Erste Group erzielt höchsten Halbjahresgewinn ihrer Geschichte

Erste Group CEO Andreas Treichl

Erste Group CEO Andreas Treichl

Die Erste Group konnte mit 841 Millionen Euro den höchsten Halbjahresgewinn in ihrer Firmengeschichte verbuchen. Ein Sondererlös mit dem Verkauf der Visa-Beteiligung hat unter anderem dazu beigetragen. "Trotz Nullzinsumfeld" sei die Erste eine der wenigen Banken in Europa die stabile Dividenden zahlen kann, meint Erste Group-Chef Treichl.

Wien. Die Erste Group hat im ersten Halbjahr 2016 trotz eines Rückgangs von 11 Prozent beim Betriebsergebnis auf 1,33 Mrd. Euro unterm Strich einen Rekordgewinn geschrieben. Der Nettogewinn lag mit 841,7 Mio. Euro um 73 Prozent über Vorjahr. Im Jahr davor waren es zum Halbjahr 487,2 Millionen Nettoüberschuss gewesen. Erste-Chef Andreas Treichl sprach am Freitag vom besten Halbjahresergebnis der Unternehmensgeschichte.

Das hätte man nie erreicht, "wenn wir nicht in den Jahren bis 2014 unsere Problemkredite korrekt bevorsorgt hätten", schrieb Bankchef Andreas Treichl im Zwischenbericht. Jetzt profitiere man davon, dass man Wertberichtigungen auflösen könne. Natürlich habe auch der Verkauf der Visa-Anteile zum Gewinnanstieg beigetragen.

Im zweiten Quartal 2016 hatte u.a. ein Sondererlös aus dem Verkauf der Visa-Beteiligung (120 Mio. Euro) das Ergebnis aufgebessert. Ihr Renditeziel für das Gesamtjahr - Anstieg der Eigenkapitalverzinsung auf mehr als 12 Prozent - hat die Bank bekräftigt.

Für das Geschäftsjahr 2016 hat Treichl eine Dividende in Höhe von 1,10 Euro pro Aktie in Aussicht gestellt. In Stein gemeißelt ist die Zahl noch nicht, aber es wurde im ersten Halbjahr schon entsprechend Geld für eine Dividendenausschüttung zur Seite gelegt. Aus heutiger Sicht könnte es sich die Erste leisten, für 2016 mehr als doppelt so viel Dividende zu zahlen wie für 2015 - obwohl wegen hoher Investitionen in die Digitalisierung anders als in den vergangenen drei Jahren die Kosten heuer und auch 2017 und 2018 anwachsen werden.

Für 2015 wurden 50 Cent je Aktie gezahlt. Fest stehen wird die Erhöhung der Dividende auf 1,10 Euro je Anteilschein aber erst, wenn die Regulatoren im Herbst die neuen Kapitalvorgaben gemacht haben. Da erwartet die Bank aber keine großen Änderungen.

Unzufrieden ist der Erste-Chef mit der Kosten/Ertrags-Relation in Österreich. "Da sind wir zu hoch. Da müssen wir etwas tun." Die Kosten-Ertrags-Relation habe sich aber in fast allen Ländern verschlechtert. Bis 2018 werden die Kosten insgesamt aber wachsen, da gerade viel in die Digitalisierung investiert wird. Das wird in der Abwicklung im Hintergrund viele Jobs kosten. Wie viele Stellen abgebaut werden, wurde nicht gesagt.

Die positiven Zahlen haben der Erste-Aktie einen Schwung mitgegeben. Der Aktienkurs ist am Freitag um über drei Prozent gestiegen. Am Nachmittag betrug das Plus 3,44 Prozent.

Der Anteil der faulen Kredite (NPL) am Gesamtkreditvolumen ist seit Jahresbeginn von 7,1 Prozent auf 5,8 Prozent gesunken.

Die bereinigte Eigenkapitalrendite wird mit rund 13 Prozent angegeben. Auch wenn man weiter von einem Niedrigzinsumfeld ausgehen müsse, werde die Erste Group eine der wenigen Banken in Europa sein, die über einen Zeitraum von mehreren Jahren zweistellige Kapitalrenditen erwirtschaften und damit stabile Dividenden zahlen könne, erklärte Treichl. Größere Investitionen fließen derzeit in digitale Projekte.


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Der Erste-Chef meldete heute mit einer Milliarde Euro auch den stärksten organischen Kapitalaufbau, der jemals erzielt worden sei. Die harte Kernkapitalquote (Basel III, final) wurde mit 12,7 Prozent beziffert.


