EZB bereitet Märkte vorsichtig auf Ende der Geldflut vor

EZB bereitet Märkte vorsichtig auf Ende der Geldflut vor

EZB-Präsident Mario Draghi steuert gemächlich auf eine neue Geldpolitik zu.

Die Europäische Zentralbank (EZB) bereitet das Ende ihrer ultratlockeren Geldpolitik vor. Zumindest verbal und der gewählten Finanzdiplomatie. Denn der Leitzins bleibt auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Das Inflationsziel von rund zwei Prozent dürfte nicht so schnell erreicht werden.

Frankfurt. Den Leitzins im Euroraum beließ der EZB-Rat wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent - doch der Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) rückt näher: Bei ihrer Zinsentscheidung am Donnerstag in Frankfurt verzichteten die Währungshüter auf die zuletzt übliche Formulierung, dass die Notenbank ihre milliardenschweren Anleihenkäufe ausweiten könnte, sollten sich die Rahmenbedingungen verschlechtern.

Volkswirte werten das als Signal zur Vorbereitung der Finanzmärkte auf ein Ende der Geldflut. Zudem müssen Geschäftsbanken, die Geld bei der Notenbank parken, dafür weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen.

Im Oktober hatte die EZB ihr gewaltiges Kaufprogramm für Staats- und Unternehmensanleihen um neun Monate bis mindestens Ende September 2018 verlängert, das monatliche Volumen von Jänner an aber auf 30 Mrd. Euro halbiert.

Mit viel billigem Geld versucht die EZB seit Jahren, der Konjunktur auf die Sprünge zu helfen und zugleich die Teuerung anzuheizen. Angestrebt wird Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent - weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben - das würde die Konjunktur abwürgen.

Zwar ist das Inflationsziel nach wie vor weit entfernt - im Februar fiel die jährliche Teuerungsrate im Euroraum mit 1,2 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2016. Doch das stärkere Wirtschaftswachstum macht den Währungshütern Hoffnung. Im vergangenen Jahr legte die Wirtschaft im Währungsraum der 19 Länder mit 2,3 Prozent so kräftig zu wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Das Jahr 2021

Den hauseigenen Ökonomen zufolge wird die die EZB ihr Inflationsziel trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs verfehlen. Die EZB-Ökonomen rechnen heuer mit einem Anstieg der Verbraucherpreise in der Eurozone von 1,4 Prozent, bekräftigte die EZB am Donnerstag ihre Dezember-Prognose.

Die Teuerungsrate bliebe damit weiter unter dem Ziel von knapp zwei Prozent. Für 2019 wurde die Prognose von 1,5 auf 1,4 Prozent gesenkt, für 2020 bei 1,7 Prozent belassen.

Die gute Konjunktur schlägt sich unterdessen in einer etwas höheren Wachstumsprognose nieder. Die Ökonomen rechnen 2018 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,4 (Dezember-Prognose: 2,3) Prozent. Für 2019 werden unverändert 1,9 Prozent erwartet und für 2020 weiter 1,7 Prozent vorausgesagt.

"Die eingehenden Informationen, einschließlich unserer Prognosen, bestätigen die starke und breit angelegte Wachstumsdynamik in der Wirtschaft des Euroraums, die sich in naher Zukunft voraussichtlich etwas schneller als bisher erwartet ausweiten wird", sagte EZB-Präsident Mario Draghi.

Volkswirte erwarten, dass die EZB bis zum Jahresende schrittweise erst das Anleihenkaufprogramm ("Quantitative Easing"/QE) zurückfahren wird. Mit steigenden Zinsen sollten Sparer frühestens 2019 rechnen. Allerdings profitieren andererseits Kreditnehmer vom Zinstief.

Erschwert werden könnte die Rückkehr zu geldpolitischer Normalität durch die jüngsten politischen Ereignisse: Nachdem US-Präsident Donald Trump Strafzölle für ausländische Güter angekündigt hat, droht ein weltweiter Handelskonflikt. Und Italien, das Heimatland von EZB-Präsident Mario Draghi, steht nach dem Sieg europakritischer Kräfte bei der Parlamentswahl eine schwierige Regierungsbildung bevor.

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