Eva Glawischnig: Von der Grünen Kritikerin zur Novomatic CSR-Chefin

Neue Geschäftsfreunde: Novomatic-Sprecher Bernhard Krumpel (li.), Eva Glawischnig und Novomatic-Konzernchef Harald Neumann.

Neue Geschäftsfreunde: Novomatic-Sprecher Bernhard Krumpel (li.), Eva Glawischnig und Novomatic-Konzernchef Harald Neumann.

Eva Glawischnig, im letzten Mai aus der Politik ausgeschiedene Grüne-Chefin, hat zum Glücksspielkonzern Novomatic gewechselt, den sie bisher immer kritisiert hatte. Seit März ist sie Chefin des Bereichs Corporate Responsibility und Sustainability.

Die im Juni 2017 aus der Politik ausgeschiedene langjährige Grünen-Chefin Eva Glawischnig hat während ihrer Zeit als Politikerin immer wieder kritisch Position zu den Themen Glücksspiel, das Zocken am Automaten und auch gegenüber den Glücksspielkonzern Novomatic bezogen.

Umso überraschender ist es, dass Glawischnig nun als neue Chefin des Bereichs Corporate Responsibility und Sustainability von Novomatic präsentiert wurde, eine Position, die sie seit dem 1. März ausübt. Für Glawischnig selbst ist das jedoch kein Widerspruch zu ihren Grundsätzen und früheren Positionen. Sie sieht sich als "Verantwortungsmanagerin" und will sich bei Novomatic um ökologische und juristische Fragen sowie um verantwortungsvolles Spielen kümmern. In ihrer neuen Funktion "bleiben meine Werte dieselben", sagte sie. "Meinen kritischen Geist kann und werde ich nicht aufgeben."

Dass die Entscheidung werde viele überraschen, manche vielleicht irritieren wird ist der früheren Politikerein klar. An Novomatic fasziniere sie vor allem die Internationalität des Unternehmens und gleichzeitig das Bekenntnis zum Standort Gumpoldskirchen. Spannend sei für sie außerdem, dass Novomatic im Wesentlichen ein Hightechkonzern sei.

Glücksspiel und Spielerschutz

2010 hatte Glawischnig selbst noch im Parlament gegen das Glücksspielgesetz gestimmt, das ihr damals nicht weitreichend genug war. Vor nicht einmal einem Jahr warf Glawischnig dem Konzern noch Gesetzeskauf vor. Die Vorwürfe des Gesetzeskaufs gegen Novomatic sind 2012 im parlamentarischen "Untersuchungsausschuss zur Klärung von Korruptionsvorwürfen" aufgetaucht. Der Glücksspielkonzern Novomatic wollte demnach 2006 gemeinsam mit der Telekom Austria in das Online-Glücksspiel einsteigen, sie bedienten sich dafür des Lobbyisten-Duos Walter Meischberger und Peter Hochegger. Sie sollten eine Lockerung des Glücksspielmonopols erreichen.

Als CSR-Managerin von Novomatic tritt sie nun wie der Konzern übrigens bisher auch für eine Regulierung ein. Man könne "unerwünschte gesellschaftliche Erscheinungen" wie Spielsucht nicht "wegverbieten". Novomatic sei beim Spielerschutz jedoch sehr gut und aktiv, meinte Glawischnig und führte als Beispiel an, dass sie selbst in einer Novomatic-Automatenhalle als "Politically Exposed Person" erkannt worden war und ihr daher zunächst der Zutritt zum System verweigert wurde.

Die Regulierung trifft jedoch immer wieder den Novomatic-Konzern selbst. So muss Novomatic etwa nun in Deutschland rund 100.000 Automaten aufgrund regulatorischer Verschärfungen austauschen. Den neuen, strengerne Spielerschutzbestimmungen zufolge müssen sich Glücksspielautomaten in Deutschland nach einer gewissen Zeit selbst abschalten, um die Spieler nicht zu dauerhaften Sitzungen zu verführen.

Als Leiterin der Stabsstelle Corporate Responsibilty und Sustainability wird Glawischnig direkt an Konzernchef Neumann berichten. Es handelt sich dabei eher um eine "horizontale Funktion", Glawischnig wird also innerhalb und außerhalb des Konzerns viel netzwerken. Es gehe wesentlich um den Dialog mit den "Stakeholdern", also auch der Politik, so die frühere Grünen-Chefin. Dazu gehören allerdings nicht nur Politiker aus dem Inland, sondern auch die in den wichtigen Novomatic-Auslandsmärkten Großbritannien, Deutschland und Spanien.

Kritik aus der Politik

Aus den Grünen Reihen ließ dennoch Kritik nicht lange auf sich warten. Der steirische Grünen-Chef Lambert Schönleiter forderte umgehend, Glawischnigs Parteimitgliedschaft ruhend zu stellen, der Vorarlberger Johannes Rauch gar, das Glücksspiel wieder völlig unter staatliche Kontrolle zu stellen. "im Sinne eines bestmöglichen SpielerInnenschutzes. Private Glücksspielkonzerne wie Novomatic tun das Gegenteil", meinte Rauch. Der Wiener Grünen-Klubobmann David Ellensohn erklärte, man werde die "Novomatic-Machenschaften weiterhin bekämpfen". Der Konzern Novomatic sei mittlerweile rechtskräftig vom OGH verurteilt, weil er Glücksspielautomaten in Wien aufgestellt habe, die nicht dem Gesetz entsprochen hätten.

Die frühere Grünen-Chefin wird angesichts ihres Engagements beim Glücksspielkonzern Novomatic aus ihrer Partei austreten, wie Grünen-Bundessprecher Werner Kogler in der Folge erklärte: "Eva Glawischnig hat mir in einem Gespräch zugesichert, dass sie ihre Mitgliedschaft bei den Grünen zurücklegt."

Auch in den Sozialen Medien wurde umgehend Empörung über Glawischnigs Seitenwechsel laut. Die Agenturmeldung dazu wurde von der "Tagespresse" als Realsatire übernommen, Glawischnigs Schritt wurde allgemein als der "Tiefpunkt der Glaubwürdigkeit" kritisiert.

Novomatic-Chef Neumann sieht hingegen Glawischnig als perfekte Besetzung, auch oder gerade weil man in der Vergangenheit nicht immer einer Meinung gewesen sei. Letztendlich habe man sich durch diverse Kontroversen besser kennengelernt "und wir haben gesehen, dass unsere Ansichten sich größtenteils decken". Neumann findet es nicht gut, dass es in Österreich Politikern "fast verunmöglicht" werde, in der Wirtschaft Fuß zu fassen, hätten doch Politiker zahlreiche wichtige Fähigkeiten für Unternehmen.

Glawischnig ist auch nicht die nicht die erste (Ex)-Politikerin, die bei Novomatic andockt. Der nunmehrige EU-Kommissar Johannes Hahn war von 1997 bis 2003 während seiner Zeit als Wiener Landtagsabgeordneter (ÖVP) Novomatic-Vorstand. Der frühere SPÖ-Innenminister Karl Schögl wiederum saß von 2004 bis 2011 im Aufsichtsrat des Unternehmens. Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) beriet Novomatic in Südamerika und Osteuropa und war auch Aufsichtsrat der deutschen Tochter Löwen Entertainment.

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