Ex-Bundeskanzler Kern über China: „Verbiegen ist nicht notwendig“

Ex-Bundeskanzler Kern über China: „Verbiegen ist nicht notwendig“

Christian Kern, Kuratoriumspräsident der Austria China Business Association (ACBA) und neuerdings auch vom Europe China Business Council.

Ex-Bundeskanzler Christian Kern ist Kuratoriumspräsident der Austria China Business Association (ACBA) und neuerdings auch des Europe China Business Council. Im trend-Interview spricht er erstmals über die richtige Art und Weise, die vielen heiklen politischen Themen im Umgang mit chinesischen Geschäftspartnern anzusprechen.

trend: Handelskrieg, Huawei, Hongkong, das Social Credit System – werden Geschäfte in und mit China schwieriger?
Christian Kern : Wir müssen aufpassen, dass wir nicht schwarz-weiß malen. Zwischen der überbordenden Euphorie früherer Jahre und der Untergangsstimmung gibt es jede Menge Zwischentöne.

Wo ist noch Anlass zur Euphorie?
Kern: China war von 221 vor Christus bis 1800 die führende Wirtschaftsmacht der Welt. Es ist logisch, dass das Land an diesen Platz zurückkehren will. Die Dynamik ist noch immer enorm.

Es wird viel geklagt, dass sich China zusehends abschottet.
Kern: Es gibt wenig Grund zu dieser Klage. Es geht ja in die andere Richtung mitunter auch so. Bombardier, Siemens und Kawasaki haben ihren Highspeed-Zug nach China verkauft – umgekehrt wollen wir chinesische Ausrüster wie CRRC nicht in unsere Märkte lassen. Da sind die Chinesen zurecht sensibel.

Sollte man bestimmte Dinge aus Rücksicht auf solche Empfindlichkeiten nicht ansprechen?
Kern: Es ist eine Frage der Form, wie man das tut. Wichtig ist, sich auf Augenhöhe zu begegnen und Respekt vor China und dem, was es erreicht hat, zu zeigen. Die Entwicklung etwa in der E-Mobilität zeigt ja, dass die chinesischen Unternehmen längst keine Copycats mehr sind.

Swarovski hat sich vor dem chinesischen Volk entschuldigt, weil es Hongkong auf seiner Homepage als eigenes Land angeführt hatte, was als Affront gegen die Ein-China-Politik gewertet wird. Sollte man im Geschäftsleben Themen grundsätzlich vermeiden, die den Nationalstolz verletzen könnten?
Kern: Politik und Wirtschaft haben unterschiedliche Aufgaben. Aber es soll sich auch niemand verbiegen müssen. Meist gebietet es die Gastfreundschaft, den Gastgeber nicht zu kritisieren – da geht es österreichischen Managern auch gegenüber Donald Trump so, dessen Positionen die meisten absolut nicht teilen.

So wie man Trump in den USA nicht kritisieren sollte, sollte man die Chinesen in China nicht auf Hongkong und Überwachung ansprechen?
Kern: Wie gesagt: Verbiegen ist nicht notwendig. Unter respektvollen Partnern lassen sich durchaus differenzierte Blickweisen teilen. Das gilt auch für das von Ihnen genannte Social Credit System für Unternehmen. So wie das jetzt aufgesetzt ist, sehe ich keinen Anlass für Hysterie. Dieses System soll dafür sorgen, dass die Marktregeln von allen eingehalten werden, potenziell entsteht dadurch mehr Transparenz. Und wenn über die Bürokratie geklagt wird, darf ich doch auch auf die umfangreichen Meldepflichten verweisen, die etwa von der europäischen Bankenaufsicht in den letzten Jahren hoch gezogen wurden. Aber: The proof of the pudding is in the eating.



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