Soziale Experimente zur Armutsbekämpfung [TED Talk]

Armut zu mildern ist mehr Mutmaßen als wissenschaftliches Arbeiten und ein Mangel an Daten über die Auswirkungen von Hilfsmitteln wirft die Frage auf wie man diese erhebt. Doch Clark-Medaillen-Gewinnerin Esther Duflo meint, es sei möglich herauszufinden welche Entwicklungsmaßnahmen helfen und welche schaden -- mit Hilfe randomisierter Studien

Im Februar 2010 hielt Esther Duflo, eine der drei Trägerinnen des Wirtschaftsnobelpreises 2019, unter dem Eindruck der Erdbebenkatastrophe in Haiti einen TED-Talk darüber, wie es mit Hilfe randomisierter Studien möglich ist, die Auswirkungen von Hilfs- und Entwicklungsmaßnahmen zu bestimmen. Der Talk und das Transkript zur Nachlese

Also hier sind wir: Ihr seht, ich bin klein, ich bin Französin, ich habe einen starken französischen Akzent, was gleich jedem klar sein wird.

Vielleicht etwas zum Nachdenken und etwas über das ihr Bescheid wisst. Ich vermute, dass viele von euch etwas für die Menschen in Haiti gespendet haben. Und da ist noch etwas, wo ich glaube, dass ihr es im Hinterkopf auch wisst. Jeden Tag sterben 25.000 Kinder, deren Tod verhindert werden hätte können. Das entspricht einem Erdbeben auf Haiti alle acht Tage. Und ich vermute, dass viele von euch etwas gespendet haben, um auch dieses Problem zu bekämpfen. Aber irgendwie passiert dies nicht mit der gleichen Intensität.

Also warum ist das so? Gut, hier ist ein Gedankenexperiment für euch: Stellt euch vor ihr habt ein paar Millionen Dollar aufgetrieben. Vielleicht seid ihr ein Politiker in einem Entwicklungsland und ihr habt ein Budget zu verwenden. Ihr wollt es den Armen zukommen lassen. Wie würdet ihr es machen? Glaubt ihr den Leuten, die euch sagen, dass es reicht Geld auszugeben, dass wir wissen wie wir Armut auslöschen können, wir müssen nur mehr dafür tun? Oder glaubt ihr den Leuten, die euch sagen, dass Entwicklungshilfe nichts bringt, im Gegenteil, vielleicht sogar schadet, da sie Korruption, Abhängigkeit usw. verschlimmern könnte? Oder vielleicht wendet ihr euch der Vergangenheit zu. Immerhin haben wir Milliarden an Dollar an Entwicklungshilfe ausgegeben. Vielleicht schaut ihr zurück und fragt euch, ob es was gebracht hat.



Wie können wir wissen was ohne Hilfe passiert wäre?

Und, leider, wir wissen es nicht. Und am Allerschlimmsten: wir werden es nie wissen. Und der Grund dafür ist - für Afrika zum Beispiel - Afrika hat viel Hilfe erhalten. Aber das BIP macht wenig Fortschritt in Afrika. Okay, gut. Wie können wir wissen, was ohne die Hilfe passiert wäre? Vielleicht wäre es viel schlimmer gewesen. Oder es wäre besser geworden? Wir haben keine Ahnung. Wir kennen den hypothetischen Zustand nicht. Es gibt nur ein Afrika.

Also was macht ihr? Leistet ihr Hilfe und hofft und betet, dass irgendwas passieren wird? Oder konzentriert ihr euch auf euren Alltag und lässt das Erdbeben alle acht Tage weiterhin passieren? Fakt ist, wenn wir nicht wissen ob wir überhaupt Gutes tun, dann sind wir nicht besser als die Mediziner und ihre Blutegel im Mittelalter. Manchmal geht's dem Patienten besser, manchmal stirbt er. Sind es die Blutegel? War es was Anderes? Wir wissen es nicht.

Also hier sind ein paar mehr Fragen. Es sind leichtere Fragen, aber nicht so leicht. Impfung ist der billigste Weg, einem Kind das Leben zu retten. Und die Welt hat jede Menge Geld dafür ausgegeben. Die GAVI (Impf-Allianz) und die Gates Stiftung verwenden beide eine Menge Geld dafür. Und selbst die Entwicklungsländer haben sich dafür sehr angestrengt. Und trotzdem, jedes Jahr, bekommen mindestens 25 Millionen Kinder nicht die Impfung, die sie erhalten sollten. Also das ist etwas, was man ein "Letzte-Meile-Problem" nennt. Es gibt die Technik. Es gibt die Infrastruktur. Und trotzdem passiert nichts. Also ihr habt eure Million. Wie verwendet ihr diese Million um dieses Letzte-Meile-Problem zu lösen?

