Ex-Lotterien-Chef Stickler: "Ich rate vom Börsengang ab"

Ex-Lotterien-Chef Stickler: "Ich rate vom Börsengang ab"
Ex-Lotterien-Chef Stickler: "Ich rate vom Börsengang ab"

Friedrich Stickler fordert eine strengere Regulierung bei Automaten und im Internet.

Der soeben abgetretene Lotterien-Vorstand Friedrich Stickler glaubt nicht daran, dass Spielerschutz und Gewinnmaximierung unter einen Hut zu bringen sind.

FORMAT: Der österreichische Staat versucht derzeit, weitere Anteile an den Casinos Austria - und damit auch an den Lotterien - zu erwerben. Auch mit der Perspektive, einen späteren Börsengang zu ermöglichen. Was halten Sie von diesem Plan?
Friedrich Stickler: Was die Lotterien betrifft, kann ich von einem Börsengang nur abraten. Bei einem börsennotierten Glücksspielunternehmen gibt es immer Konflikte zwischen Regulator und Spielerschutz auf der einen Seite und dem Wunsch der Aktionäre nach Gewinnmaximierung.

Aber in anderen Ländern sind solche Gesellschaften sehr wohl an der Börse?
Stickler: Der Versuch, möglichst hohe Gewinne und Umsätze zu erzielen, quasi den letzten Cent aus dem Geschäft zu pressen, ist mit gesellschaftlicher Verantwortung und Spielerschutz nicht vereinbar. Gewinnmaximierung passt mit Glücksspiel nicht wirklich zusammen.

Aber ist es sinnvoll, dass ein Staat einerseits Glücksspiellizenzen vergibt und andererseits selbst Eigentümer ist?
Stickler: In einer gewissen Situation ja. Meiner Ansicht nach allerdings nicht als Mehrheitseigentümer über einen längeren Zeitraum. Es gibt in Europa die unterschiedlichsten Modelle, um Lotterien zu strukturieren.

Wie viel entgeht denn Österreich, weil es bei uns keine so strengen Maßnahmen gegen illegale Internet-Anbieter gibt?
Stickler: Ich schätze den Steuerausfall auf rund 100 Millionen Euro.

Sie sind seit Kurzem in Pension. Wie waren denn die ersten Tage?
Stickler: Nachdem ich mich nicht in Pension fühle, hab ich ganz schön viel um die Ohren. Ich sitze stundenlang am Computer, habe gerade ein Bewerbungsschreiben an die EU-Kommission für eine Expertengruppe verfasst. So wirklich das Gefühl, dass es vorüber ist, habe ich nicht.

Zur Person

Friedrich Stickler , 66, ist Österreichs Mr. Lotto. Er hat in den 80er-Jahren das Spiel "6 aus 45“ nach Österreich gebracht und war fast 30 Jahre Chef der Österreichischen Lotterien. Zudem war er lange Jahre Präsident des Österreichischen Fußballbundes und stand der Europäischen Lotterievereinigung vor.
Mit Ende Juni 2015 ging er als Lotto-Chef in Pension. Künftig will er Strategieberatung für Lotterien und Glücksspiel-Hersteller sowie für Sportverbände und Regierungen anbieten.

=> Lesen Sie das ganze Interview im FORMAT Nr. 28/2015
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