Eva Glawischnig im Interview: "Ich bereue nichts"

Von der Politikerin zur Novomatic-Nachhaltigkeitsmanagerin: Eva Göawischnig

Eva Glawischnig, Corporate-Responsibility-Chefin bei Novomatic, vorher Bundessprecherin der Grünen: "Ich fühle mich sehr wohl, ich werde gut aufgenommen. Natürlich ist mir das grüne Netzwerk jetzt ferner."

Mit ihrem Wechsel zum Glücksspielkonzern Novomatic hat die Ex-Grünen-Chefin Eva Glawischnig viele Mitstreiter verstört. Ein halbes Jahr später spricht sie im trend-Interview über ihre Fehleinschätzungen als Politikerin, wie sie der Gefahr Spielsucht begegnen will und wie sie ihre Kinder vom Handyzocken abhält.

trend: Frau Glawischnig, Zeit für eine erste Bilanz: Sie sind seit sechs Monaten beim Glücksspielkonzern Novomatic für Spielerschutz und Nachhaltigkeit im weitesten Sinn verantwortlich und haben die Zeit mit einer Kennenlerntour durch den Konzern verbracht. Ist Ihr neuer Job nun Jackpot oder Niete?
Eva Glawischnig: Lassen Sie mich inhaltlich antworten: Ich war tatsächlich viel unterwegs, um das Unternehmen kennenzulernen, in Osteuropa, Tschechien, Serbien, Deutschland, Spanien, Holland. Ich habe Konferenzen für Responsible Gaming besucht, wie eben jetzt in Malta. Das Thema beschäftigt die ganze Branche natürlich.

Das glauben wir gerne, uns würden allerdings jetzt mehr Ihre ersten Eindrücke bei Novomatic interessieren?
Glawischnig: Ich fühle mich hier sehr wohl, mir macht die Arbeit Freude. Ich habe mich sehr gut aufgenommen gefühlt und es herrscht eine große Offenheit, wie ich auch bei meinen Länderreisen feststellen konnte. Der Konzern ist ja sehr breit aufgestellt, und die Spielkulturen sind in jedem Land anders. Es macht einen Unterschied, ob Sie in die Arkaden (Branchenjargon für Spielhallen, Anm. ) in Spanien gehen oder in eine Admiral-Filiale in Niederösterreich. Natürlich ist Glücksspiel ein sozial sehr sensibles Produkt, aber das macht das Thema auch spannend.

Sie haben den Wechsel von der Politik in die Privatwirtschaft offenbar gut verkraftet. Wo sind denn für Sie die größten Unterschiede?
Glawischnig: Man kann in Ruhe an Projekten arbeiten, wird nicht durch Aktuelles herausgerissen. Man merkt auch sehr schnell, ob etwas weitergegangen ist. Das ist in der Politik oft nicht so. Außerdem wird man in der Politik oft für Dinge verantwortlich gemacht, für die man nichts kann.

Hat sich nach dem radikalen Wechsel an Ihrem Umfeld etwas geändert?
Glawischnig: Na ja, der Arbeitsort.

Eva Glawischnig im Interview mit trend-Redakeur Markus Groll

Wie sieht es mit dem Bekanntenkreis aus, mit ehemaligen grünen Mitstreitern? Das kann man ja fast mit einer Scheidung vergleichen.
Glawischnig: Ich habe jedenfalls viele neue Leute kennengelernt, das war eine sehr positive Erfahrung. Natürlich, das grüne Netzwerk ist mir ferner geworden - nach dem Wunsch der Parteiführung, ich möge meine Mitgliedschaft ruhend stellen. Das habe ich klarerweise gemacht. Aber vor allem: Der öffentliche Druck ist weg, die ständige Verfügbarkeit, wenn etwas ausbricht - und das passiert so gut wie jedes Wochenende. Nein, Ich bereue nichts (lacht) .

Der Druck muss sehr groß gewesen sein. Auf den Fotos nach dem Rücktritt als Bundessprecherin der Grünen vor eineinhalb Jahren wirken Sie wie eine Geisel nach der Befreiung.
Glawischnig: Man muss verstehen: Ich habe den Job der Parteichefin sehr lange gemacht, war damals die Dienstälteste an der Spitze einer politischen Partei. Und ich bin der Typ, der gibt, was er geben kann, aber irgendwann ist die Energie verbraucht. So war meine Situation damals.



