EU kauft nochmals 300 Millionen Impfdosen bei Biontech/Pfizer

Nach teils schleppendem Impfstart und massiver Kritik in vielen EU-Staaten konnte die EU nun doch weitere 300 Millionen Impfdosen bei BioNTech/Pfizer berstellt. Das Problem: Es fehlen weiterhin Produktionskapazitäten. Nach Biontech und Moderna steht nun AstraZeneca kurz vor der EU-Zulassung.

EU kauft nochmals 300 Millionen Impfdosen bei Biontech/Pfizer

Brüssel. Die EU-Kommission hat einen Vertrag über weitere bis zu 300 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs der Mainzer Firma Biontech und ihres US-Partners Pfizer abgeschlossen. 75 Millionen Dosen davon sollten bereits im zweiten Quartal 2021 zur Verfügung stehen, sagte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Freitag in Brüssel. Der neue Vertrag folgt auf Klagen über Knappheit von Impfstoff in mehreren EU-Staaten.

Die europäische Arzneimittelagentur EMA erlaubt zudem ab sofort, dass aus einem Biontech-Impffläschchen sechs statt bisher fünf Impfdosen genommen werden.

Sowohl der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn als auch die EU-Kommission standen in der Kritik. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bedankte sich bei Von der Leyen, die "dafür alle Hebel in Bewegung gesetzt" habe. Die Beschaffung von weiteren 300 Millionen Impfdosen von Biontech/Pfizer sei ein wichtiger Erfolg für die EU. Somit wurde das Kontingent auf 760 Millionen Einheiten verdoppelt.

Die weiteren 300 Millionen Impfdosen zeigten, dass die EU "sehr, sehr schnell ist", was den gemeinsamen Beschaffungsprozess betrifft, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Kritik daran verstehe er nicht, vielmehr findet er es beachtlich, dass "die Marktmacht Europa sehr, sehr gut eingesetzt wurde". Vor allem für das zweite Quartal bedeuten die zusätzlichen Dosen für Österreich einen "super Schritt". Österreich hat sich für das zweite Quartal bereits 740.000 Biontech/Pfizer-Impfstoffdosen gesichert und werde nun weitere Einmeldungen vornehmen.

Das Biontech/Pfizer-Präparat war am 21. Dezember als erster Corona-Impfstoff in der EU zugelassen worden. Am Mittwoch wurde auch das Mittel des US-Herstellers Moderna genehmigt.

Bereits im November hatte die EU-Kommission für alle 27 Staaten bis zu 300 Millionen Impfstoffdosen von Biontech/Pfizer bestellt - eine feste Bestellung von 200 Millionen Dosen und eine Option auf 100 Millionen weitere, die vor kurzem gezogen wurde. Auch die neue Vereinbarung sieht diese Aufteilung vor. Sowohl Biontech als auch die EU-Kommission hatten zuletzt bestätigt, dass über weitere Lieferungen verhandelt werde.

Nicht alle auf einmal

Der Impfstoff von Biontech/Pfizer ist der bisher einzige, der in der EU genutzt wird. Von der Leyen sagte, sie sei besonders froh, dass 75 Millionen Einheiten bis Ende Juni ausgeliefert würden. Sie verteidigte die europäische Impfstrategie: "Ich bin der tiefen Überzeugung, dass dieser europäische Weg richtig ist und ich glaube, in der Rückschau wird sich das auch beweisen", sagte die deutsche Politikerin. "Europa wird mehr als genügend Impfstoff haben in einem verlässlichen Zeitrahmen." Es sei von vorneherein klar gewesen, dass man nicht "auf einen Schlag" alle impfen könne.

Wenn man eines Tages zurückschaue, werde man sehen, dass es zu Beginn etwas holprig war. "Das ist immer so bei solchen großen Veränderungen, die man angeht. Aber in der Rückschau bin ich der festen Überzeugung, dass man sehen wird, dass hier viel geleistet worden ist in den Mitgliedstaaten, die Impfungen tatsächlich auch auf den Weg zu bringen." Sie betonte, dass alle Entscheidungen über Impfstoff-Einkäufe gemeinsam mit den EU-Staaten getroffen würden. Kritik am teils langsamen Impfstart der EU-Staaten vermied die CDU-Politikerin.

Die EU-Kommission hatte sich stets gegen die Kritik an einem Impfstoffmangel gewehrt. Die Zahl der Impfstoffe reiche aus, die Mittel müssten jedoch erst produziert werden, betonte ein Sprecher. Die Impfkampagne habe gerade erst begonnen. Im Moment sei nicht die Zahl der Bestellungen, sondern die Produktionskapazitäten der Unternehmen der Flaschenhals, hieß es aus der Brüsseler Behörde.

In Deutschland wird derzeit an einem neuen Produktionsstandort von Biontech in Marburg gearbeitet. Wenn dieser wie geplant im Februar in Betrieb gehe, dann könne das Unternehmen die Impfstoffproduktion massiv ausbauen, sagte Spahn jüngst. "Das führt zu früheren Lieferungen bestellter Dosen."

Sechs Impfstofflieferanten

Neben Biontech/Pfizer gibt es bereits Rahmenverträge mit fünf weiteren Herstellern. Inklusive des neuen Vertrags mit Biontech/Pfizer kann die EU nun insgesamt mehr als zwei Milliarden Dosen beziehen. Von Moderna hat die EU-Kommission bis zu 160 Millionen Dosen gesichert. Gestern hatte der Tübinger Impfstoffentwickler CureVac eine Kooperation mit dem deutschen Pharmakonzern Bayer bekanntgegeben. Erste Impfstoffe will CureVac im 1. Halbjahr liefern. Die EU hat zudem bei AstraZeneca, Johnson & Johnson sowie Sanofi Impfstoff zur Bekämpfung des Corona-Virus bestellt.

Nächste Woche werde der Antrag der Hersteller AstraZeneca auf eine bedingte Marktzulassung in der EU erwartet, teilte EMA-Chefin Emer Cooke am Freitag in Amsterdam mit. Ende Jänner könnte dann eine positive Empfehlung der EMA erfolgen. Anschließend muss die EU-Kommission noch zustimmen, das gilt als Formsache. AstraZeneca wäre somit der dritte Imfpstoffhersteller in der EU, die sich bereits 400 Dosen gesichert hat. Das Handling des AstraZeneca-Impfstoffs ist einfacher als beim Vakzin von Biontech/Pfizer und Moderna, weil es bei normaler Kühlschranktemperatur für sechs Monate gelagert werden.

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