Die Watschen, die wir uns abgeholt haben in den letzten Jahren, haben sich ausgezahlt

Mit Milliardenabschreibungen auf Ostkredite und Banktöchter hat die börsennotierte Erste Group ihre Bilanzen gesäubert. Zwei Jahre (2011 und 2014) bilanzierte die Bank tiefrot. Jetzt, im ersten Halbjahr 2016, schrieb sie Rekordgewinn. "Es war ein harter, langer und schmerzhafter Weg", sagte Konzernchef Andreas Treichl am Freitag, "aber jetzt haben wir es geschafft".

"Die Watschen, die wir uns abgeholt haben in den letzten Jahren, haben sich ausgezahlt", meinte Treichl. "Wir haben ordentlich bereinigt. Es gibt keine Impairments mehr." Die notleidenden Kredite machten jetzt nur mehr 5,8 Prozent vom gesamten Kreditvolumen aus. Vor einem halben Jahr waren es noch 7,1 Prozent, und es werde weiter runtergehen. Einiges an Kreditwertberichtigungen konnte zuletzt sogar aufgelöst werden.

Es werden mehr Kredite vergeben, und man sehe derzeit keine besorgniserregenden Ereignisse, die einen dramatischen Anstieg der Risikokosten befürchten ließen, sagte der Erste-Chef. Dass die Bank im letzten EU-Bankenstresstest in den Kapitalsimulationen so stark abgestürzt ist, führt das Management auf unrealistische Schock-Annahmen zurück.

Die Bilanzsumme stieg bis Ende Juni auf 204,5 (Dezember: 199,7) Mrd. Euro. Die Kundenkredite (netto) legten leicht auf 127,4 Mrd. Euro zu, die Kundeneinlagen auf 130,4 (127,9) Mrd. Euro.

Der Osten blüht wieder

Gewinnzuwächse gab es wieder in den Osttöchtern, allen voran bei der großen tschechischen Tochter Ceska Sporitelna, die den Halbjahresgewinn um 15 Prozent auf 287 Mio. Euro erhöhte, und aus der Slowakei, wo der Gewinn der Tochterbank um fast 50 Prozent auf 133,6 Mio. Euro zulegte. In Rumänien, wo Kreditwertberichtigungen aufgelöst wurden, blieb das Ergebnis der BCR mit 124 Mio. Euro fast stabil. Die Ungarn-Tochter drehte von einem Verlust auf einen Halbjahresgewinn von rund 100,7 Mio. Euro. Mehr Gewinn gab es auch in Kroatien sowie in der kleinen Serbien-Tochter.

Ein Ärger für den Erste-Chef war der jüngste Bankenstresstest. Bei ihren Krisen-Annahmen gerade für Osteuropa hätten sich die Prüfer nicht mit den wirtschaftlichen Gegebenheiten der Region auseinandergesetzt, so die Kritik. Einen besonders hohen Kapitalabzug hätte die Erste im Stresstest erfahren, weil unterstellt wurde, dass ein starker Zinsanstieg nur auf Einlagen, nicht aber auf Kredite weitergegeben werden könnte. "Sehr diskussionswürdig", befand die österreichische Großbank, die sich in Zentral/Osteuropa als eine der einlagenstärksten Banken Europas betrachtet.

"Extrem verzichtbar" waren für Treichl nach dem Stresstest außerdem die breite Berichterstattung über eine Kapitalschwäche österreichischer Banken und "einige Aussagen der Aufseher dazu". Dass österreichische Politiker nicht für die Banken lobbyiert haben, stört ihn indes nicht. "Das geht die Politik einen Dreck an." Die Reduktion der Bankensteuer wird begrüßt. Das beseitige endlich Wettbewerbsnachteile gegenüber Konkurrenten im Ausland.

Freikauf von der Bankensteuer

Österreichs Banken werden sich jetzt mit einer Abschlagszahlung von einer Milliarde Euro vom größten Teil der Bankensteuer freikaufen können. Das kann auf einmal oder auf vier Jahre verteilt berappt werden. Die Erste Group hat am Freitag die auf sie entfallende Abschlagszahlung mit etwa 200 Mio. Euro beziffert - wenn die Bankensteuerreform im Parlament so durchgeht wie von der Regierung paktiert.

Eine derartige Einmalzahlung hätte bei der Ersten in der Folge ab 2017 eine Reduktion der österreichischen Bankensteuer von rund 130 Millionen auf 20 Mio. Euro pro Jahr zur Folge, berichtete das Institut.

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