Facebook will Amor mit einer Flirtbörse spielen

Facebook will Amor mit einer Flirtbörse spielen

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg lässt die Kritik nach dem Datenskandal in Wirklichkeit kalt. Er startet nun zum Gegenangriff.

Auf der Entwicklerkonferenz F8 spielt Facebook-Gründer Mark Zuckerberg den Amor. Die Social-Media-Plattform wird nun auch Kontakt- und Flirtbörse. Die EU-Datenschutzregeln wird Facebook weiterhin nicht weltweit akzeptieren. Die Einführung einer Wischfunktion, für die Tinder bekanntgeworden ist, ist zunächst nicht vorgesehen.

San José/Menlo Park (USA). Von Skepsis oder gar Kritik wegen des größten Datenschutzskandals der Firmengeschichte von Facebook war zur Eröffnungsrede des Unternehmensgründers und CEO Mark Zuckerberg nicht die Rede. Das Gegenteil war der Fall. Unter den 5000 Teilnehmern zur Eröffnungsrede der Entwicklerkonferenz F8 wurde Mark Zuckerberg geradezu vor und während der Eröffnungsrede euphorisch gefeiert. Für die Facebook-Entwickler und -Sympathisanten ist Zuckerberg der neue Steve Jobs zu sein, der einst bei den Apple-Veranstaltungen genauso frenetisch abgefeiert wurde.

Und Zuckerberg präsentierte, was die Entwickler freilich hören wollten. Unumwunden erklärte das Facebook-Mastermind, dass er nicht daran denke, am eigentlichen Kurs seines Unternehmens Wesentliches zu ändern gedenkt. Das Gegenteil ist der Fall: Zuckerberg setzt freilich weiter auf die immense Datensammlung, die von den Nutzern der Social-Media-Seite freiwillig und kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Eine Absage erteilt der Facebbook-Chef der weltweiten Einführung der EU-Datenschutzrichtlinien.

Ein aufwändig produziertes Video, das bei der Eröffnungsrede eingespielt wurde, sollte die Verantwortung Facebooks samt seinen Mitarbeitern dokumentieren. Aber es war alles andere als ein Eingeständnis zum leichtfertigen Umgang mit den Nutzerdaten, die in den größten Datenskandal gemündet hatten.

PR-Experten und Psychologen haben das Drehbuch zum Video geschrieben, das schon fast suggestiv dem Hörer signalisieren wollte, dass man nur am Guten werkt. „Warum bauen wir etwas?“, hieß es da von einer samtenen Stimme. Und die Antwort kam postwendend mit dem Verweis an einer besseren Welt arbeiten zu wollen. Dabei wurde indirekt das "nobody is perfect" selbst gerechtfertigt, weil Facebook nicht mehr oder weniger im Sinn hat, die Welt zu etwas besseren zu verändern. „Weil wir die Welt verändern wollen", hallte gleich die Antwort hinterher. Fast unschuldig, die eigenen Fehler zu rechtfertigen, wurde noch eins drauf gelegt: "Doch die Möglichkeit etwas zum Besseren verändern, birgt das Risiko in sich, es schlechter zu machen.“

Der angriffsfreudige Kontakter

Mark Zuckerberg hatte das Video nur als Zuseher mitverfolgt. Daraufhin hatte er freilich der Entwicklerkonferenz erklärt, wo es in Zukunft lang geht. Keine wirkliche Entschuldigung. Zuckerberg legte nach und rief zur Attacke. Denn Facebook hat nun auch offiziell den Startschuss gegeben, mit einer Flirt- und Kontaktbörse einsame Herzen einzusammeln. Mit einer Online-Partnervermittlung will er nun in die Platzhirsche der sogenannten Dating-Plattformen angreifen.

"Auf Facebook haben 200 Millionen Menschen ihren Status als Single angegeben, also gibt es hier eindeutig etwas zu tun", sagte der 33-Jährige Zuckerberg, der seine Ehefrau als Student in Harvard kennenlernte.

