Der Exportmotor gerät ins Stocken

Der Exportmotor gerät ins Stocken

Krisen an allen Ecken der Welt setzt den Exporteuren in Europa zu

Die Ausfuhren in Österreich, Deutschland und Gesamteuropa geraten seit kurzem deutlich unter Druck. Die Ursachen, die Prognosen.

Der jüngste Aufschrei kommt von deutschen Exporteuren. "An allen Ecken und Enden der Welt kriselt es, nicht zuletzt vor den Toren Europas", erklärt Anton Börner, Präsident des deutschen Außenhandelsverband BGA gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Das wirkt sich unmittelbar auf die stark exportlastige deutsche Wirtschaft aus. Ihr Auslandsgeschäft legt in diesem Jahr laut dem Verband um maximal zwei Prozent zu, 2017 um höchstens 2,5 Prozent. Der Auslandsumsatz summiert sich in diesem Jahr demzufolge auf 1,22 Billionen Euro. Ursprünglich hatte die Exportspezialisten in diesem Jahr ein Plus von bis zu 4,5 Prozent angepeilt, doch signalisierte BGA-Präsident Anton Börner bereits im August eine Halbierung dieser Prognose.

Auch die österreichischen Exporteure sind unter Druck. "In Österreich leidet die Wirtschaft unter schwachem Export", erläuterte Marcus Scheiblecker, stellvertretenden Leiter des Wifo. Noch im ersten Halbjahr stiegen die Ausfuhren um 1,2 Prozent auf 65,5 Milliarden Euro. Insgesamt geht sich für 2016 jedoch ein Plus aus. Die österreichischen Exporte werden heuer laut Prognosen des Wifo um 2,8 Prozent steigen, wenn im Vorjahr das Wachstum auch 3,6 Prozent betrug. Auch 2017 bleibt die Exportentwicklung mit 2,8 Prozent verhalten.

Rückgang beschleunigt sich

Im gesamten Euroraum sind die Exporte stark rückläufig. Die 19 Länder des Euroraums haben laut Eurostat, dem EU-Amt für Statistik, im Juli um zehn Prozent weniger Waren exportiert als im Juli des Vorjahres. Damit hat sich der Rückgang in den vergangenen Monaten deutlich beschleunigt. Von Jänner bis Juli fielen die Warenexporte der Eurozone in den Rest der Welt um zwei Prozent.

Viele Unsicherheiten in Europa bleiben bestehen

Der Auslandsumsatz summiere sich in diesem Jahr auf 1,22 Billionen Euro, 2017 auf 1,25 Billionen Euro. Trotz der Bestmarken überwiegen bei dem Branchenverband aber die Molltöne. "Das schwierige weltwirtschaftliche Umfeld wird sich auch in den kommenden Monaten fortsetzen", sagte Börner. "So stehen alleine in Europa zahlreiche Wahlen und wichtige Entscheidungen mit völlig ungewissem Ausgang an, etwa in Italien, den Niederlanden, Frankreich und in Deutschland." Auch bleibe abzuwarten, wie die Weichen beim geplanten EU-Austritt Großbritanniens gestellt würden.

Unternehmen verschieben Investitionen

Der deutsche Verbandschef für den Außenhandels bleibt pessimistisch: "Die Exporte werden weiter abkühlen. Die ungewöhnlich vielen Risiken gefährden zwar nicht die wirtschaftliche Stellung Deutschlands in der Welt, doch der Außenhandel wird auf absehbare Zeit weiter abkühlen. Die Unternehmen fahren auf Sicht und verschieben Investitionen, die Grundlage für dringend benötigtes Wachstum sind." Letzteres gilt auch für viele andere Länder der EU. So stehen alleine in Europa zahlreiche Wahlen und wichtige Entscheidungen mit völlig ungewissem Ausgang an, etwa in Italien, den Niederlanden, Frankreich und in Deutschland." Auch bleibt laut Börner abzuwarten, wie die Weichen beim geplanten EU-Austritt Großbritanniens gestellt würden.

Ursachen für die Exportflaute

Grund für die rückläufigen Exportquoten ist die lahmenden Weltkonjunktur, die unter anderem die einstigen Boomländer der Emerging Markets betrifft. Das spüren auch wiederum gerade großen Konzerne in Europa, die unter dem Nachfragerückgang in China, Brasilien, Russland oder Indien leiden. China kämpft mit Überkapazitäten, Brasilien steckt in einer Rezession und auch in Russland stottert der Wirtschaftsmotor beträchtlich, wenn die letzteren beiden den Weg aus dem Tief bald wieder schaffen dürften. So rechnet die Investmentgesellschaft Schroder sowohl für Russland als auch für Brasilien mit einer Rückkehr zum Wirtschaftswachstum, wenn auch nur mit einem sehr geringen. So soll dieses für Russland unter einem Prozent liegen. Brasilien hat sich nach einem trostlosen ersten Quartal bereits leicht erholt. Nur für Indien ist die Investmentgesellschaft Schroder pessimistisch. Die Volkswirtschaft ist im zweiten Quartal im Vergleich zu jenem im Vorjahr von 8,3 Prozent auf 6,7 Prozent abgekühlt und das trotz stark gestiegener Investitionen der Regierung.
Große Unsicherheiten unter den Unternehmen verursachen auch Konflikte in und um Europa..

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