Ex-Finanzminister Schelling berät russischen Energieriesen Gazprom

Ex-Finanzminister Schelling berät russischen Energieriesen Gazprom

Gemeinsam nach Russland: OMV-Chef Rainer Seele (li.) bringt mit Gazprom-Vorstandschef Alexey Miller (re.) im Dezember 2016 einen Deal unter Dach und Fach. Hans Jörg Schelling (ÖVP) war damals als Finanzminister im Hintergrund - aber mittendrin.

In der türkis-blauen Regierung von ÖVP und FPÖ hatte Hans Jörg Schelling (ÖVP) keinen Platz mehr. Nun ist der Ex-Finanzminister Berater für den russischen Energieriesen Gazprom.

Wien/Moskau. Bis vor Kurzem noch ÖVP-Politiker und Finanzminister und nun bald für den russischen Energieriesen Gazprom im Einsatz: Hans Jörg Schelling hat laut einem Bericht der "Oberösterreichischen Nachrichten" ("OÖN") (online bzw. Dienstagsausgabe) einen Beratervertrag mit dem Unternehmen für das Pipeline-Projekt Nord Stream 2. Die Zeitung beruft sich auf mehrere Quellen, darunter Schelling selbst.

Schelling bestätigte den "OÖN", dass er einen Beratervertrag habe. Er werde aber über Beziehungen zu Kunden keine Auskunft erteilen und gebe keine Interviews.

Der Vorgang birgt für Beobachter eine gewisse Brisanz. Schließlich ist an dem Pipelineprojekt auch die heimische, teilstaatliche OMV als Finanzierungspartner beteiligt. Schelling war als Finanzminister auch Vertreter des OMV-Mehrheitseigentümers Republik Österreich und holte den jetzigen OMV-Chef Rainer Seele an Bord, erinnern die "OÖN".

Als OMV-Vorstandschef Rainer Seele mit Gazprom-Vorstandschef Alexey Miller im Dezember 2016 noch einen "Asset Tausch" zwischen OMV und Gazprom vereinbarten, war Hans Jörg Schelling (ÖVP) mit dabei. Als Eigentümervertreter der Republik Österreich und Österreichs Finanzminister hatte Schelling die Verhandlungen der Chefs beider Energiekonzerne aus der "ersten Reihe" verfolgt.

Darüber hinaus gab es noch weiterer gemeinsame Russland-Besuche mit Seele sowie dem langjährigen Magna-Chef Siegfried Wolf, die in der Branche für Aufsehen erregt hatten.

In Gefolgschaft von Gusenbauer und Schröder

Die neue Gasleitung von Russland nach Deutschland soll bis Ende 2019 neben eine bereits vorhandenen Trasse gelegt werden. Da das Projekt in der EU sehr umstritten ist, sucht die Kommission seit Monaten eine Handhabe, um mit Russland über den Betrieb zu verhandeln. Im November legte sie Pläne zur Änderung EU-Gasrichtlinie vor. Für die OMV habe die Nord Stream 2 eine "hohe strategische Bedeutung", bekräftigte OMV-Chef Seele zuletzt. Beispielsweise Polen und die baltischen Staaten sind vehement gegen das Vorhaben.

Schelling folgt nun als Neo-Berater auch dem Beispiel von Östererichs Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ), der vom Sozialdemokraten zum Neokapitlisten konvertierte. Auch der sozialdemokratische deutsche Ex-Kanzler Gerhard Schröder wechselte auf die Seite des Großkapitals. Schröder zog es seiner Wahlschlappe gegen Angela Merkel im Jahr 2005 nach Osteuropa und hier im besonderen nach Russland. Er ist seit dem Jahr 2005 auf der Gehaltsliste des halbstaatlichen Energieriesens Gazprom, wo er ebenso bei dem Ostseepipeline-Projekt Nord Stream tätig ist. Im September 2017 wurde Schröder außerdem zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats beim größten russischen Ölkonzern Rosneft gewählt.

Schröder gilt als Kritiker der EU-Politik gegen Russlands Staatschef Vladimir Putin. Er hatte sich schon mehrfach gegen die EU-Sanktionen ausgesprochen.

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