Und hier ist eine weitere Frage: Malaria. Malaria verursacht fast 900.000 Todesfälle pro Jahr die Mehrheit davon im Afrika südlich der Sahara und die Mehrheit der Toten ist unter fünf Jahre alt. Tatsächlich ist Malaria die Hauptursache für Kindersterblichkeit unter fünf. Wir wissen bereits wie man Malaria ausrotten kann, aber manche Leute kommen und meinen "Du hast die Millionen. Wie wäre es mit Moskitonetzen?" Moskitonetze sind sehr billig. Für 10 Dollar kann man ein Moskitonetz, das mit Insektiziden behandelt wurde, herstellen und verschicken und jemanden zeigen wie man es zu benutzen hat. Und, es werden nicht nur die Leute geschützt, die darunter schlafen, sondern die haben diese tollen Ansteckungsvorteile. Wenn die halbe Gesellschaft unter einem Netz schläft, dann nützt dies auch der anderen Hälfte, weil sich die Ansteckungsgefahr der Krankheit verteilt. Und trotz allem schläft nur ein Viertel der Kinder unter einem Netz.

Gesellschaften sollten bereit sein, die Netze zu fördern, sie kostenlos zu verteilen oder, wenn wir schon dabei sind, Leute bezahlen sie zu benutzen, eben wegen dieser Ansteckungsvorteile. "Nicht so schnell" sagen andere Leute. "Wenn ihr die Netze kostenlos verteilt, werden die Menschen sie nicht wertschätzen. Sie werden sie nicht benutzen oder sie werden sie wenigstens nicht als Moskitonetze verwenden, sondern vielleicht als Fischernetze." Also, was macht ihr? Verteilt ihr die Netze kostenlos um die Verbreitung zu maximieren? Oder verlangt ihr Geld dafür damit die Leute sie auch wirklich wertschätzen? Wie kann man es wissen?



Vielleicht ist Bildung die Lösung.

Und eine dritte Frage: Bildung. Vielleicht ist das die Lösung. Vielleicht sollten wir die Kinder zur Schule schicken. Aber wie macht man das? Soll man Lehrer anstellen? Soll man mehr Schulen bauen? Soll man ein Mittagessen in der Schule anbieten? Wie kann man es wissen?

Die Sache ist die: Ich kann die wichtigste Frage nicht beantworten: Hat Entwicklungshilfe etwas gebracht oder nicht?

Aber diese drei Fragen, kann ich beantworten. Wir sind nicht mehr im Mittelalter. Wir sind im 21. Jahrhundert. Und im 20. Jahrhundert haben randomisierte, kontrollierte Studien die Medizin revolutioniert da wir in der Lage sind, zwischen Medikamenten zu unterscheiden die wirken und solchen die nicht wirken. Und man kann dieselben randomisierten, kontrollierten Studien für Sozialpolitik verwenden. Man kann gesellschaftlichen Innovationen denselben strikten wissenschaftlichen Tests unterziehen die wir für Medikamente benutzen. Und auf diese Weise kann man das Rätselraten im Entscheidungsprozess auslassen. Durch das Wissen was klappt, was nicht und warum. Und ich gebe euch ein paar Beispiele für diese drei Fragen.

Also ich beginne mit Impfung. Udairpur in Rajasthan, wunderschön. Als ich damals zu arbeiten begonnen habe war ungefähr ein Prozent der Kinder komplett geimpft. Das ist schlecht, aber solche Orte gibt es. Jetzt ist es aber nicht so, dass es die Impfstoffe dort nicht gäbe. Es gibt sie und sie sind kostenlos. Und es ist nicht so, dass die Eltern sich nicht um die Kinder sorgen würden. Für das gleiche Kind, das nicht gegen Masern geimpft ist, werden die Eltern, wenn es doch Masern bekommt, tausende Rupien ausgeben um es zu heilen. Deswegen findet man diese leeren Dorfkliniken und überfüllte Krankenhäuser. Also was ist das Problem?

