Euro-Krise: EZB dreht den Geldhahn auf

Euro-Krise: EZB dreht den Geldhahn auf
Euro-Krise: EZB dreht den Geldhahn auf

EZB-Chef Mario Draghi startet das billionenschwere Programm zum Kauf von Staatsanleihen.

Die EZB öffnet ihre Geldschleusen und revidiert ihre Wirtschaftsprognsen. Sie ewartet nun für 2015 eine Nullinflation im Euroraum. Bislang war man von +,07% ausgegangen. 2016 rechnet die EZB nun mit einer Inflationsrate von +1,5% statt wie bisher von +1,3%.

Das im Jänner beschlossene Ankaufprogramm für Wertpapiere wird am Montag, dem 9. März starten, sagte EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag nach der Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) in Nikosia. Die Notenbank hatte bereits beschlossen, von März an monatlich Staatsanleihen und weitere Wertpapiere im Volumen von 60 Mrd. Euro anzukaufen.

Mit dem bis September 2016 laufenden Programm soll die Wirtschaft angekurbelt und letztlich die stockende Kreditvergabe belebt werden. Das Volumen beläuft sich auf 1,14 Billionen Euro. Es sollen vor allem Staatsanleihen von Euro-Ländern in großem Stil aufgekauft werden. Bereits im Herbst hatte die EZB mit dem Erwerb von Hypothekenpapieren und Pfandbriefen begonnen. Mit der Geldschwemme nach dem Vorbild der US-Notenbank Fed will Draghi auch verhindern, dass die Wirtschaft in eine Deflation abrutscht, also eine gefährliche Abwärtsspirale aus fallenden Preisen auf breiter Front und nachlassenden Investitionen.

Trotz ihres billionenschweren Programms zum Kauf von Staatsanleihen rechnen Europas Währungshüter in diesem Jahr mit stagnierenden Verbraucherpreisen im Euroraum. In diesem Jahr werde die Inflation auf 0,0 Prozent sinken, Draghi. Damit korrigierte die Europäische Zentralbank (EZB) auch wegen der niedrigen Ölpreise ihre bisherige Prognose von 0,7 Prozent nochmals deutlich nach unten.

In den beiden Folgejahren dürfte sich die Geldschwemme nach der Vorhersage aber stärker auf den Preisauftrieb auswirken. Demnach steigen die Verbraucherpreise 2016 um 1,5 (bisher: 1,3) Prozent. In ihrer ersten Schätzung für 2017 sagen die Notenbanker eine Inflationsrate von 1,8 Prozent voraus.

Gleichzeitig wächst der Konjunkturoptimismus für das laufende Jahr gegenüber der Dezember-Schätzung: Statt bisher 1,0 Prozent Wachstum in diesem Jahr erwarten die Experten nun im Euroraum 1,5 Prozent Plus. Die Prognose für 2016 wurde von 1,5 Prozent auf 1,9 Prozent angehoben. Für 2017 sagen die Notenbanker ein BIP-Wachstum von 2,1 Prozent voraus

Druck auf den Euro

Der Euro hat seine Talfahrt der vergangenen Handelstage fortgesetzt und den tiefsten Stand seit mehr als elf Jahren erreicht. Nachdem EZB-Präsident Mario Draghi den Beginn der Anleihekäufe durch die Notenbank für den 9. März angekündigt hatte, fiel die Gemeinschaftswährung bis gegen 18 Uhr auf 1,0995 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit September 2003.

Am Nachmittag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,1069 (Mittwoch: 1,1124) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9034 (0,8990) Euro. Aktueller Wechselkurs EUR/USD

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,7251 (0,7259) britische Pfund, 133,10 (133,15) japanische Yen und 1,0697 (1,0694) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde in London mit 1.202,00 (1.199,50) Dollar gefixt. Ein Kilogramm Gold kostete 34.350,00 (34.250,00) Euro.

