Chance Export: Auf nach Westeuropa!

Die Staaten Westeuropas und der EU bleiben für Österreichs Export unverzichtbar – und in vielen Sparten ergeben sich nach der Krise neue Chancen.

Chance Export: Auf nach Westeuropa!

Wildfleisch und Fahrräder – zwei ausgesprochen unterschiedliche Waren, die aber typisch sind für den Erfolg österreichischer Unternehmen in Westeuropa. Da wäre zunächst die Fleischhauerei Ozlberger: Der Familienbetrieb in Hartkirchen im Hausruckviertel exportiert seit dem Vorjahr Wild nach Frankreich. Der Grund: In Corona-Zeiten führten die Schließungen der Gastronomie zu einem Rückgang in diesem Geschäftsfeld – daher hat Geschäftsführerin Renate Ozlberger die Exportchance ergriffen.

Stark im Export– wenn auch auf einem ganz anderen Niveau – ist auch die Mattighofener KTM Fahrrad, Deutschland ist der wichtigste Exportmarkt. Marketing-Manager Matthias Grick: „Dort konnten wir das Umsatzniveau auf hohem Niveau mit Qualität und Innovation noch substanziell ausbauen.“ Vor allem mit seinen E-Bikes feiert das Unternehmen (Jahresumsatz 400 Millionen Euro) Erfolge im Export. Dazu tragen auch die Auftritte bei Tour de France und Giro bei, wie Grick bestätigt: „Der Auftritt ist ein wichtiger Bestandteil bei der Modernisierung und Internationalisierung der Marke KTM Fahrrad.“ Dazu kommt: Die Räder von morgen werden zusammen mit dem Profiteam entwickelt, das Feedback aus der Tour wird an die Entwicklungsabteilung weitergegeben. „Dieser hohe Qualitätsanspruch ist ein Muss, um in diesem Segment globaler auftreten zu können.“

Der französische Rennradprofi Pierre Rolland, zweimaliger Etappensieger der Tour de France, bei der Tour de France 2020 im Team von KTM

Mit Qualität zum Erfolg

Qualität aus Österreich ist eben gefragt, vor allem in Westeuropa. Denn diese Region bleibt die wichtigste für die heimische Wirtschaft: Auf den ersten vier Plätzen der größten Exportmärkte finden sich westeuropäische Staaten, sofern man die Schweiz als Nicht-EU-Land dazu zählen möchte.

Hinter Deutschland, traditionell der weitaus wichtigste Exportmarkt, finden sich Italien, die bereits erwähnte Schweiz und Frankreich unter den Top 4. Mit dem Vereinigten Königreich und den Niederlanden sind dann nochmals zwei westeuropäische Staaten unter den Top-10 der Exportländer für Österreich (siehe Tabelle).

Top-Exportmärkte in Westeuropa | *Rang = Platzierung im Gesamtranking
Rang* Land Ausfuhren 2020 Ausfuhren 2019
1 Deutschland 43,3 Mrd. € 45,0 Mrd. €
2 Italien 8,8 Mrd. € 9,7 Mrd. €
3 Schweiz 7,5 Mrd. € 7,3 Mrd. €
4 Frankreich 6,1 Mrd. € 6,7 Mrd. €
8 Verein. Königreich 4,1 Mrd. € 4,5 Mrd. €
10 Niederlande 2,8 Mrd. € 2,9 Mrd. €
Quellen: Statistik Austria, WKO, Eigenrecherche

Das beweist: Obwohl das Potenzial in Zentral- und Osteuropa sowie in Schwellenländern anderer Kontinente groß ist, bleibt Westeuropa im Mittelpunkt der Exportbemühungen. Und daran wird sich in den nächsten Jahren nicht allzu viel ändern. Der deutsche Markt bleibt alleine wegen seiner Industrie – allen voran die Automotive-Sparte – für österreichische Exporteure das Nonplusultra. Den Corona-Verwerfungen zum Trotz sind auch Italien und Frankreich aus der Liste der wichtigsten Destinationen nicht wegzudenken; überraschend hat sich zuletzt die Schweiz entwickelt.

Exportbilanz 2020

  • Gesamt: 141,9 Mrd. €
  • Europa: 113,7 Mrd. €
  • davon EU-27: 95,7 Mrd. €
  • Eurozone-19: 73,9 Mrd. €
  • Importe aus EU: 98,6 Mrd. €
  • Handelsbilanz mit EU: - 2,86 Mrd. €
  • OECD Europa: 104,7 Mrd. €


Die wichtigsten Exportmärkte

Die vier wichtigsten Märkte in Westeuropa für Exportgeschäfte österreichischer Unternehmen und deren aktuelle Entwicklung

1. Deutschland

Konzerne wie VW, Siemens, Bayer oder Lufthansa bestimmen das Bild der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt, dabei wird die deutsche Wirtschaft – ebenso wie die österreichische – von KMU geprägt: Diese erwirtschaften die Hälfte des Gesamtumsatzes. Die Coronakrise hat die deutsche Wirtschaft schwer getroffen (BIP-Minus von fünf Prozent) , dennoch stehen die Zeichen auf Optimismus: Ab dem zweiten Quartal soll es rasch aufwärts gehen, die Prognosen für das Gesamtjahr liegen bei drei bis vier Prozent Wirtschaftswachstum.