Gut, Teil des Problems ist sicherlich, dass die Leute es nicht ganz verstehen. Immerhin gibt es in diesem Land alle möglichen Mythen und falschen Vorstellungen die die Schutzimpfung betreffen. Also wenn das der Fall ist, wird es schwierig, denn Überzeugungsarbeit ist wirklich schwierig. Aber vielleicht gibt es noch ein anderes Problem. Wie gelangt man von der Absicht zur Handlung? Stellt euch vor ihr seid eine Mutter im Udaipur Distrikt in Rajasthan. Ihr müsst ein paar Kilometer laufen um die Kinder zu impfen. Und wenn ihr dort seid ist die Klinik vielleicht geschlossen und ihr müsst wiederkommen. Und ihr seid so mit anderen Dingen beschäftigt, dass ihr es stets verschieben und verschieben werdet, bis es irgendwann zu spät ist. Gut, wenn das das Problem ist, dann ist es viel einfacher, weil, A, wir können es leicht machen, und, B, wir können vielleicht den Leuten einen Grund geben es heute zu tun anstatt bis morgen zu warten.



Teil des Problems ist, dass die Leute es nicht ganz verstehen.

Also wir hatten einfache Ideen, aber wir kannten ihre Auswirkungen nicht. Wir haben die ausprobiert.

Also was wir gemacht haben, wir haben eine randomisierte, kontrollierte Studie gemacht in 134 Dörfern im Udaipur Distrikt. Wir haben es leicht gemacht. Ich erzähle es gleich. Bei einigen Orten haben wir es leicht gemacht und haben den Leuten einen Grund gegeben jetzt zu handeln. In anderen Orten hat sich zum Vergleich nichts geändert. Also, wir haben es einfach gemacht, in dem wir ein monatliches Lager organisiert haben, wo Leute ihre Kinder impfen lassen können. Und dann kannst du es leicht machen und einen Anlass geben jetzt zu handeln, in dem wir für jede Impfung einen Kilo Linsen verteilt haben. Jetzt, ein Kilo Linsen ist winzig. Es wird niemanden überzeugen etwas zu tun, was sie nicht tun möchte. Andererseits, wenn das Problem ist es aufzuschieben, dann könnte es ein Anlass sein jetzt zu handeln anstatt später.

Also was haben wir herausgefunden? Gut, davor war alles gleich. Das ist die Schönheit der Randomisierung. Danach erhöht das Lager, und nur das Lager, die Impfrate von sechs Prozent auf 17 Prozent. Das betrifft eine komplette Impfung. Das ist nicht schlecht. Das ist eine gute Steigerung. Mit den Linsen kann man bis zu 38 Prozent erreichen. Also hier habt ihr die Antwort. Mach es leicht und verschenke ein Kilo Linsen dann versechsfacht sich die Impfrate. Jetzt könnte man sagen: "Schön, aber das ist nicht nachhaltig. Wir können den Leuten nicht dauerhaft Linsen schenken." Also es stellt sich heraus, dass es eine verkehrte Rechnung ist, weil es günstiger ist, Linsen zu verschenken als sie nicht zu verschenken. Nachdem man die Krankenschwester so und anders bezahlen muss, sind die Kosten pro Impfung geringer wenn man Anreize austeilt als wenn nicht.

Was ist mit den Moskitonetzen? Soll man sie kostenlos verteilen oder soll man die Leute dafür zur Kasse beten? Also diese Antwort hängt von den Antworten zu drei einfachen Fragen ab. Die erste ist: Falls die Leute für ein Netz bezahlen müssen, werden sie eins kaufen? Die zweite ist: Falls ich die Netze kostenlos verteile, werden die Leute sie benutzen? Und die dritte ist: Sind kostenlose Moskitonetze schlecht für Verkäufe in der Zukunft? Die dritte ist wichtig, weil wenn wir denken, dass sich die Leute an Almosen gewöhnen könnte die kostenlose Vergabe von Netzen den Markt zerstören. Jetzt ist das eine Diskussion, die viel Emotion und aufgebrachte Rhetorik erzeugt hat. Sie ist mehr ideologisch als praktisch, aber es stellt sich als eine einfache Frage heraus. Wir können die Antwort zu dieser Frage herausfinden. Wir können einfach ein Experiment durchführen. Und es wurden viele Experimente gemacht, die alle zum gleichen Ergebnis kamen, deswegen werde ich nur über eines erzählen.



Menschen gewöhnen sich nicht an Almosen. Vielleicht sollten wir ihnen ein bisschen mehr zutrauen.

