EU-Wirtschaftsprognose: historische Rezession erwartet

Die EU-Kommission erwartet als Folge der Corona-Krise eine Rezession von historischem Ausmaß. Über den Euro-Raum rechnet man nun mit einem Wirtschaftseinbruch von 7,7 Prozent, Österreich sollte mit einem Minus von 5,5 Prozent etwas glimpflicher davonkommen.

EU-Wirtschaftsprognose: historische Rezession erwartet

Die Corona-Krise wird der Eurozone laut Prognose der EU-Kommission eine beispiellose Rezession, eine ausufernde Verschuldung und eine dramatisch höhere Arbeitslosigkeit einbrocken. Die EU-Kommission rechnet für 2020 mit einem Einbruch der Wirtschaft im Euroraum von 7,7 Prozent. Österreichs Wirtschaft soll heuer um 5,5 Prozent abstürzen.

Es lebt zumindest die Hoffnung, dass der Rückgang nur von kurzer Dauer sein wird. Schon im nächsten Jahr soll die Wirtschaft in der Eurozone wieder um 6,3 Prozent wachsen, in Österreich um fünf Prozent.

"Europa erlebt einen wirtschaftlichen Schock, der seit der Großen Depression ohne Beispiel ist", sagte Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni. Zugleich werde sich Lage der öffentlichen Finanzen in allen Mitgliedstaaten spürbar verschlechtern, warnte der Italiener.

Im Zuge der teuren staatlichen Rettungsmaßnahmen für die abgewürgte Konjunktur wird der Schuldenberg der Währungsunion demnach 2020 die Marke von 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts übersteigen und sich in Griechenland sogar der 200-Prozent-Marke nähern. Italien, das besonders hart von der Krise getroffen wurde, droht mit knapp 159 Prozent des BIP eine weitere Erhöhung des ohnehin schon übergroßen Schuldenbergs von zuletzt knapp 135 Prozent.

EU-Wiederaufbaufonds

Die EU bereitet einen billionenschweren Wiederaufbaufonds für die von der Corona-Krise gezeichneten Mitgliedsstaaten vor. Die Staats- und Regierungschefs haben sich bereits grundsätzlich darauf geeinigt, Details zur dessen und Finanzierung werden aber noch verhandelt.

Der Fonds soll an das noch in Verhandlung befindliche EU-Mehrjahresbudget von 2021 bis 2027 gekoppelt werden, denn das Anleihenprogramm muss durch das EU-Budget oder Garantien der Mitgliedstaaten besichert sein. Parlamentspräsident David Sassoli forderte daher bereits größeres EU-Budget. Als zusätzliche Einnahmequellen der EU sind unter anderen eine Plastikabfallabgabe oder eine Digitalsteuer in Diskussion. Die EU-Abgeordneten sollen volles Mitspracherecht darüber haben, wo das Geld investiert wird. Konkrete Hilfen sollen aus dem Wiederaufbaufonds noch heuer fließen.

EU-Prognose für Österreich

Für Österreich rechnet die EU-Kommission im Jahr 2020 nun mit einem gesamtstaatlichen Defizit von 6,1 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die öffentlichen Kosten der COVID19-Maßnahmen werden auf 15 Milliarden Euro, rund vier Prozent des BIP, geschätzt.

Die Einnahmen- und Ausgabenschere des Staates klafft immer weiter auseinander. Sinkende Beschäftigung und Unternehmensgewinne mindern die öffentlichen Einnahmen aus Einkommens- und Körperschaftssteuern. Corona-Rettungspakete für Unternehmen und die Kurzarbeit sowie der zusätzliche Kauf von medizinischer Ausrüstung lassen die öffentlichen Ausgaben Jahr kräftig steigen. Die Staatsverschuldung dürfte in der Folge um mehr als acht Prozent auf 78,8 Prozent der Wirtschaftsleistung klettern.

Sorgenkind Tourismus

Hoffnung, das Jahr besser zu überstehen gibt es nicht.. Die noch nicht absehbare weitere Entwicklung in der Tourismus und Freizeitwirtschaft könnte die Prognosewerte der EU-Kommission eher noch verschlechtern. Der Tourismus wird "voraussichtlich im Falle von verlängerten Eindämmungsmaßnahmen und Reisebeschränkungen am stärksten betroffen sein", merkt die EU-Kommission an.

In ganz Österreich steht der Tourismus steht still. Ende Mai endet zwar der Corona-Shutdown der Betriebe, doch die Grenzen sind nach wie vor dicht. Die so wichtigen Deutschen, die im vorigen Sommer 37 Prozent der Nächtigungen buchten, können vorerst nicht einreisen. "Uns allen ist klar, dass die heurige Sommersaison sich von jener des Vorjahres deutlich unterscheiden wird", so Tourismusministerin Elisabeth Köstinger.

Um den notleidenden Tourismus zu unterstützen, hat die Tourismusministerin in den vergangenen Wochen bereits mehrfach empfohlen, heuer Urlaub im eigenen Land zu machen. "Österreich bietet ein vielfältiges Angebot. Das heurige Jahr ist ein guter Zeitpunkt, die Heimat zu entdecken", so Köstinger.

Risikofaktor Arbeitslosigkeit

Ein weiteres Abwärtsrisiko für die Prognose sieht die EU-Kommission in der Entwicklung des Arbeitsmarkts, falls sich die Wirtschaft langsamer als erwartet herholt. Vor allem Dienstleistungsjobs wären besonders betroffen.

Im gesamten Euroraum wird der Prognose zufolge die Arbeitslosigkeit spürbar zulegen - auf 9,6 Prozent im Jahresschnitt 2020, nach 7,5 Prozent 2019. Im nächsten Jahr dürfte die Quote dann wieder auf 8,6 Prozent fallen.

Die Inflationsrate werde 2020 auf 0,2 Prozent einbrechen und im nächsten Jahr im Schnitt bei 1,1 Prozent liegen. Aber auch dies wäre weiter unter der Marke von knapp zwei Prozent, die die Europäische Zentralbank als ideal für die Konjunktur ansieht.

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