Dass sich Facebook so lange dafür Zeit gegeben hatte, ist überraschend. Doch die Botschaft hat bei Anlegern wie eine Bombe eingeschlagen. Allein die Bekanntgabe schickte Online-Partnervermittler wie die Tinder- und OkCupid-Mutter Match oder Sparks Networks, das hinter religiös orientierten Angeboten wie JDate und ChristianMingle steht, zumindest zwischenzeitlich auf Talfahrt.

Nach Ansicht von Analysten dürfte es sich für Facebook auszahlen auf die Partnersuche zu setzen. Allein die Suche, Kontaktaufnahme und gesamte Kommunikation dürfte Singles dazu bringen, mehr Zeit in dem Netzwerk zu verbringen und es zudem häufiger zu besuchen. Zudem könnte es dazu beitragen, dass der US-Konzern bei Jüngeren wieder beliebter wird. Die Facebook-Aktie legte 1,1 Prozent zu.

Der Einstieg von Facebook dürfte ein "großes Problem" für andere Partnervermittler darstellen, sagte Analyst James Cordwell von der Investmentfirma Atlantic Equities. Bisher gilt Match als Marktführer. Das US-Unternehmen büßte nach der Ankündigung fast ein Viertel an Börsenwert ein. Die Anteilsscheine der Match-Muttergesellschaft IAC verbilligten sich um 17 Prozent. In Deutschland und Österreich dürften Anbieter wie Parship, Elitepartner und der Rocket-Internet-Zögling Edarling ebenfalls vor dem US-Konzern zittern, der weltweit mehr als 2,2 Milliarden Mitglieder zählt und auch in Deutschland auf mehr als 30 Millionen kommt.

Facebook präsentierte anlässlich der F8-Konferenz einen Prototypen für seinen Partnervermittlungsdienst. In Kürze soll die Kontaktbörse starten. Der Dienst soll demnach völlig optional und komplett von bestehenden Facebook-Profilen getrennt sein. Ein Klick auf ein Herzsymbol bringt Nutzer direkt zu ihrem Dating-Profil, sofern der Nutzer eines erstellt hat. Die Treffer hängen von gemeinsamen Vorlieben, Hobbies und Freunden ab. Die Einführung einer Wischfunktion, für die Tinder bekanntgeworden ist, ist zunächst nicht vorgesehen. Es gehe um langfristige Beziehungen, sagte Zuckerberg, nicht um "einmalige Geschichten". Details will Facebook-Produktchef Chris Cox in den nächsten Monaten veröffentlichen.

Facebook-Datenschutz

Facebook-CEO Zuckerberg betonte, dass Privatsphäre und Datenschutz bei der neuen Anwendung eine zentrale Rolle spielten. Das weltgrößte soziale Netzwerk hatte im März zugegeben, dass die britische Datenanalyse-Company Cambridge Analytica für die Politikberatung die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern zu Unrecht in die Hände bekam und im US-Wahlkampf zugunsten von US-Präsident Donald Trump einsetzte.

Seit dem Datenskandal ist Facebook unter Druck. Zuckerberg musste im April bereits vor zwei Ausschüssen im US-Senat sowie im US-Kongress Rede und Antwort stehen. Auch die EU-Kommission will Zuckerberg zu den Datenskandalen befragen.

Der Facebook-Chef hatte vor den US-Institutionen Fehler eingeräumt und einen besseren Datenschutz versprochen. Zuckerberg hatte erklärt die Transparenz und den Schutz der Privatsphäre zu verbessern. Bald will das Unternehmen eine neue Löschfunktion für Nutzerdaten zur Verfügung stellen, die das Entfernen von Informationen wie die Liste besuchter Websites oder Apps leichter machen soll. Bis diese Kontrollfunktion in das Netzwerk eingebaut wird, soll es allerdings noch einige Monate dauern.

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