EU nimmt Amazons Geschäftspraktiken unter die Lupe

Verschafft sich Amazon unrechtmäßig Wettbewerbsvorteile? Die EU-Kommission untersucht.

Verschafft sich Amazon unrechtmäßig Wettbewerbsvorteile? Die EU-Kommission untersucht.

Verschafft sich Amazon durch Datenanalyse einen unrechtmäßigen Vorsprung gegenüber Drittanbietern? Die EU-Kommission hält das für möglich und hat Ermittlungen eingeleitet.

Die EU-Wettbewerbshüter nehmen den weltgrößte Internethändler Amazon ins Visier. Der Online-Händler wird verdächtigt, sich möglicherweise mit illegalen Geschäftspraktiken einen nicht rechtmäßigen Vorteil gegenüber Drittanbietern zu verschaffen.

Bei der nun eingeleiteten Untersuchung der EU-Kommission steht die Doppelfunktion Amazons - einerseits als eigenständiger Händler und andererseits als Handelsplattform für Drittanbieter um Mittelpunkt. Das Geschäft mit Produkten von Drittanbietern ist für den Amazon immens wichtig. 58 Prozent des weltweit erwirtschafteten Bruttowarenumsatzes stammen daraus.

Daten-Schürfer

Der EU-Kommission ist ein Dorn im Auge, dass Amazon im Hintergrund laufend Daten über diese Händler, ihre Produkte und das Kundenverhalten. Die Kommission will nun der Frage nachgehen, ob und wie die Nutzung dieser Daten den Wettbewerb einschränkt und ob Amazon sie nutzt, um Händler in lukrativen Geschäftsbereichen zu verdrängen.

Ebenfalls untersuchen will will die EU-Kommission die sogenannte "Buy Box" nehmen, einen Button, mit dem Kunden Produkte von Drittanbietern direkt in ihren Amazon-Einkaufswagen befördern können. Diese "Buy Box" zu erhalten, sei für die Händler entscheidend, da ein Großteil der Einkäufe über sie getätigt wird. Händler müssen in der Regel aber eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen, bevor sie diesen Einkaufswagen-Link bekommen. Die Rolle von Daten bei diesem Vergabeverfahren wird ebenfalls untersucht.

Den Wettbewerb erhalten

"Der elektronische Handel hat den Wettbewerb im Einzelhandel angekurbelt und zu einer größeren Auswahl und günstigeren Preisen geführt", sagt EU-Kommissarin Margrethe Vestager. "Wir müssen sicherstellen, dass große Online-Plattformen diese Vorteile nicht durch wettbewerbswidriges Verhalten aushebeln."

Für die Untersuchung gibt es keine Frist. Sollte die EU-Kommission ein illegales Verhalten feststellen, kann sie Strafen in Milliardenhöhe verhängen und eine Änderung des Geschäftsmodells auferlegen.

Amazon zeigt sich kooperationsbereit. "Wir werden vollumfänglich mit der Europäischen Kommission kooperieren und weiterhin daran arbeiten, Unternehmen jeder Größe in ihrem Wachstum zu unterstützen", erklärte ein Firmensprecher.

Online-Gigant

Das Unternehmen mit Sitz in Seattle im US-Bundesstaat Washington erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 233 Milliarden Dollar, um fast ein Drittel (31 Prozent) mehr als 2017.

Neben dem Handelsgeschäft ist inzwischen die Cloud-Sparte AWS, deren Dienste auch von vielen anderen Tech-Unternehmen genutzt werden, ein lukratives Standbein. Mit "Prime" rückte der Konzern auch in das Geschäft mit Musik- und Videostreaming vor und stellt mit der Alexa-Software in seinen vernetzten Echo-Lautsprechern einen der meistgenutzten Sprachassistenten.

An der Börse notiert die Amazon-Aktie (ISIN US0231351067) aktuell bei 2.010 Dollar. 2018 lag das Ergebnis je Aktie bei 20,68 Dollar, das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei 77,63. Die Marktkapitalisierung des Konzerns liegt aktuell mit 989,54 Milliarden Dollar nur knapp unter der Billionen-Dollar-Grenze

Amazon-Aktie; 5-Jahres-Entwicklung. Für aktuelle Kursinformationen bitte auf den Chart klicken.

Amazon-Aktie; 5-Jahres-Entwicklung. Für aktuelle Kursinformationen bitte auf den Chart klicken.

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