„Es gibt bei Huawei starke, effiziente Kontrollmechanismen“

Fredmund Malik wird von Huawei-Gründer Ren Zhengfei als Inspirationsquelle bezeichnet. Der Vorarlberger Managementexperte über die Unternehmenskultur bei Huawei und die Folgen der aktuellen Troubles bei dem chinesischen Konzern.

Management-Experte Fredmund Malik

Fredmund Malik: "Westliche Unternehmen könen noch viel von chinesischen lernen."

trend: Herr Professor Malik, Huawei-Gründer Ren Zhengfei hat sich ausdrücklich auf Sie und Ihre Ideen als Inspirationsquelle berufen. Ist das nur eine Inspiration aus der Ferne - oder sind Sie auch in persönlichem Austausch?
Fredmund Malik: Beides. Bei Huawei liest man alle meine Bücher. Ich beschäftige mich seit 1998 intensiv mit China und bin Special- und Honorary-Professor der Capital University of Economics and Business in Beijing, IMAU und der Jilin University. Ich war im Huawei-Headquarter in Shenzhen und hatte auch Besuch von obersten Huawei-Verantwortlichen in St. Gallen. Aber Details der Zusammenarbeit will ich nicht kommentieren. Sie erstreckt sich jedenfalls schon über einen längeren Zeitraum.

Ren erwähnt eine „Core Elite Group“ - eine Art Board ehemaliger Führungskräfte und Aufsichtsräte.
Es gibt bei Huawei ein Organ, das zwar kein Entscheidungsrecht hat, aber ein Informationsrecht und ein Kommentierungsrecht.. Die Mitglieder sitzen dort kraft ihrer Kompetenz und Erfahrung. Es wäre völlig unchinesisch, wenn man diese weisen und klugen Menschen nicht mit einbinden würde. Und deren Meinung wird gehört und beachtet. Hier können westliche Unternehmen noch viel von chinesischen lernen.

In Bewertungsportalen für Arbeitnehmer wird stark kritisiert, dass es kaum Diversität, Inklusion oder Transparenz bei Huawei gibt. Zurecht?
Es wäre nicht nur unfair, sondern sehr unklug, wenn man ein chinesisches Unternehmen allein nach westlichen Maßstäben beurteilen würde und es würde zu krassen Fehlurteilen führen. Huawei ist nicht börsenotiert und anders als US-Unternehmen nicht am kurzfristigen Shareholder Value orientiert, sondern extrem auf Langfristigkeit und Kundenorientierung bedacht.


Das System von Huawei ist militärisch inspiriert. Vieles läuft extrem diszipliniert ab.

Huawei gehört fast 100.000 Mitarbeitern und Ex-Mitarbeitern. Was bedeutet das in Bezug auf Governance?
Huawei entspricht ein bisschen unserem Genossenschaftswesen, und das prägt natürlich auch das Klima im Unternehmen. Es gibt starke, effiziente Kontrollmechanismen, zum Beispiel ein Prinzip rotierender Chairmen und ungeheuer starke real time controls im kybernetischen Sinne, mit der sie ähnlich wie im weltweiten Flugverkehr ständig alle Bewegungen und Ereignisse im Blick haben. Das ist weniger auf Kontrolle des Jetzt als auf antizipative Kontrolle zur Vermeidung von Fehlern hin ausgerichtet. Nicht Korrektur sondern Vermeidung von Fehlern ist entscheidend. Und westliche Unternehmen mögen ausgefeilte Controllingsysteme haben – Huawei hat Control-of-Controlsysteme.

Ist dieses System militärisch inspiriert?
Ja. Vieles läuft extrem diszipliniert ab, und Ren war ja auch Mitglied der Volksbefreiungsarmee. Aber wenn ich in die Schweiz schaue, spielen auch hier die Schweizer Armee und ihre Werte eine große Rolle, früher sehr stark, heute etwas weniger.

Wird sich das Unternehmen unter dem Druck der derzeitigen Angriffe, insbesondere aus den USA, ändern müssen?
Es wird eine Anpassung auf chinesische Art und Weise geben. China ist sehr selbstbewusst.

China und Huawei suchen im Konflikt mit den USA jetzt verstärkt das Bündnis mit Europa. Würden Sie sagen, dass der cultural fit zwischen China und Europa größer ist als jener zwischen China und den USA?
Ja. Viel größer.


Mehr zum Thema Huawei finden Sie in der Coverstory "Huawei - der umstrittenste Konzern der Welt" der trend-Ausgabe 8/2019 vom 22. Februar 2019

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