trend EXKLUSIV: Bawag startet Projekt Börsengang

trend EXKLUSIV: Bawag startet Projekt Börsengang

Bawag-Boss Anas Abuzaakouk drückt aufs Tempo. Seine Eigentümerwollen Geld sehen. Ein Börsengang soll bis zu 1,5 Mrd. Euro bringen.

Die Bawag, Österreichs viertgrößte Bank, wird an die Börse gehen. Die Vorbereitungen dazu laufen: Vor der Roadshow Anfang Oktober kam es zu Änderungen in der Satzung und im Aufsichtsrat. Doch auch Risiken für künftige Aktionäre sind nicht zu übersehen künftige Aktionäre sind nicht zu übersehen.

Die Vorbereitungen der Bawag P.S.K. auf einen Börsengang laufen bereits auf Hochtouren. Am 15. September wurde in der Bawag Group AG, der Muttergesellschaft der operativen Bank, eine außerordentliche Hauptversammlung abgehalten, die Weichen für ein IPO stellte. Das geht aus dem Protokoll hervor, das dem trend exklusiv vorliegt (siehe Print-Ausgabe trend 39/2017 vom 29. September 2017).

„Im Hinblick auf einen möglichen Börsengang der Gesellschaft soll die Satzung angepasst werden“, heißt es darin. Vorratsbeschlüsse für eine Kapitalerhöhung wurden getroffen. Auch im Aufsichtsrat kam es zu Änderungen: So ist Post-Finanzchef Walter Oblin nicht mehr vertreten.

Ende vergangener Woche erfolgte dann das zweite Signing des Börsenprospekts, und Anfang Oktober wird es wirklich ernst: Ab 2. Oktober begibt sich der Bawag-Vorstand rund um CEO Anas Abuzaakouk laut trend-Informationen auf eine zweiwöchige Roadshow, um den erzielbaren Preis für die Bank zu eruieren. Danach wollen die Haupteigentümer, die US-Fonds Cerberus und Golden Tree, die endgültige Entscheidung treffen, ob es tatsächlich zu der Milliardentransaktion kommt. Sie gehen mit einer Bewertung von rund fünf Milliarden Euro für Österreichs viertgrößte Bank ins Feld. 20 bis 30 Prozent am Institut sollen an die Börse – voraussichtlich die Wiener – gebracht werden, was den Aktionären bis zu 1,5 Milliarden Euro einbringen könnte.

Experten halten diese Bewertung allerdings für sehr ambitioniert. Zum Vergleich: Die Erste Group ist an der Börse aktuell 15 Milliarden Euro wert, also drei mal so viel. Deren Bilanzsumme war 2016 aber mehr als fünf Mal so groß wie jene der Bawag. Der Nettogewinn der Erste Group war mit 1,26 Milliarden Euro etwa 2,6 mal so hoch wie jener der einstigen Gewerkschaftsbank.

Skepsis bleibt

Börsianer beobachten den wahrscheinlich ersten Börsengang in Wien seit Mitte 2014 trotz allem mit einiger Skepsis. Weil die Bank in der Öffentlichkeit in den letzten Jahren kaum präsent war, sind wenige Details zum Geschäftsmodell bekannt. Ursprünglich war die Bawag ja als Retailbank mit Schwerpunkt Österreich positioniert. Doch Tausende Retail-Kunden wurden in den letzten Jahren unsanft verabschiedet. Und auch das angespannte Verhältnis mit dem Vertriebspartner Post passt nicht ganz in den angeblichen Privatkundenfokus des Finanzkonzerns.

Ähnlich sprunghaft verlief auch das Corporate-Geschäft. Zuerst wurden KMU vergrault, nun wird wieder begonnen, das Business aufzubauen. „Die Bawag mistet unrentable Kunden und Produkte mit größerer Brutalität aus, als man das von österreichischen Banken gewohnt ist“, meint ein Insider. Zudem wurde in den letzten Jahren aus London heraus das Investmentgeschäft auf internationalen Finanzmärkten sukzessive ausgebaut.

Auch etliche riskantere Geschäfte sollen sich darunter befinden. Branchenkenner gehen auch davon aus, dass ein erklecklicher Teil des Geschäfts mit den Haupteigentümern selbst abgeschlossen wird. Was davon bleibt, wenn die sich zurückziehen, ist die Frage.

Weitere Risiken, die in der medienscheuen Bank schlummern, sind Prospekthaftungsklagen im Zusammenhang mit der Alpine-Pleite und der noch immer andauernde Streit um 600 Millionen Euro mit der Stadt Linz, in dem Linz zuletzt wieder punkten konnte.

Um die Börsenstory etwas aufzupeppen, hat die Bawag in den letzten Monaten kräftig zugekauft. Nach der Immo-Bank, der start.bausparkasse, dem Kreditkartengeschäft von Paylife kam heuer die deutsche Südwestbank hinzu. Auch über Kaufinteresse an der deutschen Wüstenrot-Bank wird gemunkelt. Bei der Südwestbank macht die Bawag schon gehörig Dampf: Sie erwartet laut ihrem CEO Renditen im zweistelligen Bereich – die wohl nur durch den Umbau in eine reine Onlinebank erzielt werden können.

Noch bevor über den Börsengang endgültig entschieden ist, naschen die Berater schon an den Bawag-Plänen mit. Die deutsche Anwaltskanzlei Hengeler Müller betreut für die Bawag das IPO, Freshfields berät die Investmentbanken rund um Morgan Stanley und Goldman Sachs.


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