FACC-Gründer Walter Stephan: „Ich will arbeiten!“

Der frühere FACC-Boss Walter Stephan bricht im trend-Interview sein Schweigen. Erstmals spricht der Manager über die Cyber-Attacke auf den Innviertler Flugzeugzulieferer FACC und die Folgen.

Walter Stephan, Gründer des Flugzeugzulieferers FACC

Walter Stephan, Gründer des Flugzeugzulieferers FACC

Erstmals seit den verheerenden Cyberangriffen auf sein Unternehmen meldet sich der im Mai abberufene FACC-Chef Walter Stephan öffentlich zu Wort. Der 62-jährige Gründer des Innviertler Flugzeugzulieferers schildert seine Sicht der Ereignisse: Wie auf die ersten Betrugsversuche im Herbst 2015 reagiert wurde, wie es zum eigentlichen Angriff mit einem Schaden von voraussichtlich knapp 42 Millionen Euro kam und welche Konsequenzen daraus gezogen wurden.

Die Begründung für seine Ablöse kann Stephan, der dagegen geklagt hat, nicht verstehen. Er will in sein Unternehmen zurückkehren: „Meine Klage lautet auf Anfechtung meiner Abberufung. Ich will arbeiten!“, sagt der CEO, dessen Vertrag noch bis 2019 läuft, im Interview.

Vieles hänge davon ab, ob der Nachweis gelingt, dass die schon im Februar entlassene Finanzchefin Minfen Gu die überwiegende Verantwortung für die Vorgänge zu tragen hat.

Falsche Präsidenten

Bei dem Angriff nach dem sogenannten Fake-President-Muster war es den Kriminellen gelungen, insgesamt 48 Mails unter dem Namen von Stephan ins Unternehmen zu schleusen und einen Mitarbeiter zu Überweisungen von in Summe über 54 Millionen Euro in 18 Tranchen zu veranlassen – auf Konten in der Slowakei, Hongkong, China und Taiwan.

Ein Teil des Geldes konnte noch rechtzeitig entdeckt und zurückgeholt werden. Stephan bestätigt im Interview, dass er den FACC-Aufsichtsrat in einem Schreiben darauf hingewiesen habe, schon vor dem Börsengang des Unternehmens 2014 vor Gus Qualifikation gewarnt zu haben. „Ein starkes Thema scheint zu sein, dass ein in China Geborener zuallererst auch für China agiert“, deutet er zudem interkulturelle Konflikte an.

In dem spektakulären Kriminalfall ist es überdies zu einer ersten Festnahme gekommen. Laut Bundeskriminalamt wurde eine Person in China festgenommen. „Dieser Täter wird derzeit von den Polizeibehörden in Hongkong vernommen“, zitiert das Magazin Claus-Peter Kahn, Chef des für Betrug, Fälschung und Wirtschaftskriminalität zuständigen Büros im BKA.


Lesen Sie das Interview mit Walter Stephan zum spektakulären 50-Millionen-Euro-Cyberbetrug und über seinen Rauswurf, gegen den er vor Gericht kämpft in der trend-Ausgabe 34/2016. Ab sofort als E-Paper zum Download.

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