Sie sind offenbar auch ein Typ, der alles bis zum Schluss anstehen lässt - und treffen dann im Geheimen für sich Radikalentscheidungen, vermutlich ohne andere groß zu informieren?
Glawischnig: Ja. Matthias Strolz (Ex-Chef der Neos, der seinen Rückzug über Monate hinweg penibel vorbereitet hat, Anm.) macht es anders. Bei mir war es ein Sprung - und dann war ich draußen.

Ihre Studienentscheidung haben Sie ja auch spontan gewechselt, als aus der Aufnahmeprüfung aufs Konservatorium nichts wurde. Jus statt Jazz, auch irgendwie radikal.
Glawischnig: Stimmt eigentlich.

Und zuletzt haben Sie plötzlich bei einem Unternehmen unterschrieben, das Sie als Politikerin noch heftig kritisiert hatten.
Glawischnig: Erstens werden Sie von mir sehr viele kritische Bemerkungen zu einer Reihe von unterschiedlichen Unternehmen finden. Zweitens konnte ich mir jetzt persönlich ein Bild machen und habe festgestellt, dass das Glücksspiel eine der höchstregulierten Branchen überhaupt ist. Beispielsweise müssen alle Automaten in Österreich an das Bundesrechenzentrum angebunden sein. Und es gibt das klare Bekenntnis von CEO Harald Neumann, dass mein Bereich extrem wichtig ist und deshalb weiter ausgebaut werden soll.

Gutmeinende sehen da außer dem Verrat Ihrer Ideale aus der Zeit zuvor immerhin noch eine zweite Möglichkeit: Ihre Kritik vorher war der Irrtum?
Glawischnig: Wenn du in der Politik von A wie Asyl bis Z wie Zivildienst für alles zuständig bist und zu allem eine Meinung haben musst, hast du nicht die Möglichkeit, dich bei vielen Fragen zu jedem Detail so richtig, richtig reinzuarbeiten. Und diese Möglichkeit habe ich jetzt gehabt. Da hat sich dieses verkürzte Außenbild, das du als Politikerin von einem Unternehmen hast, natürlich maßgeblich verändert.

Schlüsselerlebnis Rücktritt: Wie eine Geiselbefreiung (im Bild mit Ehemann Volker Piesczek. "Ein Sprung - und dann war ich draußen."

Vielleicht ist ja auch das Arbeiten mit Feindbildern in der Politik grundsätzlich kontraproduktiv. Könnten Sie diesem Statement etwas abgewinnen?
Glawischnig: Absolut. Inhaltlich bringt so etwas meistens wenig und es ist nicht lösungsorientiert. Das ist sicher einer der Mechanismen, die auch Politik mittelfristig so ermüdend machen. Für beide Seiten, fürs Publikum und auch für die, die drinnenstehen. Jetzt bin ich wahrscheinlich in einer Lebensphase, in der es darum geht, Brücken zu bauen.

Sie sollen sich bei Novomatic vor allem um Nachhaltigkeit und Spielerschutz kümmern. Wie genau legen Sie das an?
Glawischnig: Mit einer Ist-Analyse. Wir haben in Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Österreich und Holland ganz intensiv überprüft, wo wir beim Responsible Gaming stehen. Unser Ziel ist es, in diesen Ländern bis Ende nächsten Jahres eine Zertifizierung, also eine externe Bestätigung der hohen Qualität, zustande zu bringen. Das betrifft immerhin 22 unterschiedliche Tochterunternehmen.

Eine Ist-Analyse. Das klingt eher so, als hätten Sie fast bei null anfangen?
Glawischnig: Nein, es ist schon vieles da, es gibt ein funktionierendes Team, jede Tochterfirma hat einen eigenen Verantwortlichen, es gibt Meetings, Telefonkonferenzen...

...und drei Frauen im Aufsichtsrat, die für das Thema auch zuständig sind. Spielen ist männlich, aber Spielerschutz bei Novomatic ist weiblich.
Glawischnig: Auch der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Bernd Oswald, setzt sich mit dem Thema auseinander, und letztlich arbeite ich ja direkt mit CEO Harald Neumann zusammen. Wir arbeiten alle auf die bereits erwähnte Zertifizierung der Ländertöchter in Sachen Spielerschutz hin. Das sollten wir in eineinhalb Jahren schaffen.

Konkret sieht das wie aus?
Glawischnig: Das Wichtigste ist natürlich, den Jugendschutz zu 100 Prozent sicherzustellen. Die Briten etwa haben die sogenannte "25 Rule", wenn jemand jünger wirkt als 25 Jahre, muss das Alter mit ID überprüft werden. In anderen Ländern gibt es Zutrittssysteme, technische Barrieren, Gesichtsscan und Fingerprintsysteme. Niederösterreich ist dabei wahrscheinlich bereits das strengste Land. Unsere Strategie ist jedenfalls, ein guter Gastgeber zu sein, der die Kunden in einer gesunden Spielatmosphäre betreut. Niemand ist zufrieden, wenn Kunden gesperrt werden müssen. Wir arbeiten daher schon vorher mit Information und Prävention, etwa der Möglichkeit, sich freiwillige Spiellimits zu setzen.


