Praktiken im Fokus und in der Kritik. Gegenüber Kritiker geht der US-Konzern nicht gerade zimperlich vor - bis hin zum Ausforschen des Privatlebens von Journalisten. Emil Michael, einer der Top-Manager von Uber - laut seinem Profil bei der Internetplattform LinkedIn ist er "SVP of Business" bei Uber, sprach sich dafür aus, die Privatleben von Journalisten, die kritisch über Uber berichten, auszuforschen und die Journalisten und deren Familien öffentlich bloßzustellen. Dazu könne Uber auch Spezialisten anstellen.

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