EU geht gegen faule Kredite rigoros vor - Italien zittert

EU geht gegen faule Kredite rigoros vor - Italien zittert

Die EU-Banken sitzen auf faulen Krediten in Milliardenhöhe. Die EZB bringt mit ihren neuen Regeln zum Umgang mit diesen Problemkrediten Italien kräftig unter Druck.

In den Banken der EU schlummern 900 Milliarden faule Kredite. Das sind Kredite bei denen die Banken fürchten müssen, das geliehene Geld wohl nie wieder zu sehen werden. Um den Umgang mit diesen notleidenden Krediten zu regeln, haben dazu die EZB-Bankenaufseher nun neue Leitlinien herausgebracht.

Das treibt die Italiener auf die Barrikaden. Das Vorgehen der EZB regt vor allem EU-Parlamentspräsident und Italiener Antonio Tajani auf. Er forderte in einem Brief an Notenbank-Chef Mario Draghi eindringlich dazu auf, das EU-Abgeordneten in den Entscheidung, wie damit umgangen werden soll, einzubeziehen.

Die EZB-Bankenaufseher hatten vergangene Woche neue Richtlinien vorgestellt, nach denen Banken künftig mehr Vorsorge für faule Kredite betreiben müssen. Zu den neuen Vorgaben soll es Ende November eine öffentliche Anhörung bei der Europäischen Zentralbank (EZB) geben, die Konsultationen laufen bis zum 8. Dezember.

Italienische Banken sind das größte Problem

In Italien wird befürchtet, dass Banken wegen der neuen Regelungen noch mehr Kredite abschreiben müssen. Dies könnte letztendlich das Wirtschaftswachstum dämpfen. In der Eurozone entfallen etwa 30 Prozent des rund 900 Milliarden Euro großen Bestands an Problemdarlehen auf Banken in Italien. Italiens Finanzminister Pier Carlo Padoan äußerte bereits Zweifel an der Vorgehensweise der EZB-Bankenaufsicht. Italiens Notenbank hofft einem Insider zufolge, dass die neuen Regeln noch aufgeweicht werden.

Entsprechend haben in Italien die neuen Richtlinien starke Kritik ausgelöst. "Ich möchte Sie dringend dazu auffordern, alle Schritte zu unternehmen, um sicherzustellen, dass Vorrechte des Parlaments als Mitgesetzgeber ordnungsgemäß respektiert werden", schrieb Tajani in dem Brief an Draghi, den die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag einsah. Ein Disput zwischen den Institutionen über dieses Thema solle vermieden werden. Er sei "tief besorgt" über die Vorgehensweise, schrieb der Italiener.

Für ausfallsgefährdete Kredite sollen vollständig durch Rückstellungen abgedeckt werden

Nach den neuen Vorgaben müssen Banken ab 2018 alle Darlehen, die neu als ausfallgefährdet eingestuft werden, schrittweise vollständig über Rückstellungen abdecken. Bei neuen unbesicherten Problemkrediten soll nach zwei Jahren eine 100-prozentige Abdeckung erreicht werden, bei neuen besicherten Problemdarlehen spätestens nach sieben Jahren.

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