Das Ziel ist nicht, Kunden abzucashen und dann wegen Spielsucht zu verlieren. Das ist ja keine nachhaltige Strategie.

Warum sollte ein Konzern wie Novomatic das alles machen? Das kostet Geld und Umsätze.
Glawischnig: Ja, natürlich, das Thema Responsible Gaming ist wie jedes Nachhaltigkeitsthema die Entscheidung zwischen kurzfristigem Gewinn versus nachhaltige Kundenbeziehung. Es ist unser Ziel, in einer gesunden Umgebung Gäste langfristig als Kunden gut zu unterhalten und zu behalten. Und es ist gut, mit seinen Kunden in Kontakt zu bleiben, mit ihnen zu reden - eben wie ein guter Wirt.

Man merkt, Sie kommen aus einer Wirtsfamilie. Aber im Ernst: Will Novomatic neuerdings wirklich auf, zynisch gesprochen, seine besten Kunden verzichten?
Glawischnig: Das ist eben so nicht richtig. Das Ziel ist nicht, Kunden abzucashen und dann wegen Spielsucht zu verlieren. Das ist ja keine nachhaltige Strategie.

Nach sechs Monaten Einblick in ein Unternehmen klingen manche Ihrer Beurteilungen tatsächlich anders als früher im politischen Tagesgeschäft.
Glawischnig: Etwas ist mir schon sehr, sehr klar geworden: mit Verboten kannst du kein Suchtthema lösen. Mit Verboten wird der illegale Bereich gefördert. Das bedeutet illegale Automaten ohne Jugend- und Spielerschutz und illegales Onlinespiel. Und online hast du im Moment noch überhaupt keine Möglichkeit, verantwortungsvoll einzugreifen. Man muss auch einmal sagen: Bei Novomatic wird sehr sauber gearbeitet. Und es gibt ein Rieseninteresse, eventuell bestehende Problembereiche im Spielerschutz gut zu lösen.

Überraschungscoup: Novomatic-Boss Harald Neumann präsentiert Glawischnig als neue Corporate-Responsibility-Chefin des Glücksspielkonzerns.

Und abgesehen davon hat Novomatic wohl schlicht auch Angst ums Geschäft: Die Politik auf der ganzen Welt verlangt immer mehr Nachweise über Spielerschutz, um auch Lizenzen rauszurücken.
Glawischnig: Natürlich ist das auch ein wichtiges Thema für die gesamte Branche. Dokumentierte Corporate Responsibility ist wirtschaftlich relevant für den Erhalt und den Gewinn von neuen Lizenzen. Und Novomatic ist in einigen der strengsten Jurisdiktionen der Welt, wie etwa Nevada, lizenziert.

Es geht also um öffentliche Glaubwürdigkeit. Novomatic und Sie werden da von dem einen oder anderen - freundlich formuliert - kritisch gesehen. Können Sie da imagemäßig noch etwas zum Besseren bewegen?
Glawischnig: Es geht nur mit Transparenz und wenn man wirklich dort hinschaut, wo es Probleme gibt. Es geht um Dialog und ja, mittelfristig kann man schon eine andere Sichtweise auf dieses Unternehmen herbeiführen.

Bleiben wir bei Transparenz und Offenheit. Wie viele problematische Spieler gibt es nun eigentlich im Konzern?
Glawischnig: Das kann man so nicht beantworten, weil in vielen Ländern der Datenschutz die Weitergabe von Daten verhindert. Doch Studien sagen übereinstimmend, rund ein Prozent der Bevölkerung haben eine Prävalenz, süchtig zu werden. Ohne das kleinreden zu wollen: Das ist wenig im Vergleich zu anderen Bereichen. Bei Alkohol sind es fast 15 Prozent. Auch bei anderen Süchten, etwa Kaufsucht im Internet, ist die Gefahr deutlich höher.

Also alles halb so schlimm?
Glawischnig: Das würde ich nicht so sagen. Für jeden Betroffenen und sein Umfeld ist es schlimm. Aber man muss sich auch die Zahlen ansehen, diese belegen Folgendes: In Österreich kommt der durchschnittliche Kunde einmal im Monat und setzt 70 Euro ein. Und seit dem Inkrafttreten der Glücksspielgesetznovelle 2010 mit den verpflichtenden Spielsuchtpräventionsmaßnahmen sowie dem Wegfall der Anonymität im Automatenspiel haben sich Klagen wegen Spielsucht absolut minimiert. Somit zeigen diese Maßnahmen erfolgreich Wirkung.

