„Europa ist vom Handelskrieg am stärksten betroffen“

„Europa ist vom Handelskrieg am stärksten betroffen“

Europa: Exportweltmeister unter Druck

Der Handelskrieg nimmt dramatische Ausmaße an, sowohl was das Volumen der Strafzölle als auch die Auswirkungen auf die großen Ökonomien betrifft. Warum Europa am stärksten darunter leidet und was das für Aktien bedeutet.

Man möchte meinen, der Handelskrieg zwischen den USA und China treffe das Land der Mitte am stärksten. Doch weit gefehlt. Es sind nicht die Chinesen, sondern die tausende Kilometer entfernten Europäer, deren Handel laut einer Untersuchung der Weltbank und JP Morgan Asset Management am stärksten darunter leidet.

Sowohl die Gegenwart als auch die Zukunft Europas sind unter diesem Gesichtspunkt betrüblich. "Der Handelskrieg wird weiter anhalten und Europa ist am meisten davon betroffen“, diagnostiziert Karen Ward, Chefmarktstrategin bei JP Morgan Asset Management. Dass Europa indirekt im Epizentrum der Auseinandersetzungen zwischen den USA und China liegt, ist der hohen Exportquote Europas geschuldet. Keine andere große Wirtschaftsmacht weist eine ähnlich hohe Exportquote wie die EU auf.

Wie stark die europäische Wirtschaft vom Export lebt, illustriert die unten stehende Grafik. Der Anteil des Exportes am BIP beträgt in der EU 78 Prozent. China dagegen kommt der ökonomische Wandel der vergangenen zehn Jahre zugute. Seither wurde die Exportabhängigkeit stark gedrosselt. „Nur 38 Prozent der Waren werden noch exportiert. Das ist wesentlich weniger als vor der Krise", erläutert Ward. Die USA exportiert unter den drei großen Playern am wenigsten. Sehr zum Ärger von US-Präsident Donald Trump, der durch höhere Zölle versucht, das ökonomische Gleichgewicht im Export herzustellen.

Keine Region exportiert mehr als Europa.

US- Strafzölle betragen bereits einen Warenwert von 550 Milliarden Dollar
China ist jedoch kompetitiver denn je. China will beispielsweise die Machtverhältnisse bei Technologien weiter zu seinen Gunsten verschieben. So plant die Regierung Chinas bis 2025 in vielen Schlüsseltechnologien, vor allem auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz (KI), weltweit führend zu sein. Einer der Absicht der aufstrebenden Weltmacht, die die USA torpedieren will.

Die Zollanhebungen im Überblick
Seit Juli des Vorjahres hebt die USA Strafzölle auf Autos, Flugzeugteile und Festplatten aus China ein. Ebenfalls seit Sommer 2018 werden 25 Prozent Zoll auf Elektronik, Transportgüter und Chemie verhängt. Seit September 2019 werden auf von China in die USA exportierte Konsumgüter wie Fernseher, Bücher, Windeln und Turnschuhe Zölle verhängt. Am 15. Dezember sollen dann Strafzölle auf weitere Konsumgüter aus China im Wert von rund 160 Milliarden Dollar in Kraft treten. Dann werden auch Produkte wie Smartphones, Laptops und Kleidung erfasst. Bis Ende 2019 könnten chinesische Importe im Warenwert von rund 550 Milliarden Dollar mit Strafzöllen belegt sein. All diese Strafzölle von Ausfuhren nach China in die USA trifft immer stärker indirekt auch die europäische Exportindustrie.

Innerhalb der EU sind die Deutschen seit Jahren Exportkaiser. Das macht das Land in weltweiten Abschwüngen jedoch umso verwundbarer. Während eines weltweiten Konjunkturhochs werden Produkte „Made in Germany“ überproportional nachgefragt, in einem Abschwung oder wenn wie derzeit Handelsbarrieren steigen, leiden solche Ökonomien stärker als andere. "Deutschland treffen der Abschwung und der Wachstumsrückgang in China am härtesten", diagnostiziert denn auch Eric Bernbaum, Portfolio-Manager für Multi-Asset-Lösungen bei JP Morgan.

Abwärtsrisiko für Aktien

Das Abwärtsrisiko stuft Bernbaum an den deutschen Börsen in Europa als sehr hoch ein. Der Anteil an deutschen Aktien sei daher in seinem Portfolio minimal. „Wenn wir in deutsche Aktien investieren, nur in solche von Unternehmen deren Entwicklung nicht vom Export abhängen“, so der Multi-Asset-Experte auf Fragen von trend.at. Ähnliches gilt auch für andere börsennotierte Exporttitel europäischer Unternehmen.

Wie stark die Eurozone bereits unter dem weltweiten Nachfragerückgang leidet, zeigt der markante Rückgang an Beschäftigen in der Produktion (siehe Grafik). Der dafür maßgebliche Index (PMI) ist von seinem Hoch von 58 unter die wichtige Marke von 50 auf 48 Punkte gesunken.

Die Zahl der Jobs in der verarbeitenden Industrie in Europa, brechen seit der Verhängung der Strafzölle auf chinesische Waren, die in die USA exportiert werden, weg

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