Für Österreichs Exportwirtschaft wird auch in den nächsten Jahren kein Weg am großen Nachbarn vorbeiführen. Die deutsche Automotive-Industrie, von Corona, Abgasskandalen und einer gewissen Schläfrigkeit bei E-Mobilität beeinflusst, soll dafür weiterhin ein Treiber sein: Mit enormen Investitionen machen sich die deutsche Autobauer gerade für den Wandel der Mobilität fit – und Österreichs Zulieferer werden dabei eine wichtige Rolle spielen. Chancen bieten sich darüber hinaus in der Baubranche (Stichwort nachhaltiges Bauen), im Maschinenbau, in der Luftfahrt sowie bei Umwelttechnologien.


2. Italien

Unsere südlichen Nachbarn waren im Vorjahr als erstes europäisches Land massiv von der Corona-Pandemie betroffen. Auch die Wirtschaft hat unter deren Auswirkungen zu leiden, das BIP ist 2020 um knapp neun Prozent gesunken. Hilfspakete wurden geschnürt, doch die Mängel der italienischen Wirtschaft waren schon vor Corona zu sehen.

Für österreichische Unternehmen bleibt Italien dennoch der zweitwichtigste Markt hinter Deutschland; im Vorjahr sind die Exporte zwar um mehr als neun Prozent zurückgegangen, sollten sich aber in den nächsten Monaten erholen.

Chancen ergeben sich vor allem für die Sportindustrie, denn die Italiener sind traditionell sportbegeistert. Nicht nur in Skigebieten im Norden, sondern generell beim Ausbau der Infrastruktur können österreichische Firmen zum Zug kommen. Italien ist der zweitgrößte Industriestandort Europas, hier können unter anderem Maschinen- und Anlagenbauer mit Qualität und gutem Service punkten. Vor allem die Umstellung der Produktion auf digitale Prozesse bietet hier neue Betätigungsfelder. Auch für die Umrüstung der Energieerzeugung auf klimafreundliche Technologien liefert Chancen.


3. Schweiz

Überraschend konnte Österreichs Nachbar im Vorjahr unter die vier größten Exportnationen vorstoßen – und bei den Dienstleistungsexporten sind die Eidgenossen überhaupt der zweitwichtigste Markt. Dabei ist die Schweiz gar kein EU- bzw. EWR-Mitglied, was gewisse Hürden im Export mit sich bringt.

Die Schweizer Wirtschaft wird ebenso von KMU geprägt; die großen, global tätigen Konzerne aus der Pharma- und Nahrungsmittelindustrie sorgen für die nötige Stabilität. Nicht nur deshalb ist die Schweizer Wirtschaft recht gut durch die Coronakrise gekommen (BIP Minus drei Prozent, Arbeitslosenquote 3,7 Prozent); dazu trägt auch die Bedeutung als einer der weltweit wichtigsten Finanzplätze bei.

Für den Export aus Österreich ist aber interessant, dass die Schweiz dank zahlungskräftiger Kunden sehr empfänglich ist für qualitativ hochwertige Waren und Dienstleistungen. Für 2021 darf mit einem deutlichen Wachstumskurs der Schweizer Wirtschaft gerechnet werden – wovon wiederum österreichische Unternehmen profitieren könnten.


4. Frankreich

Mehr als 450 Niederlassungen österreichischer Unternehmen in Frankreich beweisen die Bedeutung dieser Volkswirtschaft für Österreich. Und in den vergangenen Jahren ist das Interesse an der Grande Nation mit ihren knapp 67 Millionen Einwohnern nochmals deutlich gestiegen.

Die Coronakrise hat zwar die französische Wirtschaft ordentlich gebeutelt, doch mit Hilfspaketen sollte es rasch wieder bergauf gehen. Dazu tragen Großprojekte wie die Austragung der Ski-WM 2023 in Courchevel-Meribel, die Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris sowie das enorme Stadterweiterungsprojekt Le Grand Paris bei. Und genau diese Projekte bieten österreichischen Unternehmen gute Chancen. Bei den Branchen sind unter anderem die große Luftfahrtindustrie, weiters Maschinenbau, Automotive und chemische Industrie spannend für Unternehmen aus Österreich.

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