Erste Produktion von CO2-freiem Kerosin angelaufen

In Emsland in Niedersachsen wurde die weltweit erste Produktionsanlage für künstliches, CO2-freies Flugzeugbenzin Kerosin in Betrieb genommen. Der erste Kunde ist der Lufthansa-Konzern. Bis 2030 sollen jährlich 200.000 Tonnen Öko-Kerosin erzeugt werden.

Erste Produktion von CO2-freiem Kerosin angelaufen

In Deutschland soll eine neue Anlage im Emsland in Niedersachsen der Luftfahrtbranche das Tor zur Klimaneutralität aufstoßen. Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze hat eine Anlage zur Herstellung von CO2-neutralem Kerosin eröffnet. Nach Angaben der Betreiber handelt es sich um die erste Anlage weltweit, die den Flugzeugkraftstoff im industriellen Maßstab synthetisch herstellen kann.

"Mit den richtigen Rahmenbedingungen finden strombasierte flüssige Flugkraftstoffe jetzt den Weg aus dem Labor in den Markt", sagte Schulze. Für Deutschland und für Partner biete die Technologie wirtschaftliche Chancen. "Deutschland ist führend im Anlagenbau, andere Länder haben viel Wind und Sonne. Wenn wir jetzt zeigen, dass diese Technologie funktioniert, schafft das auch neue Exportchancen für den Anlagenbau", betonte die Ministerin.

"Klimaschonende Mobilität ist ein überaus wichtiges Element des Klimaschutzes insgesamt", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Videobotschaft. Deutsche Regierung, Länder und die Luftfahrtbranche wollen ihr zufolge für einen Markthochlauf dieser Kraftstoffe sorgen. Derzeit sei der klimaneutrale Kraftstoff noch sehr teuer und die Produktionskapazitäten seien begrenzt. Bis zum Jahr 2030 sollen aber jährlich 200.000 Tonnen grünen Kerosins produziert werden. "Dazu setzen sie hier heute ein wichtiges Signal", sagte Merkel.


Podcast

Im trend. CEO-Podcast spricht Julian Jäger, CO-CEO des Flughafen Wien, über die leidvollen Erfahrungen der Corona-Krise und die Herausforderung, die Luftfahrt im Sinne der Nachhaltigkeit weiter zu entwickeln: „Es gibt nur einen Weg: CO2-neutrale Kraftstoffe.“


Power to Liquid

Die Anlage produziert Kraftstoff für Flugzeuge synthetisch aus Wasser, erneuerbarem Strom von Windrädern aus dem Umland, Abfall-CO2 aus Lebensmittelresten einer Biogasanlage sowie CO2 aus der Umgebungsluft. Der Fachbegriff für die Technik ist "Power to Liquid" (PtL).

Dietrich Brockhagen, Geschäftsführer der Betreiberin, der gemeinnützigen Klimaschutzorganisation Atmosfair aus Berlin, betonte, dass für die Produktion des grünen Kraftstoffes weder eigens Pflanzen angebaut werden müssten, noch werde Strom aus erneuerbaren Quellen vom Energiemarkt genommen. Die Anlage bezieht ihre Elektrizität zur Wasserstoffherstellung aus einem alten benachbarten Windpark der bereits aus der EEG-Förderung herausgefallen ist.

Klimaneutraler Treibstoff

Die Produktionskapazität soll nach dem Erreichen des Regelbetriebs im kommenden Jahr bei einer Tonne oder acht Fässern Rohkerosin pro Tag liegen. Erster Kunde ist der AUA-Mutterkonzern Lufthansa, beliefert wird der Flughafen Hamburg.

Mindestens 25 000 Liter des PtL-Kraftstoffes wird die Lufthansa Group in den kommenden fünf Jahren jährlich abnehmen und Kunden zur Verfügung stellen, teilte das Unternehmen mit. Aktuell sei die Lufthansa der größte Abnehmer nachhaltig erzeugten Flugkraftstoffes in Europa, sagte Christina Foerster, Mitglied des Konzernvorstandes Deutsche Lufthansa AG. Synthetische Kraftstoffe aus erneuerbaren Energien seien das Kerosin der Zukunft. Sie ermöglichten CO2-neutralen Luftverkehr.

Auf Zustimmung stößt die neue Anlage auch bei der Umweltorganisation Greenpeace, sagte deren Verkehrsexperte Benjamin Stephan. Aber klimaneutraler Kraftstoff alleine könne ihm zufolge das Klimaproblem der Airlines nicht lösen. Zwei Drittel des Klimaschadens entstehe durch Kondensstreifen in großer Höhe. Flüge innerhalb Deutschlands und auf kürzeren europäischen Strecken sollten daher umgehend ausgesetzt werden. Dafür müsse sich die nächste Bundesregierung einsetzen.

Dietrich Mateschitz bei Formel 1 Tests in Jerez, 2015

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