Erste-Bank-Chef Bosek: "Zahl der Wertpapierkunden verdoppeln"

Erste-Bank-Chef Bosek: "Zahl der Wertpapierkunden verdoppeln"

Peter Bosek, Chef der Erste Bank Österreich

Peter Bosek, Chef der Erste Bank, spricht im trend-Interview über die großen Zukunftsthemen für Banken und das Sparen und gibt einen Einblick in die neue Strategie der Erste Bank.

Peter Bosek ist seit einem halben Jahr Vorstandschef der Erste Bank, der Österreich-Tochter der börsennotierten Erste Group (AT0000652011). Im trend-Interview zieht er eine erste Bilanz und gibt einen Einblick in die neue Strategie.

Bosek bekennt sich im trend-Interview klar zum Kapitalmarkt und der Veranlagung etwa in Aktienfonds: "Es ist eine Tatsache, dass man de facto am Aktienmarkt nicht mehr vorbeikommt, wenn man Rendite sehen will. Dabei machen große Einmalerlage wegen der hohen Marktvolatilität wenig Sinn, das heißt, am sinnvollsten sind regelmäßige Investments in Aktienfonds." Am sinnvollsten wären regelmäßige Investments in Aktienfonds. Bosek: "Das müssen ja nicht 100 Euro sein, wir denken in Kategorien von etwa 50 Euro im Monat".

Der Plan sei, den Kunden mit neuen günstigeren Produkten entgegenzukommen. Das Ziel ist, den Anteil von Wertpapierkunden von aktuell 15 Prozent in den nächsten fünf Jahren zu verdoppeln. Bosek will dabei auch an den Gebühren rütteln, die bei geringen laufenden Beitragszahlungen aktuell viel vom möglichen Gewinn auffressen: "Bei Ansparbeträgen von 50 Euro im Monat müssen die aktuellen Gebühren sicher reduziert werden, damit dem Anleger mehr übrigbleibt. Wahrscheinlich wird man da auch stärker auf passiv gemanagte Produkte setzen müssen."



Das Sparbuch lebt

Das Sparbuchsparen will der Bosek nicht abschreiben. Und Leute, die ein Sparbuch eröffnen wollen - was sich für die Bank selbst nicht lohnt - wird die Bank auch in Zukunft nicht abweisen. "Nein, wir schicken niemanden weg. Wichtig ist mir, zu sagen, dass es nicht darum geht, das Sparbuch schlechtzureden. Ich bleibe dabei: Drei Netto-Monatsgehälter sollte man auf der Seite haben für den Fall, dass etwa die Waschmaschine kaputt wird", sagt Bosek. Das Verwahren von Geld werde weiter eine Grundfunktion der Banken bleiben: "Die kann man nicht auf- und abdrehen wie einen Wasserhahn. Da verliert man viel Vertrauen."

Neue Konkurrenz bekommt die Erst von der Österreichischen Post, die im April mit einer eigenen Bank startet. Erste-Chef Bosek geht allerdings davon aus, dass das Produktangebot dort zu Beginn sehr eingeschränkt sein wird. "Die Frage, die sich für mich stellt: Ist es sinnvoll, dass in Österreich eine neue Bank an den Start geht, und ist es sinnvoll, dass das ausgerechnet die Post tut? Ich überlege mir ja auch nicht, Briefe auszutragen."


Zur Person

Peter Bosek, 51, wurde im Juli 2019 zum Chef der Erste Bank Österreich bestellt. Außerdem ist er für das Retail-Geschäft in der gesamten Erste Group zuständig. Der studierte Jurist ist seit mehr als 20 Jahren im Unternehmen in diversen Führungsaufgaben tätig und galt auch als Favorit für die Nachfolge von Andreas Treichl. Der Wiener gilt auch als Erfinder der erfolgreichen Finanzplattform "George". Er ist Vater von zwei erwachsenen Söhnen.


Wifo: Wachstum bis 2024 schwach - Fragezeichen zu Budgetplänen

Wirtschaft

Wifo: Wachstum bis 2024 schwach - Fragezeichen zu Budgetplänen

Forschung & Innovation

Innovationen: Woran Sie scheitern, welche Wege Erfolg versprechen

Geld

Familienunternehmen: Chefsessel bleibt öfter in der Familie

Oliver Attensam

Wirtschaft

Attensam: Vom Schneeschaufler zum Facility-Manager