Und dieses eine war in Kenia, wo den Leuten Gutscheine, Rabattgutschein, ausgeteilt wurden. Also Leute mit dem Gutschein konnten das Moskitonetz in der örtlichen Apotheke kaufen. Und manche Leute haben 100 Prozent Ermäßigung bekommen und andere 20 Prozent Ermäßigung und andere haben 50 Prozent bekommen usw. Und jetzt können wir beobachten was passiert. Also was passiert mit den Käufen? Gut, was man hier sieht ist, dass wenn Leute für ihr Moskitonetz zahlen müssen die Zahl der Verbreitung stark absinkt. Also sogar mit einer teilweisen Förderung -- drei Dollar sind immer noch nicht der volle Preis eines Netzes. Und jetzt haben nur noch 20 Prozent der Leute ein Moskitonetz, und man verliert den Schutz vor Seuchen, das ist nicht gut. Zweite Sache, wie ist die Benutzung? Also die gute Nachricht ist, dass die Leute, wenn sie Moskitonetze haben, sie auch benutzen. Egal auf welche Weise sie diese erhalten haben. Wenn sie sie kostenlos bekommen haben, benutzen sie sie. Wenn sie dafür zahlen mussten, benutzen sie sie. Wie sieht es langfristig aus? Auf lange Sicht wurde den Leuten, die ein kostenloses Netz bekommen haben, ein Jahr danach die Möglichkeit gegeben ein Moskitonetz für zwei Dollar zu kaufen. Und Leute, die eines kostenlos bekommen haben waren sogar eher bereit ein zweites zu kaufen im Vergleich zu denen die keines gratis bekamen. Also Menschen gewöhnen sich nicht an die Almosen; sie gewöhnen sich an die Netze. Vielleicht sollten wir ihnen ein bisschen mehr zutrauen.

Gut, das waren die Netze. Also werdet ihr denken, "Das ist toll. Man weiß wie zu impfen ist, man weiß wie man Moskitonetze verteilen soll. Aber ein Politiker braucht eine Reihe von Wahlmöglichkeiten. Sie müssen wissen: Von all den Dingen, die ich tun könnte, was ist der beste Weg mein Ziel zu erreichen? Also nehmen wir an euer Ziel ist es Kinder in die Schule zu bringen. Es gibt so viele Sachen, die man tun könnte. Man könnte für die Uniformen zahlen, man könnte Gebühren abschaffen, man könnte Toiletten hinstellen, man könnte den Mädchen Damenbinden geben usw. usw. Also was ist das Beste? Gut, irgendwo glauben wir dass all diese Dinge klappen sollten. Also ist das genug, dass wir instinktiv denken, das müsste klappen, sollen wir sie anwenden? Gut, in der Wirtschaft wäre das sicher nicht der Weg, den wir einschlagen würden.

Nehmen wir zum Beispiel Transportwaren. Bevor der Kanal erfunden wurde, wurden in England, vor der industriellen Revolution, die Waren auf Pferdekarren transportiert. Und als Kanäle gebaut wurden, konnte man mit dem gleichen Kutscher und dem gleichen Pferd, zehn Mal so viel Frachtgut befördern. Also sollten sie weiterhin die Waren auf Pferdekarren transportieren, weil sie irgendwann ankommen würden? Gut, wenn das der Fall ist, dann hätte es die industrielle Revolution nie gegeben. Also warum sollten wir dasselbe nicht mit Sozialpolitik anstellen? In der Technik verwenden wir so viel Zeit mit Experimentieren und Feineinstellen damit wir die absolut billigste Art finden etwas zu tun. Also warum machen wir das nicht mit Sozialpolitik?



Es ist sehr billig, den Leuten die Vorteile der Bildung zu erklären.

Gut, mit Experimenten kann man die Frage einfach beantworten. Nehmen wir an man kann 100 Dollar für verschiedene Maßnahmen ausgeben. Wie viele zusätzliche Jahre an Bildung würde man für 100 Dollar bekommen? Jetzt werde ich euch zeigen was wir mit verschiedenen Bildungsmaßnahmen erhalten. Also die ersten sind die üblichen Verdächtigen Lehrer anstellen, Schulmahlzeiten, Schuluniformen, Stipendien. Und die sind nicht schlecht. Für hundert Dollar erhält man zwischen ein bis drei Jahre mehr Bildung. Dinge, die nicht so gut klappen ist z.B. die Eltern bestechen, einfach weil so viele Kinder schon zur Schule gehen sodass man dafür viel Geld auszugeben hat. Und hier sind ein paar erstaunliche Ergebnisse. Erkläre den Leuten die Vorteile von Bildung. Das zu tun ist sehr billig. Also für jede hundert Dollar, die man dafür ausgibt, erhält man 40 extra Jahre an Bildung. Und, in Gegenden, wo es Würmer gibt, parasitäre Fadenwürmer, befreie die Kinder von den Würmern. Und für jede hundert Dollar erhält man fast 30 extra Jahre an Bildung. Also das ist nicht intuitiv. Das ist nicht etwas was Leute gemacht hätten und trotzdem sind das die Maßnahmen, die funktionieren. Wir brauchen diese Art an Information. Wir brauchen mehr davon. Und wir müssen die Politik lenken.

