Handel mit Deutschland: "Corona-Barrieren müssen fallen"

Die Corona-Pandemie hat den Handel zwischen Deutschland und Österreich massiv beeinträchtigt. Volkswagen- und Porsche Chef Hans Dieter Pötsch, Präsident der Deutschen Handelskammer in Österreich, ruft nach Zusammenarbeit und Aufhebung der Corona-Barrieren.

Hans Dieter Pötsch

Hans Dieter Pötsch ruft auf, die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich nun Deutschland wieder zu intensivieren.

Deutschland ist Österreichs wichtigster Handelspartner, doch in der Corona-Pandemie haben die traditionell guten Geschäftsbeziehungen und der Warenverkehr zwischen den beiden Staaten massiv gelitten. Das Volumen im Warenhandel zwischen Deutschland und Österreich ist im Pandemie-Jahr 2020 um rund neun Prozent eingebrochen und liegt in der Jahresbilanz mit knapp über 100 Milliarden Euro unter dem Wert von 2017.

“Die Covid-19-Pandemie und die Maßnahmen zu ihrer Eindämmung haben deutliche Spuren in der Außenwirtschaftsbeziehung zwischen Deutschland und Österreich hinterlassen”, bedauerte Hans Dieter Pötsch, Präsident der Deutschen Handelskammer (DHK) in Österreich bei deren Jahres-Pressekonferenz. Pötsch, der zugleich auch Aufsichtsratsvorsitzender der Volkswagen AG und Vorstandsvorsitzender der Porsche SE, appellierte daher an die Politik und Unternehmen, die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern wieder zu intensivieren.

Den Zahlen des deutschen Statistischen Bundesamtes (Destatis) zufolge gingen die österreichischen Exporte nach Deutschland im Jahr 2020 gegenüber 2019 um 8,4 Prozent auf 40,3 Milliarden Euro zurück und die österreichischen Importe aus Deutschland reduzierten sich um 9,3 Prozent auf 59,9 Milliarden Euro. Für 2021 rechnet die DHK mit einem weiteren Rückgang von sechs Prozent gegenüber 2020.

Beschränkungen als Hürde

Mit ein Grund für den Rückgang im Handel zwischen den Deutschland und Österreich waren die Corona-bedingten Beschränkungen im Grenzverkehr. DHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Gindele betont daher auch die Bedeutung freier Marktzugänge für die Erholung der Wirtschaft: “Diese Barrieren müssen wieder fallen.”

DHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Gindele

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“Ich sehe ein enormes Potenzial für die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen aus Deutschland und Österreich”, betonte Pötsch. Dabei sollte man sich auf Themenfelder konzentrieren, die sich schon jetzt durch hohe Wettbewerbsfähigkeit auszeichnen - Technologie und Mobilitätswirtschaft. So wäre zum Beispiel der Ausbau und die Vernetzung der E-Mobility-Infrastruktur in Deutschland und Österreich zielführend. Pötsch: “Mein Appell richtet sich daher an die deutsche und österreichische Wirtschaft, die Anstrengungen zu bündeln.”

Weitere wirtschaftspolitische Maßnahmen nötig

Auch Gabriel Felbermayr, designierter Wifo-Chef und aktueller Präsident des Instituts für Weltwirtschaft Kiel (IfW Kiel),
sieht sieht Potenzial in verstärkter Zusammenarbeit zwischen den Ländern in der Europäischen Union, wie zum Beispiel bei Infrastrukturprojekten sowie Forschung und Entwicklung.

Aus gesamtökonomischer Sicht dämpft er allerdings die Erwartung auf eine baldige Erholung, für die der weitere Pandemieverlauf ein großer Unsicherheitsfaktor bleibt. Um das wirtschaftliche Potenzialwachstum zu stärken, wären langfristige Reformen gefragt. Felbermayr: “Wir müssen Lehren aus der Krise ziehen und Instrumente wie Kurzarbeit und Unternehmenshilfe anpassen.” Zudem seien für 2022 noch fiskalpolitische Impulse wie steuerliche Maßnahmen zur Förderung von Investitionen und punktuell auch einkommensstärkende Maßnahmen notwendig.

Wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Stärkung hält Felbermayr auch deshalb für notwendig, weil die Prognosedaten für die nächsten zwei Jahre zeigen, dass sich die Wirtschaft zum Beispiel in den USA rascher erholen wird als in Deutschland und Österreich. Das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands lag im vierten Quartal 2020 um 3,6 Prozent, in Österreich um 5,9 Prozent unter dem Niveau von 2019.

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