Erstens geht es ja nicht um Durchschnittskunden. Und zweitens liegt das aber eher daran, dass Novomatic dem Vernehmen nach potenzielle Klagsrechte von Spielern aufkauft.
Glawischnig: Das ist eine Geschichte, die gerne erzählt wird, die aber definitiv falsch ist.

Ein anderer Zugang zu mehr Glaubwürdigkeit wäre etwa, zu sagen, wie viel Geld der Konzern jetzt für Responsible Gaming ausgibt.
Glawischnig: Dazu laufen die unterschiedlichsten Projekte. Allein die ersten Erhebungen zum Status quo des Spielerschutzes bei unseren Tochterfirmen etwa haben 50.000 Euro gekostet, das wurde extern erhoben.

Das beeindruckt angesichts eines Umsatzes von rund vier Milliarden Euro nicht wirklich.
Glawischnig: Das ist ja nur ein Projekt. Es gibt in jedem Land, in dem wir tätig sind, Kooperationen mit diversen Einrichtungen, und wir unterstützen viele unterschiedliche Initiativen in diesem Bereich. Alleine in Österreich sind es mehr als zwei Millionen Euro, die laufend in den Spielerschutz fließen.

Novomatic - der umstrittene Glücksspielriese

Braver Steuerzahler oder Abzocker? Eva Glawischnig - und eine neue Studie sollen das Image zurechtrücken.

Das Engagement von Eva Glawischnig ist natürlich kein Goodwill-Akt. Zuletzt stieg der Regulierungswillen der Politik in Sachen Glücksspiel europaweit an, was die Branche zu erhöhten Anstrengungen etwa beim "Responsible Gaming" zwingt. Die frühere Grünpolitikerin soll das richten.

Damit ihre Ex-Kollegen nicht zu keck werden, weist Novomatic derzeit auch mittels Studie dezent auf seine volkswirtschaftlichen Boni für Österreich hin: Es geht um eine Bruttowertschöpfung von fast einer Milliarde Euro (etwa doppelt so viel wie die Textilindustrie), direkt und indirekt 11.322 Arbeitsplätze und Steuereinnahmen von 439,7 Millionen Euro im Jahr.

Die Gruppe, mit einem (nicht publizierten) Gesamtumsatz von über vier Milliarden Euro ist einer der größten Glücksspieltechnologiekonzerne weltweit und betreibt ein Mischgeschäft aus der Produktion und Vermietung von Spielautomaten, dem Betrieb eigener Automatencasinos (etwa Admiral) und als Entwickler von Onlineglücksspiel.

Man findet sich öfters in rechtlichen Grauzonen zwischen freiem Markt (mit entsprechend harter Konkurrenz), bedingten Lizenzen und staatlichem Glücksspielmonopol wieder. Immerhin lassen sich stolze Gewinne erzielen - im Halbjahr 2018 etwa stieg der Vorsteuergewinn (Ebitda) des börsennotierten Teilbereichs (Novomatic AG) bei 1,4 Milliarden Euro Umsatz auf 318 Millionen Euro, eine Marge von 23,3 Prozent.

Im Verhältnis, von den 250 Millionen Euro Umsatz in Österreich hochgerechnet, würde das für den Gesamtkonzern ein CR-Budget von rund 32 Millionen Euro bedeuten.
Glawischnig: Das ist in Summe wahrscheinlich eine realistische Zahl. Wir sind gerade dabei, von den Tochterunternehmen die unterschiedlichen Zahlen zu sammeln. Bei der Größe des Konzerns ist das gar nicht so einfach, aber am Ende werden wir es wissen.

Immerhin, ein erster Erfolg...
Glawischnig: ... und weitere werden kommen: Wir denken über leicht zugängliche Methoden nach, etwa Spielerschutz-Apps, die warnen und Spielpausen empfehlen. Wir planen spezielle Kennzahlen rund um Responsible Gaming für das Konzernreporting. Da geht es beispielsweise darum, wie viele Stunden das Personal geschult wird. Wir verbessern die Kundeninformationen und bieten diese in verschiedenen Sprachen an. Und für die, bei denen sich wirklich ein Problem entwickelt, verstärken wir die Zusammenarbeit mit Suchtberatungseinrichtungen.


