Neues US-Konjukturpaket bringt Chancen für Österreichs Exporteure

Der "American Rescue Plan" wird auch für Exporteure neue Chancen bieten. Der US-Kongress hat 1.900 Milliarden Euro bewilligt. Einfetter Batzen wird heuer schon vergeben.

Neues US-Konjukturpaket bringt Chancen für Österreichs Exporteure

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist am besten Weg, die Corona-Pandemie schnell zu überwinden. Die USA als weltgrößter Importeur und zweitgrößter Exporteur von Waren schreibt zwar seit dem Jahr 1970 ein Handelsdefizit nach dem anderen. Aber mit der Wahl von Joe Biden keimt neuer Optimismus.

Ex-Präsident Donald Trump wollte das Defizit einbremsen. Seine Maßnahmen konnte man als brachial bezeichnen, die zudem alles andere als erfolgreich waren. Trump sah die Ursache für das traditionell hohe Handelsdefizit als Ergebnis schon lange Jahre andauernder unfairen Handelsbedingungen.Der Ex-Präsident hatte dies als Zeichen dafür gedeutet, dass sein Land von anderen Staaten über den Tisch gezogen werde - und deshalb Handelskonflikte angezettelt, etwa mit China oder Mexiko, aber auch mit der EU. Der "unfaire Handel" hätte laut Trump in den USA unzählige Jobs gekostet. Mit einem Zollkrieg gegen China und den Rest der Welt wollte Trump mit brachialer Gewalt das Defizit zurückfahren.

Zwischen 2010 und 2020 entfielen rund 44 Prozent des Saldos auf China. Zwar ging dieser Anteil auf Rekordhöhe im Ausmaß von fast 420 Mrd. Dollar im Jahr 2018 deutlich zurück – doch konnte Trump sein Wahlkampfziel von 2016, das Gesamtdefizit deutlich zu reduzieren, dennoch nicht erreichen. Während sich die US-Strafzölle auf das bilaterale Handelsdefizit mit China negativ auswirkten, das verglichen zum Jahr 2019 um 18 Prozent sank, wurde dieser Rückgang durch Anstiege des Handelsdefizits unter anderem mit Mexiko, Vietnam, Taiwan, Südkorea aber auch Irland und Frankreich nahezu ausgeglichen.

Trump hinterlässt seinem Nachfolger Joe Biden für das Jahr 2020 ein Rekorddefizit von insgesamt 900 Milliarden Dollar, was unter anderem auch Folge einer von der Corona-Pandemie geschüttelten Wirtschaft ist. Die Exporte gingen 13 Prozent zurück, der Import von Waren um 6 Prozent. Mit großer Spannung wird man auf Joe Biden blicken, inwieweit er die Trump'sche Zollpolitik weiterführen wird. Vor allem, wie die Geschäfte mit China wohl neu definiert werden.

Die rasche Erholung

Ungeachtet dessen: Die Vorzeichen der Wirtschaft zeigen bereits an, dass sich die US-Wirtschaft schneller erholen wird als bisher prognostiziert wurde. Der Impffortschritt gibt der Entwicklung einen kräftigen Anschub. Zudem verbessert hat sich seit Jahresbeginn sukzessive das Konsumklima, aber auch bei den Investitionen ist der Aufschwung erkennbar. Forciert wird das Wachstum aber durch den "American Rescue Plan" (siehe Tabelle, u.) . Mit einem Volumen von 1,9 Billionen US-Dollar (9 Prozent des BIP) hat der US-Kongress auf Initiative von Joe Biden ein Konjunkturpaket verabschiedet, dass der US-Wirtschaft deutliche Wachstumsimpulse geben soll. Laut Coface wird das US-Defizit weiterhin steigen. Laut Analysen könnte das Defizit bis zu 56 Mrd. Dollar höher ausfallen als im Jahr 2020.

Mehr als ein Drittel des Budgets aus dem "American Rescue Plan" fließt noch im Jahr 2021 direkt in die US-Wirtschaft. Nach einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 3,5 Prozent im Jahr 2020 wird die US-Wirtschaft laut Coface um 5,7 Prozent wieder kräftig zulegen. „Mit diesem Stabilisierungsprogramm ist zu erwarten, dass sich das Bruttoinlandsprodukt der USA bereits Mitte 2021 - und damit weit vor der Mehrheit der großen Volkswirtschaften - wieder ihr Vorkrisenniveau erreicht“, erklärt Dagmar Koch, County Managerin Coface Österreich.

Der "American Rescue Plan"

Zahlungen in Mrd. US-Dollar
Schecks an Haushalte 450
Zahlungen an Bundesstaaten & Kommunen 350
Verlängerung und Erweiterung der pandemiebedingten Arbeitslosenversicherung 300
Zahlungen für Covid19-Impfkampagne 180
Investitionen in Bildung und Verkehr 155
Steuererleichterungen für Haushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen 130
Ausweitung der Krankenversicherung 92
Hilfe für KMU 50
Verlängerung und Erweiterung der Familien- und Krankentagesgeldes 50
Sonstige Zahlungen 187
Gesamt 1.944
Quelle: Committee for a responsable Federal Budget

Der boomende Konsum werde die Nachfrage nach Importen ankurbeln, sowie den Grundstein für ein Rekord-Handelsdefizit legen. Der damit einhergehende steigende Verbrauch an Rohstoffen führt jedoch zusammen mit den voraussichtlich noch bis Jahresende angespannten Lieferketten zu einem spürbaren und auch für Europa schmerzhaften Anstieg der meisten Rohstoffpreise.

Der „American Rescue Plan“ werde laut Coface-Analyse eine Steigerung des Defizits um bis zu 56 Mrd. Dollar. Als Folge könnten sich die bilateralen Defizite mit Mexiko, aber auch mit Deutschland, Südkorea, Brasilien und Indien ausweiten. Und auch für österreichische Exporteure gibt es dadurch neue Chancen. Österreich hat im Vorjahr Waren im Wert von 9,2 Milliarden Euro exportiert, die Importe beliefen sich auf 5,2 Milliarden Euro. Der Saldo war somit um rund 1 Mrd. höher als noch im Jahr 2019.

Die 5 wichtigsten Kennzahlen der US-Wirtschaft

2018 2019 2020 (f) 2021(f)
BIP-Wachstum (%) 3,0 2,2 -3,5 5,7
Inflation (Jahresdurchschnitt in %) 2,4 1.8 1,3 2,8
Budgetdefizit (in Prozent vom BIP) -3,8 -4,6 -14,9 -13,8
Leistungsbilanz (in Prozent vom BIP) -2,2 -2,2 -3,1 -3,3
Staatsschulden (in Prozent vom BIP) 106,6 108;2 132,4 137,8
(f): Prognose *Fiskaljahr vom 1. Oktober bis 30. September. 2021 Data: FY 2020/21 Quelle: Coface

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