Was die EZB mit ihren Anleihe-Käufen erreichen will

Deflationsbekämpfung

Das schärfste Schwert der Europäischen Zentralbank (EZB) ist in normalen Zeiten der Leitzins. Dieser liegt aber seit längerem bereits bei 0,05 Prozent. Damit ist die Waffe stumpf geworden. Die Notenbank muss also andere Maßnahmen ergreifen, um eine Deflation abzuwenden - eine langanhaltende Schwächephase aus fallenden Preisen und sinkenden Investitionen. Denn die EZB strebt eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent an - davon ist sie aber derzeit weit entfernt. In Februar waren die Preise in der Eurozone um 0,3 Prozent gefallen, nachdem sie im Jänner sogar um 0,6 Prozent gesunken waren.

Warum ist das gefährlich? Bei anhaltend sinkenden Preisen halten sich Verbraucher oft zurück, weil sie erwarten, Produkte bald noch günstiger zu bekommen. Unternehmen verdienen weniger, bauen Personal ab und investieren kaum noch. Eine Spirale nach unten kommt in Gang, die nur schwer zu stoppen ist.

Geldschwemme

Um eine solche Situation zu verhindern, pumpt die EZB jetzt riesige Summen in den Geldkreislauf - gut 1,1 Billionen Euro sind geplant. Die EZB kauft dabei den Geschäftsbanken im großen Stil Wertpapiere - insbesondere Staatsanleihen - ab. Denn im Vergleich zu anderen Schuldtiteln wie Unternehmensanleihen ist der Markt für staatliche Bonds in Europa deutlich größer, die EZB kann daher hier die größte Wirkung erzielen. Dabei schafft die Notenbank durch die Käufe zusätzliche Liquidität - sprich sie wirft die Notenpresse an und druckt mehr Geld.

Was soll Quantitative Easing bringen?

Kauft die Notenbank massenhaft Staatsanleihen, steigen tendenziell die Anleihenkurse und die Renditen sinken entsprechend. Das Kalkül: Banken werden aus diesen Schuldtiteln herausgedrängt, da sie weniger Zinsen bringen. Sie haben dann mehr Kapital für andere Bereiche zur Verfügung - und vergeben idealerweise wieder mehr Kredite. Damit würde die Geldschwemme der stotternden Wirtschaft zugutekommen. Auch die Teuerungsrate würde dann tendenziell wieder steigen. Andere Notenbanken - etwa in den USA oder Großbritannien - haben nach der Finanzkrise 2008 bereits zu diesem Instrument gegriffen, um ihre Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.

Wie viel soll gekauft werden?

Die EZB und andere Notenbanken der Eurozone starten am 9. März mit monatlichen Käufen im Volumen von jeweils rund 60 Mrd. Euro. Darin enthalten sind sogenannte ABS-Papiere und Pfandbriefe im Volumen von etwa zehn Mrd. Euro - die restlichen rund 50 Mrd. Euro entfallen auf Bonds. Das Programm soll Ende September 2016 auslaufen. Es kann aber auch früher beendet oder verlängert werden - je nach Erfolg der Maßnahmen. Maximal können 33 Prozent der ausstehenden Anleiheschulden eines Landes erworben werden.

Was gekauft werden soll

Etwa zwölf Prozent der Anleihenkäufe entfallen auf Papiere europäischer Institutionen sowie Einrichtungen, die Länder aus der Finanzkrise geholfen haben. Dafür gilt eine gemeinschaftliche Haftung. Acht Prozent betreffen Staatsanleihen, die die EZB direkt erwirbt. Für die restlichen 80 Prozent kommen die nationalen Zentralbanken auf, die dann Titel ihres Landes auf eigenes Risiko erwerben. Auch Käufe von Schuldtiteln mit negativer Rendite sind unter bestimmten Bedingungen möglich.

Die EZB koordiniert die Käufe und gibt entsprechende Vorgaben. Die nationalen Notenbanken haben aber etwas Spielraum. Zugelassen sind Staatsanleihen mit einer Bonitätsnote von mindestens "BBB-". Das ist eine Stufe über dem berüchtigten Ramschniveau, das vor großen Ausfallrisiken warnt. Unterhalb dieser Note müssen für die betreffenden Euro-Länder Hilfsprogramme der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds (IWF) nach Plan laufen.

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