Wenn ich international unterwegs bin, schaue ich mir auch die Konkurrenz an, und dort spiele ich auch.

Aber das gab es doch alles bisher auch schon?
Glawischnig: Nur zum Teil und nicht in allen Ländern gleich, wo Novomatic tätig ist. Die große Herausforderung ist es, für den gesamten Konzern eine gemeinsame Politik auszuformen und auszurollen. Es wurden auch Befragungen bei Industriekunden gemacht, also Unternehmen, die unsere Spielautomaten kaufen, das sind immerhin 60 Prozent unseres Umsatzes. Für diese ist etwa das sogenannte Refurbishment ganz wichtig, also dass die Automaten wieder zurückgenommen werden, eine Art des Recyclings. So verhindern wir auch, dass diese Geräte auf dem Schwarzmarkt landen.

Sie sind sehr tief im Thema drinnen. Haben Sie mittlerweile persönlich einen Zugang zum Automatenspielen?
Glawischnig: Für alle Mitarbeiter besteht Spielverbot.

Ich formuliere es anders. Kennen Sie die Problematik aus dem Selbstversuch?
Glawischnig: Wenn ich international unterwegs bin, schaue ich mir auch die Konkurrenz an, und dort spiele ich auch. Und ja, ich kann das voll nachvollziehen, dass Glücksspiel für viele auch eine Entspannung ist. Letzten Endes ist es Unterhaltung, wir verkaufen Zeit, in der du dich unterhalten kannst.

Das Problem ist immer das Aufhören. Sie sollten den Aufbau derartiger Spiele kontrollieren, der das psychologisch erschwert.
Glawischnig: Bei mir geht es um technische Zutrittsbarrieren und soziale Maßnahmen. In der Produktentwicklung werden ohnehin strenge Gesetze und Vorgaben eingehalten. Letztlich muss das Spiel aber auch Spaß und Unterhaltung bieten. Das ist ja der Sinn jedes Spiels.

Als Gaming-Expertin haben Sie ja nun wohl auch einen anderen Zugang zum Spielverhalten vor PC und Konsole. Dürfen Ihre Kinder noch Handyzocken? Oder werden Sie nun strenger?
Glawischnig: Das ist tatsächlich ein riesengroßes gesellschaftliches Thema: Wie erreichst du einen vernünftigen Umgang von Kindern und Jugendlichen beim Computerspielen?

Ja, wie? Viele Konsolenspiele sind mittlerweile wie Glücksspiele aufgebaut, haben Untersuchungen erst jüngst festgestellt. Nehmen Sie etwa nur den Koop-Survival-Blockbuster "Fortnite" mit seinen ständigen Belohnungen für die nächste Spielrunde.
Glawischnig: Ja, mit diesen Bonussystemen können die Spieler dann in den nächsten Runden besser weiterspielen, natürlich kenne ich das Spiel.

Sie haben ja auch zwei Kinder im affinen Alter. Und wie reagieren Sie nun?
Glawischnig: Ich versuche, es zu regeln. Die Herausforderung ist, dass man den Kindern andere spannende Dinge als Alternative anbieten muss. Und da fällt mir manchmal etwas ein, aber nicht immer. Es geht jedenfalls um andere spannende, oft sportliche Aktivitäten. Das Wichtigste ist: Konsequenz, also gewisse Spielzeiten ausmachen und Regeln einhalten.

Das heißt, Sie haben bei Novomatic ungefähr die gleichen Aufgaben wie bei Ihren Kindern?
Glawischnig: Das Konzept ist dasselbe: das Entertainment in einem gesunden Rahmen laufen zu lassen, ja.

Als Sie als gute Skifahrerin aufs Snowboard umgestiegen sind, hat es Sie "drei Tage durchgebeutelt", sagten Sie einmal, "aber was ich anfange, ziehe ich auch durch". Ein Motto für Ihren Job?
Glawischnig: Ich bin fest entschlossen, meinen Job bestmöglich auszufüllen. Und ich bin voll motiviert, auch Akzente zu setzen.


Zur Person

Eva Glawischnig , 49, Kärntnerin, war von 2008 bis 2017 Bundessprecherin der Grünen. Die studierte Juristin und Ex-Global-2000-Aktivistin ist mit Fernsehmoderator Volker Piesczek verheiratet, hat zwei Kinder und demnächst ihren Wohnsitz in Niederösterreich statt in Wien. Seit März 2018 ist sie Corporate-Responsibility-Chefin des Glücksspiel-Konzerns Novomatic


Das Interview ist der trend-Ausgabe 38/2018 vom 21. September 2018 entnommen.

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