EZB bereitet neuen, großen Geldregen vor

Die EZB und die EU-Kommission scheinen derzeit um neue Milliardenhilfen zu wetteifern. Nach den 750 Milliarden Euro für einen Wiederaufbaufonds rechnen Experten mit neuen Ankündigungen von Milliardenhilfen durch die europäische Notenbank.

EZB bereitet neuen, großen Geldregen vor

Die EZB in Frankfurt: Auf ihr lastet ein großer Teil der Verantwortung für die Erholung in der Eurozone.

Die EZB könnte bei ihrer nächsten Sitzung am kommenden Donnerstag kräftig Geld für Wirtschaftshilfe nachlegen. Experten rechnen damit, dass die Anleihekäufe im Rahmen des „Pandemic Emergency Purchase Programme“ (PEPP) könnte um 500 Milliarden Euro aufgestockt werden. Ursprünglich war das Hilfsprogramm auf 750 Milliarden Euro begrenzt worden. Mit dem Kauf von Anleihen hat die europäische Notenbank die Möglichkeit viel billiges Geld in die Wirtschaft pumpen und damit die Konjunktur stützen. Hintergrund ist, dass die Wirtschaft in der Eurozone noch stärker einbrechen dürfte als zunächst erwartet.

Die Währungshüter haben bereits bei ihrer letzten Sitzung signalisiert, nachjustieren zu wollen. Die EZB sei "voll und ganz bereit", die Wirtschaft notfalls durch eine Erhöhung des PEPP-Programms zu unterstützen, heißt es in den Protokollen der jüngsten Zinssitzung. Auch das Nachschärfen weiterer Instrumente im Krisenkampf schließt sie nicht aus.

Für die massive Aufstockung von EZB-Hilfsgeld sprechen drei Gründe:

  1. Wachstums- und Inflationsprognosen nach unten revidiert. Die EZB wird ihre Wachstums- und Inflationsprognosen deutlich reduzieren. Laut Notenbank-Chefin Christine Lagarde dürfte die Wirtschaft in der Eurozone in diesem Jahr um acht bis zwölf Prozent schrumpfen. Und es ist nicht zu erwarten, dass die alten BIP-Niveaus von 2019 schnell wieder erreicht werden. Damit verbunden ist ein disinflationärer Ausblick auf die Inflation. Dies bedeutet eine anhaltende deutliche Verfehlung des Inflationsziels.
  2. Anleihenkäufe: Direkte Injektion in die Wirtschaft der EU. Das PEPP ist nach Einschätzung der Experten der Fondsgesellschaft DWS das Instrument der Stunde, „vor allem weil es praktisch und flexibel ist.“ Bisher hat die EZB für 218 Milliarden Euro Anleihen gekauft. Ginge sie in diesem Tempo weiter vor, was angesichts der gewünschten Stabilisierung der Risikoaufschläge der Anleihen zu erwarten ist, würden die Mittel bereits diesen Oktober ausgeschöpft sein, rechnet die DWS vor. Eine Aufstockung wäre also notwendig. Eine Verlängerung des Anleihenkaufprogramms um mindestens drei Monate bis Ende des ersten Quartals 2021 gilt daher als wahrscheinlich. Dürften wirtschaftliche und fiskalische Probleme, gerade in den Peripheriestaaten bis dahin, nicht so weit gelöst sein, dass sie keine weitere Unterstützung bedürften. Die DWS dazu: „Dem dürfte die EZB bereits jetzt Rechnung tragen, auch um Markterwartungen zu stabilisieren.“
  3. Anleihenkäufe ändern nichts an zusätzlichen Milliarden durch die EU. Die geplante Aufstockung des Anleihenkaufprogramms ändert nach Ansicht der DWS aber nichts an dem zusätzlichen Vorschlag eines europäischen Wiederaufbaufonds der ebenfalls 750 Milliarden Euro locker gemacht werden, nur von der Europäischen Union und nicht von der EZB. „Zwar dürfte der Fonds von der EZB begrüßt werden und etwas Druck von ihr nehmen. Dennoch ist es die EZB, die mit ihrem flexiblen Eingreifen schneller auf Probleme am Kapitalmarkt regieren kann, als der langfristig ausgerichtete Fonds.“, urteilt die DWS. Damit bleibt nach wie vor ein großer Teil der Verantwortung für die Erholung in der Eurozone auf den Schultern der EZB.
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