Europas größte Bank HSBC streicht bis zu 50.000 Jobs

Europas größte Bank HSBC streicht bis zu 50.000 Jobs

Bis 2017 will HSBC-Chef Stuart Gulliver die Kosten um bis zu 4,5 Milliarden Euro senken - durch Einsparung von Jobs.

Drastistischer Sparkurs trotz Gewinn: Europas größtes Finanzinstitut HSBC streicht weltweit bis zu 50.000 Stellen. 25.000 Jobs sollen wegfallen, noch einmal so viele Stellen durch Zusammenlegungen eingespart werden. Dabei hatte die Bank im ersten Quartal 2015 wieder mehr verdient: Der Vorsteuergewinn kletterte um vier Prozent auf 6,32 Milliarden Euro.

Europas größtes Geldhaus HSBC setzt erneut zum Kahlschlag an und streicht bis zu 50.000 Stellen. Damit wird fast jeder fünfte Arbeitsplatz wegfallen. Die traditionell in Asien stark vertrete Bank kündigte an, ihre Brasilien- und Türkei-Geschäfte verkaufen zu wollen. Es gebe keine heiligen Kühe mehr, sagte der seit Anfang 2011 amtierende Vorstandschef Stuart Gulliver. Federn lassen muss unter anderem das Investmentbanking, der IT-Bereich aber auch Filialen werden geschlossen.

Durch den Verkauf der Töchter in Brasilien und der Türkei sollen 25.000 Mitarbeiter HSBC verlassen. Weitere 22.000 bis 25.000 Jobs werden in den genannten Bereichen wegfallen.

Ziel sei es, die Kosten bis 2017 um bis zu 5 Mrd. Dollar (4,5 Mrd. Euro) zu senken. Das Investmentbanking solle verkleinert werden. Der Bestand risikogewichtiger Anlagen werde um 290 Mrd. Dollar reduziert. Derzeit beschäftigt Europas größte Bank 266.000 Mitarbeiter, davon 48.000 in Großbritannien.

Der Kahlschlag sei nicht zwingend die Lösung, die Bank müsse in ihrer Struktur weniger komplex werden, sagte Branchenexperte James Antos vom japanischen Wertpapierhändler Mizuho Securities. Auch die Anleger an der Börse zeigten sich skeptisch. In London verloren HSBC-Papiere 1,2 Prozent an Wert.

Zahl der Beschäftigten drastisch gekürzt

Seit der weltweiten Finanzkrise vor sieben Jahren sind zahlreiche Banken auf Schrumpfkur. Alles in allem soll die Zahl der Vollzeitstellen so von 258.000 (Stand Ende des vergangenen Jahres) bis 2017 auf zirka 208.000 bis 211.000 reduziert werden, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Analystenpräsentation hervorgeht. Die Bank hatte die Zahl der Beschäftigten bereits in den vergangenen Jahren bereits deutlich gekürzt. Ende 2007 arbeiteten noch mehr als 300.000 Menschen für das Bankhaus.

Auf diese Weise wolle die Bank bis zum Jahr 2017 jährlich Kosten zwischen 4,5 und 5 Mrd. Dollar (4 bis 4,5 Mrd. Euro) sparen. Insgesamt werde die Restrukturierung das Unternehmen in diesem Zeitraum 4 bis 4,5 Mrd. Dollar kosten.

Skandale und Strafen

Die Ankündigung des britischen Instituts gab einen Ausblick auf den zweiten großen Strategieplan des Anfang 2011 angetretenen HSBC-Chefs Stuart Gulliver. Weitere Details sollten im Laufe des Tages folgen. Gulliver hat den Fokus auf den Verkauf von Geschäftsteilen und massive Einsparungen gelegt.

Wie bei den britischen Rivalen RBS und Barclays oder der Deutschen Bank hat das Investmentbanking HSBC viele Jahre hohe Gewinne eingebracht, ist aber auch für zahlreiche Skandale - etwa um die Manipulation von Zinsen oder Devisenkursen - verantwortlich. Der Bereich schwankt zudem traditionell stark, worin sich das Auf und Ab an den Finanzmärkten widerspiegelt. Und die Großbanken müssen wegen der Verwerfungen im Zuge der Finanzkrise mittlerweile deutlich schärfere Anforderungen der Aufsichtsbehörden erfüllen, was zulasten der Rendite geht.

Gulliver war fünf Jahre oberster Investmentbanker von HSBC. Bis 2017 sollen in der Sparte nun die sogenannten Risiko-Aktiva um ein Drittel oder 140 Mrd. Dollar gekürzt werden. Die Bank stellt in diesem Bereich also weniger Eigenkapital zur Verfügung, mit dem Geschäfte abgesichert werden. Weil es regulatorische Mindestanforderungen gibt, wird das de facto zu einem Teil-Rückzug führen. Konzernweit sollen die Risiko-Aktiva sogar um 290 Mrd. Dollar reduziert werden.

Erstes Quartal vielversprechend

2014 hatte HSBC vor Steuern mit 18,7 Mrd. Dollar 17 Prozent weniger verdient als im Jahr zuvor. Trotz aller Sparmaßnahmen stiegen die operativen Kosten, und die Bank musste auch mehr Vorsorge für Rechtsstreitigkeiten treffen. Im ersten Quartal lief es hingegen wieder besser, der Vorsteuergewinn kletterte um vier Prozent auf 6,32 Milliarden Euro.

Die HSBC musste sich in jüngster Zeit mehreren Skandalen stellen: Wegen Manipulationen an Devisenmärkten zahlte das Unternehmen Strafen an die Regulierungsbehörden in den USA und in Großbritannien. Zudem soll die Schweizer Tochter laut den als "Swissleaks" bekannten Enthüllungen in der Vergangenheit Kunden bei Steuerhinterziehung geholfen haben. Die Schweizer Filiale hatte sich nach den Enthüllungen von den kritisierten Praktiken distanziert.

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