Ex-VKI-Chefjurist Kolba gründet Start-up für Sammelklagen

Ex-VKI-Chefjurist Kolba gründet Start-up für Sammelklagen

Start-up einmal anders: Ex-VKI-Chefjurist Kolba stützt sich auf Sammelklagen

Peter Kolba, der frühere Mister Sammelklage" des Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat mit dem Gutachter und Forensikspezialisten Manfred Biegler und Journalist und Jurist Oliver Jaindl eine Sammelklage-Plattform gegründet. Die Finanzierung soll via Crowdfunding erfolgen.

Wien. Start-up einmal anders: Drei Herren in fortgeschrittenem Alter, mit Routine im Business-Leben was vor allem Konsumentenschutz, Geldanlage, Steuern und Anlegerschutz anbetrifft, gründen eine neue Company. Das Gesicht nach außen ist Peter Kolba, über 20 Jahre Chefjurist des Vereins für Konsumenteninformation (VKI). Mit an Bord sind auch der Journalist und Jurist Oliver Jaindl sowie der Manfred Biegler.

Die drei Herrn wollen sich um die Anliegen von Konsumenten kümmern, die allein wohl kaum, in der Masse aber in der Lage wären gegen schier übermächtige Konzerne Klage zu erheben. Nähere Details dazu wollen die Neo-Gründer erst kommende Woche nenne, wenn auch das dazu gegründete Internet-Portal Online geht, über die die Kommunikation der Geschädigten mit den drei Experten erfolgen soll.

Schnelles Klagemanagement

Ein Blick auf den Blog von Peter Kolba gibt Aufschluss in welche Richtung das Sammelklage-Portal steuern könnte. Anhand bestehender Rechtsmittel, wie etwa mit der laut Kolba "wenig genutzten Klage auf einstweilige Verfügungen (EV)", könnten die Start-up-Gründer eine lukrative Lücke füllen. Sie könnten die Verfahren im Auftrag von Konsumenten rasch, also zeitnah und effizient führen. Statt einen jahrelangen Klageweg über die Instanzen der Gerichte einzuschlagen und womöglich jahrelange Verfahren zu riskieren, bei denen Konsumenten womöglich ein Prozessrisiko tragen und letztendlich durch die Finger schauen.

Mit der Einführung von TTIP und CETA wird bereits damit gerechnet, dass die Zahl der Sammelklagen - nicht nur von Unternehmen gegen Staaten, sondern auch Konsumenten gegen Konzerne - massiv ansteigen könnten. Jüngste Beispiele wie der VW-Abgasskandal, der Airbag-Skandal von Takata sowie die Vielzahl von Skandalen, bei denen Anleger von Finanzinstituten hinters Licht geführt wurden, zeigen die Richtung vor.

Das Dreigestirn

Kolba war beim VKI "Mister Sammelklage", zuletzt war er etwa im VW-Abgasskandal und in Sachen Schiffs- und Hollandfonds der deutschen Firma MPC aktiv. Über Musterprozesse, Verbands- und Sammelklagen hat er für Verbraucher Millionen erstritten.

Der 53jährige Biegler hat in zahlreichen großen Anlegerprozessen Gutachten für Anlegervertreter oder Prozessfinanzierer gemacht. Kolba und er kennen sich vom Salzburger WEB-Skandal. Biegler hat im Zivilprozess gegen die Salzburger Sparkasse ein großes Anlegergutachten erstellt. Biegler ist Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft 7 TC und als Gutachter und Forensikspezialist im Einsatz.

Youngster Jaindl, mit 39 der jüngste der Start-up-Gründer, war in den vergangenen Jahren als Wirtschaftsredakteur und hatte sich Dank juristischem Background unter anderem auf Anlagethemen spezialisiert. Er war über fünf Jahre Redakteur und zuletzt Chef vom Dienst beim "WirtschaftsBlatt", das von der Konzernmutter Styria im Sommer 2016 geschlossen wurde. Davor war er 14 Jahre Redakteur bei der Zeitung "Kurier".

Die Finanzierung

Das Unternehmen soll über Crowdfunding finanziert werden. Das Geld wollen die Verbraucherschützer über eine Plattform einsammeln. Das Sammelklagsprojekt wird aber eher als Spende denn als Beteiligung mit hohem Zinsversprechen konstruiert sein, sagte Kolba am Donnerstag zur APA. "Es soll ein gemeinnütziges Projekt werden."

Kolba war bis Ende Jänner Chef der Rechtsabteilung des VKI, die er 1990 übernommen hatte. Er hat den Verein wegen Unstimmigkeiten beim Vorgehen in einer bestimmten Anlegercausa verlassen. Es ging dem Vernehmen nach um den Einfluss der Arbeiterkammer (AK).

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