Wirtschaft der Eurozone: Die Schönwetterlage geht vorüber

Wirtschaft der Eurozone: Die Schönwetterlage geht vorüber

Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone ist nach einem kräftigen Anstieg auf ein 18-Monats-Tief zurückgefallen.

Noch wächst die Wirtschaft auf hohem Niveau. Doch seit Jahresanfang hat sich der Wind gedreht. Das Wirtschaftswachstum hat sich in der Eurozone spürbar verlangsamt.

Noch ist in der Wirtschaft in Europa alles im grünen Bereich. Sie wächst stabil. Doch die Gewitterwolken am Horizont sind nicht ohne, wenn man die Ergebnisse des aktuellen Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft in der Eurozone genau betrachtet.

Der Index gibt zum frühestmöglichen Zeitpunkt die konjunkturelle Lage der Privatwirtschaft wieder, indem bei diesem rund 4.000 Manager über die Entwicklung bei Umsätzen, Beschäftigung, Lagern und Preisen gefragt werden. Durchgeführt wird die Umfrage vom Forschungsinstitut IHS-Markit.

Wirtschaftswachstum hat sich verlangsamt

Auf den ersten Blick ist alles in Ordnung: Die Wirtschaft der Eurozone wächst im April stabil. Der Einkaufsmanagerindex liegt unverändert bei 55,2 Punkten. Der Durchschnittswert der zurückliegenden fünf Jahre von 53,8 Punkten wird sogar deutlich überschritten. Generell ist der Wert gut, signalisiert doch jeder Wert über 50 ein hohes Wachtumstempo der Wirtschaft.

Ganz so ungetrübt ist die aktuelle Entwicklung dennoch nicht. Die Industrieproduktion wächst so langsam wie zuletzt vor 17 Monaten. Das Auftragsplus ist so schwach wie das letzte Mal vor 15 Monaten. "Das Wirtschaftswachstum hat sich damit gegenüber dem Jahreshoch im Januar erheblich verlangsamt", resümiert den auch Chris Williamson, Chefökonom bei IHS Markit.

Exporte geraten ins Stocken

Sowohl die Auftragseingänge als auch das Exportneugeschäft ist mittlerweile in nicht unerheblich unruhiges Fahrwasser geraten. Die Industrie verbuchte sowohl bei den Auftragseingängen als auch beim Exportneugeschäft das niedrigste Plus seit eineinhalb Jahren. "Der schwache Euro hat nicht zuletzt geschadet", nennt Williamson einen der Hauptgründe. Aber auch Lieferengpässe haben für Bremsspuren in der Wirtschaft gesorgt.

Manche Probleme in der Wirtschaft sind jedoch auch hausgemacht. Die Produktion kommt nicht damit nach die Aufträge abzuarbeiten. Die Folge: Die Lieferzeiten sind so extrem hoch wie selten zuvor in den zwei Jahrzehnten, in denen der Index ermittelt wird. Weitere Faktoren, die die Produktion bremsen sind: Fachkräftemangel und Materialengpässe.

Auch die Dienstleister sammelten im April bislang so wenige Neuaufträge wie zuletzt vor acht Monaten ein, was als weiteres Zeichen für die schwindende Nachfrage sowohl vom Binnenmarkt als auch von den Exportmärkten gewertet wird.

Der starke Anstieg der Einkaufspreise ist vorerst gestoppt. Die Preise steigen zwar noch an, das Plus hat sich aber auf ein Sieben-Monats-Tief abgeschwächt. Gestiegen sind hingegen den befragten Managern zufolge die Einkaufspreise bei Rohstoffen. Auch die Lohnkosten legten erneut zu.

Wirtschaftswachstum auf einem 18-Monatstief

In Frankreich und Deutschland legte das Wachstum im März am stärksten zu, wenn auch die Top-Werte im Februar nicht erreicht wurden. In den übrigen Ländern der Eurozone zeigt die Wirtschaft jedoch Schwächezeichen. In diesen Ländern schwächte sich das Wirtschaftswachstum im Durchschnitt auf ein 18-Monats-Tief ab.

Chefökonom Willamson beruhigt auf der einen Seite: "Ein derart hohes Wachstum, wie wir es zuletzt hatten, ist nicht von Dauer". Warnt jedoch auch: "Es sieht ganz danach aus, dass sich die Abkühlung in den nächsten Monaten fortsetzten könnte."

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