Erste Bank-Chef Peter Bosek: "Wir schicken niemanden weg"

Bargeld, Stundungen, Hilfspakete - die Erste Bank hilft beim Multi-Troubleshooting.

Erste Bank-Chef Peter Bosek: "Wir schicken niemanden weg"

Er ist seit zehn Tagen nicht mehr dazu gekommen, sich zu rasieren, und hat von sich selbst "den Eindruck, dass seit der Corona-Krise mein Ohr mit dem iPhone verwachsen ist." Peter Bosek, Privatkundenchef der Erste Group und Boss der Erste Bank Österreich, kämpft seit 13. März an allen erdenklichen Fronten. An diesem Tag sickerten erste Gerüchte über eine drastische Einschränkung des öffentlichen Lebens durch, es gab einen Run auf die Bankomaten. "Am Montag darauf waren die Bargeldbehebungen dann noch einmal erhöht, seitdem ist es ruhig", sagt Bosek.

Inzwischen hat sich der Ansturm auf Stundungs- und Kreditnachfragen verlagert. Liquidität ist das Thema der Stunde, die Erste Group verzeichnet rund 500 bis 600 Anfragen pro Tag. Wenn dennoch da und dort Kritik an langsamen Entscheidungen aufkomme, liege das an den fehlenden Durchführungsbestimmungen: "Ich kann allen versichern, dass wir diese so rasch wie möglich abarbeiten. Zur Zeit arbeiten wir alle 24/7. Wenn es nicht ganz so rasch geht, kann das auch daran liegen, dass bei den Hilfspaketen noch nicht alle Details da sind."

Denn praktisch täglich gilt es, neue Pakete zu konkretisieren und für die eigene Beratungsarbeit zu übersetzen: anfangs die Überbrückungshilfe bei Kurzarbeit, dann das AWS-Paket. Weitere Pakete werden noch im Lauf der Woche fertig geschnürt.


ERSTE GROUP
SITZ: Wien
LÄNDER: 7
MITARBEITER: 47.000
BILANZSUMME: 245 Mrd. Euro

Seine Organisation hat sich schnell auf die neuen Umstände eingestellt. Im Headquarter arbeiten 95 Prozent der Mitarbeiter im Homeoffice. In den Filialen, die mit leicht reduzierten Zeiten geöffnet sind, sind die Mitarbeiter in zwei Teams aufgeteilt - eines im Homeoffice und eines in der Filiale: "So können wir bei Ausfällen switchen." Aktuell gibt es zwei Covid-19-Fälle in der Bank die "aber vorher nicht im Büro waren, weil wir schon sehr früh Homeoffice eingeführt haben."

Schwieriger als die digitale Umstellung wird die mentale: Seit 2008 sind die Banken auf Risikominimierung geeicht worden, die Regulatorik regierte. "Jetzt erleben wir die 180-Grad-Wende, wo wir auf einmal wieder mehr Risiko eingehen sollen", so Bosek: "Das ist nicht ganz leicht zu verstehen für die Mitarbeiter. Aber ich kann versichern: Wir schicken niemanden weg. Und es ist uns bewusst, dass wir rasch reagieren müssen." Eine Finanzkrise sei nicht zu befürchten, aber es gebe eine Lehre aus Lehman: "In der Finanzkrise hat das Land die Banken unterstützt, jetzt müssen wir das Land unterstützen.


Die Geschichte ist der trend-Ausgabe 13/2020 vom 27. März 2020 entnommen.


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