Hinter Schloss und Riegel: Die Folgen des Brexit

Der Export ins Vereinigte Königreich ist von der neuen Zollgrenze betroffen. Was Österreichs Unternehmen beim Handel mit dem UK nun beachten sollten.

Hinter Schloss und Riegel: Die Folgen des Brexit

Für Exporte ins UK gelten nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU seit dem 1. Jänner 2021 neue Regeln

Seit dem 1. Jänner dieses Jahres gilt das Vereinigte Königreich als Drittstaat – die Briten haben die EU verlassen, die Zollgrenze zur Union wurde eingerichtet.

Das bedeutet einen gestiegenen Aufwand für Ein- und Ausfuhren; die meisten österreichischen Unternehmen stehen dem aber gelassen gegenüber. Schließlich gab es ausreichend Zeit, sich auf den Brexit vorzubereiten. Und die meisten Exporteure sind große Unternehmen wie Wienerberger oder Magna.

Prinzipiell werden nach den langwierigen Verhandlungen zwischen EU und dem Vereinigten Königreich die meisten Waren nicht mit Zöllen oder Quoten belegt. Sie müssen allerdings den neuen, strengen Ursprungsregeln entsprechen, also vollständig im Zollgebiet der beiden Vertragspartner gewonnen worden sein. Für Waren, die nur teilweise aus Ursprungswaren des jeweiligen Gebiets bestehen, gibt es produktspezifische Bestimmungen, etwa in Form von Wertschöpfungsklauseln. Da kann es dann doch recht komplex werden. Zu beachten sind zudem steuerliche Bestimmungen, etwa betreffend die Umsatzsteuer.

Abgesehen vom administrativen Aufwand – der sich derzeit dank bestimmter Übergangsregeln noch optimieren lässt – sind es aber eher Fragen nach den prinzipiellen, langfristigen Chancen für österreichische Unternehmen nach dem Brexit. Die Einstiegskosten könnten nun höher sein als bisher; gerade kleinere Unternehmen sollten sich vorab über realistische Chancen erkundigen. Dennoch: Das Vereinigte Königreich bleibt als fünftgrößte Wirtschaftsmacht attraktiv, nicht zuletzt wegen der liberalen Rahmenbedingungen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die britische Wirtschaft vom Brexit-Schock erholt und ob beispielsweise der Einbruch der EU-Lieferungen wirklich nur an der Coronakrise liegt.


Steuer-Checkliste für Unternehmen

Die EU und Großbritannien haben praktisch bis zur letzten Minute verhandelt, ehe sie ein neues Handels- und Partnerschaftsabkommen eingegangen sind. Das Bundesministerium für Finanzen informiert online zum Thema "Steuern & Brexit" über die neuen Bestimmungen zu Ertragssteuern, Umsatzsteuern, Vorsteuererstattungsverfahren usw.

Die Steuerexperten der TPA haben die Bestimmungen untersucht und eine Checkliste für österreichische Unternehmen erstellt, die nach Großbritannien exportieren wollen. In der Folge finden Sie die wichtigsten Punkte daraus.

1. Umsatzsteuer

Lieferungen an Unternehmen in UK sind seit dem 1. Jänner keine innergemeinschaftlichen Lieferungen mehr, sondern Exporte, bei denen entsprechende Steuern anfallen. Ein Sonderfall ist Nordirland, das weiterhin Teil der EU ist. Lieferungen nach Nordirland werden daher weiterhin wie innergemeinschaftliche Lieferungen behandelt.

Es gibt jedoch auch Voraussetzungen, unter denen diese Lieferungen steuerfrei sind:

  • Beförderung oder Versendung des Gegenstands ins Ausland ODER
  • Ausländischer Abnehmer befördert oder versendet den Gegenstand ins Ausland UND
  • Ausfuhrnachweis; beim Versand durch Belege wie Frachtbriefe oder Postaufgabescheine und bei einer Beförderung durch die schriftliche Anmeldung oder Anzeige (mit zollamtlicher Ausgangsbestätigung)

Dabei sind folgende Unterschiede gegenüber der bisherigen innergemeinschaftlichen Lieferung zu beachten:

  • Britische UID-Nummern haben ihre Gültigkeit verloren. Die Angabe der UID Nummer des Käufers nicht Voraussetzung für die Steuerfreiheit.
  • Die Vereinfachungsregeln bezüglich Dreiecksgeschäften mit britischen Unternehmen gelten nicht mehr.

2. Einfuhrumsatzsteuer / Zollanmeldung im UK

Importe in das UK bleiben grundsätzlich zollfrei, Importeure müssen sich aber registrieren (importer of records) und eine britische EORI Nummer beantragen.

Beim Import ist eine Zollanmeldung abzugeben und die Einfuhrumsatzsteuer zu entrichten. Bei der neuen PVA-Methode („Postponed VAT Accounting“) muss die Einfuhrumsatzsteuer nicht gleich an der Grenze gezahlt werden, sondern kann zu einem späteren Zeitpunkt entrichtet werden. In der Regel ist durch den vereinbarten Incoterm vorgegeben, ob die Verpflichtung zur Abwicklung der Einfuhr den Käufer oder den Lieferanten trifft.


3. Einfuhr aus dem UK nach Österreich

Waren aus Großbritannien müssen wie aus jedem anderen Drittland für den zollrechtlich Verkehr angemeldet werden und es sind die Einfuhrabgaben zu entrichten. In der Regel kann das vereinfachte Verfahren für die Abwicklung der Einfuhrumsatzsteuer angewandt werden. Das Verfahren muss bei der Zollanmeldung beantragt werden, die Einfuhrumsatzsteuer wird vom Finanzamt festgesetzt.

Die Einfuhrumsatzsteuer muss dabei nicht finanziert werden, weil sie im Zuge der Festsetzung wieder abgezogen werden kann.

Die Voraussetzungen dafür sind:

  • Angabe des exakten Firmenwortlautes in der Zollanmeldung
  • Angabe von Finanzamt und Steuernummer
  • Angabe der UID Nummer
  • Erklärung, dass der volle Vorsteuerabzug der eingeführten Waren gerechtfertigt ist

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