Facebook-Cybergeld "Libra"rüttelt die Notenbanken auf

Facebook-Cybergeld "Libra"rüttelt die Notenbanken auf

Die Bank of England fordert das Facebook-Projekt unter Aufsicht zu stellen. Der deutsche Bundesbank-Präsident Weidmann warnt vor den Gefahren von stablecoins. Paris schafft G-7-Projektgruppe zu Kryptowährungen. FATF will Pläne für mehr Kontrolle von Cybergeld.

Frankfurt/London/Paris. Facebooks Pläne für eine eigene Kryptowährung schrecken weltweit die großen Notenbanken auf. Die Bank von England, die Fed, alle großen Zentralbanken und Aufseher müssten dieses Projekt des sozialen Netzwerks kontrollieren, sagte der Chef der Bank von England, Mark Carney, am Freitag dem Sender BBC. "Es muss sicher sein, oder es wird nicht passieren."

Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, warnte auf einer Veranstaltung in Eltville vor den Risiken solcher Cyberdevisen. Auch er hält letztendlich eine Form der weltweiten Regulierung für erforderlich. Die Financial Action Task Force (FATF), ein weltweites Gremium zur Bekämpfung und Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, wollte noch am Freitag Maßnahmen für eine stärkere Überwachung von Kryptowährungen vorstellen.

Facebook hatte vor wenigen Tagen angekündigt, eine eigene Cyberdevise mit dem Namen "Libra" in der ersten Hälfte 2020 an den Start bringen zu wollen und damit in den weltweiten Zahlungsverkehr einzusteigen. Facebook wird jeden Tag von etwa ein bis zwei Milliarden Menschen genutzt. Libra soll es allen Nutzern des Netzwerks ermöglichen, untereinander Geld zu versenden und Waren von Unternehmen zu erwerben - für Facebook ein gewaltiger Schub. Branchenkenner halten es für nicht ausgeschlossen, dass Facebook damit das traditionelle Finanzsystem auf den Kopf stellen könnte. "Libra" soll ein sogenannter stablecoin sein. Solche Digitalwährungen sollen durch Koppelung an staatliche Währungen weniger anfällig für Preisschwankungen sein als bestehende Cyber-Devisen wie etwa Bitcoin. Daher könnten stablecoins auch als Zahlungsmittel große Verbreitung finden und somit traditionellem Geld Konkurrenz machen.

Bundesbank-Präsident Weidmann sieht in derartigen Kryptowährungen Gefahren für die Verbraucher. "Insbesondere gibt es die Frage, wie der Wert von stablecoins garantiert werden kann." Auch für die Finanzbranche drohten Risiken, sollten stablecoins große Verbreitung finden. "Sie könnten das Einlagengeschäft der Banken und ihre Geschäftsmodelle untergraben", sagte Weidmann. Sein EZB-Ratskollege, Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau, sagte auf einer Veranstaltung, es sei im Interesse aller, dass Offenheit gegenüber Innovationen auch mit Entschlossenheit bei der Regulierung einhergehe. Die Gruppe der sieben führenden Industriestaaten habe eine Arbeitsgruppe zu dem Thema eingesetzt. Die Projektgruppe, in der Zentralbanken-Vertreter sitzen sollen, werde von EZB-Direktor Benoit Coeure geleitet.

Frankreich hat derzeit den Vorsitz in der G7-Staatengruppe. Die G-7-Finanzminister und Notenbank-Gouverneure wollen am 17. Juli in Chantilly zusammenkommen. Facebooks Pläne waren in vielen Ländern auf Misstrauen gestoßen. Der Banken-Ausschuss des US-Senats setzte für den 16. Juli eine Anhörung dazu an. Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire plädierte für eine stärkere Kontrolle von Technologiegiganten wie Facebook. Aus Sicht des EU-Abgeordneten Markus Ferber (CSU) sollten die Pläne für Libra Aufsichtsbehörden in Alarmbereitschaft versetzen.

Die in Paris ansässige Financial Action Task Force (FATF) wollte noch am Freitag ihren Mitgliedern Anleitungen geben, wie sie Handelsplätze für Kryptowährungen besser kontrollieren, um Geldwäsche zu verhindern. Aktuell sind 35 Länder Mitglied in dem Gremium. Der Schritt der FATF markiert einen ersten globalen Vorstoß, den Handel mit Krypowährungen, der inzwischen ein Volumen von 300 Milliarden Dollar erreicht hat, stärker zu regulieren.

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