Jetzt habe ich mit einem großen Problem begonnen und ich konnte es nicht beantworten. Und ich habe es in leichtere Fragen aufgeteilt und konnte diese leichteren Fragen beantworten. Und es sind gute, wissenschaftliche, robuste Antworten.

Also lasst uns kurz auf Haiti zurückkommen. In Haiti sind ungefähr 200.000 Menschen gestorben. Sogar ein bisschen mehr nach den letzten Schätzungen. Und die Reaktionen in der Welt waren großartig. Zwei Milliarden Dollar wurden allein im letzten Monat gespendet. Also das sind ungefähr 10.000 Dollar pro Todesfall. Und das klingt gar nicht so viel, wenn man darüber nachdenkt. Aber wenn wir bereit sind 10.000 Dollar für jedes tote Kind unter fünf auszugeben dann wären wir bei 90 Milliarden Dollar im Jahr nur für dieses Problem. Und trotzdem passiert nichts. Also warum ist das so? Gut, ich denke ein Teil des Problems ist, dass wir in Haiti, obwohl es ein riesiges Problem ist, irgendwie verstehen, dass es örtlich begrenzt ist. Ihr gebt das Geld den Ärzten ohne Grenzen, ihr gebt das Geld den "Partners in Health" und die senden ihre Ärzte, und schicken das Bauholz, und die werden die Dinge mit dem Hubschrauber ein- und ausfliegen. Aber das Problem mit Armut ist, es ist nicht so. Also, erstens, ist es unsichtbar. Zweitens, ist es enorm. Und drittens wissen wir nicht ob wir das Richtige tun. Es gibt keine Wunderwaffe. Man kann Leute nicht aus der Armut ausfliegen. Und das ist sehr frustrierend.



Wir können Armut noch nicht abschaffen, aber wir können damit beginnen.

Aber schaut was wir heute gemacht haben. Ich habe euch drei einfache Antworten auf drei Fragen gezeigt. Gib Linsen um Leute zu impfen, verteile kostenlose Moskitonetze, befreie Kinder von Würmern. Mit Impfungen oder Moskitonetzen, kann man ein Leben für 300 Dollar retten. Mit Entwurmung bekommt man für drei Dollar ein zusätzliches Jahr an Bildung. Also wir können Armut noch nicht abschaffen, aber wir können damit beginnen. Und vielleicht beginnen wir klein, mit Dingen, wo wir sicher sind, dass sie wirken.

Hier ist ein Beispiel das zeigt wie mächtig das sein kann. Entwurmen. Würmer haben ein kleines Problem es in die Schlagzeilen zu schaffen. Sie sind nicht schön und sie bringen niemanden um. Und trotz allem, als den jungen Führungskräften in Davos die Zahlen gezeigt wurden, die ich euch gezeigt habe, haben sie "Deworm the World" gegründet. Und Dank sei Deworm the World, und dem Einsatz von vielen Regierungen und Stiftungen, dass 20 Millionen Schulkinder 2009 entwurmt wurden. Also diese Beweise sind beeindruckend. Es kann zu Handlungen anregen.

Also sollten wir jetzt beginnen. Jetzt wird es aber nicht einfach sein. Es ist ein sehr langsamer Prozess. Man muss weiterhin Experimente durchführen und manchmal muss man Ideologien mit der Praxis übertrumpfen. Und manchmal klappt etwas was hier klappt irgendwo anders nicht mehr. Also es ist ein langer Weg, aber es gibt keinen anderen. Diese Wirtschaftslehre, die ich vorschlage, ist wie Medizin im 20. Jahrhundert. Ein langsamer, abwägender Pfad der Entdeckung. Es gibt kein Wundermittel, aber moderne Medizin rettet jedes Jahr Millionen von Menschen das Leben und wir können dasselbe tun.

Und jetzt können wir vielleicht auf die wichtigere Frage zurückkommen mit der ich am Anfang begonnen habe. Ich kann nicht sagen ob die Hilfsmittel, die wir in der Vergangenheit ausgegeben haben einen Unterschied gemacht haben, aber wir können in 30 Jahren hierauf zurückkommen und sagen, "Was wir gemacht haben hat tatsächlich eine positive Veränderung gebracht." Ich glaube wir können es und ich hoffe wir tun es. Dankeschön.



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