Der Erneuerer: Verbund-Chef Anzengruber investiert Milliarden

Verbund-CEO Wolfgang Anzengruber

Verbund-CEO Wolfgang Anzengruber investiert zwei Milliarden Euro in den Infrastruktur-Ausbau

Der Verbund verdoppelt seine Investitionen in den Ausbau seiner Anlagen. Erneuerbare und alternative Energien stehen im Fokus, rund ein Drittel des Budgets von zwei Milliarden Euro wird in den Ausbau der Wasserkraft fließen. Eine Milliarde in den Netzausbau.

Der Verbund (ISIN AT0000746409) hat in den Jahren 2016 bis 2018 rund eine Milliarde Euro in den Ausbau seiner Anlagen investiert. In der nächsten Investitionsperiode (2019 bis 2021) wird dieses Volumen auf zwei Milliarden Euro verdoppelt.

In der Wasserkraft nimmt der Verbund Effizienzsteigerungen bestehender Kraftwerke vor, verfolgt aber auch den Bau neuer Anlagen. Insgesamt könne aus der Wasserkraft-Projektpipeline ein Erzeugungsvolumen von zusätzlich 500 Gigawattstunden (GWh) abgeleitet werden, erklärte Verbund-Generaldirektor Wolfgang Anzengruber im Rahmen der Bilanzpräsentation: "Ohne Wasserkraft liegt Österreich bei den Erneuerbaren am Boden", meinte Anzengruber. In Österreich stammen 50 bis 60 Prozent des Stroms aus Wasserkraft

Bis 2021 will der Verbund mehr als 600 Millionen Euro in den Hydro-Bereich investieren, mehr als 900 Millionen Euro in die Netze. "Wir können uns das leisten", sagte Finanzvorstand Peter Kollmann unter Hinweis insbesondere auf den Free Cashflow, der 2018 mit 415 Millionen Euro etwa auf Vorjahresniveau gelegen ist. Diese "transparente Zahl" sei der "Treibstoff", der Investitionen, den Abbau von Schulden und eine Verbesserung der Kapitalstruktur ermögliche. Die Nettoschulden verringerte der Verbund voriges Jahr weiter auf 2,56 (2,84) Milliarden Euro - oder etwa das Dreifache des EBITDA -, 2016 hatten sie noch 3,22 Milliarden Euro betragen. In Sachanlagen wurden voriges Jahr 293 Millionen Euro investiert, nach 231 und 255 Millionen Euro in den beiden Jahren davor.

Ausbau alternativer und erneuerbarer Energien

Bei den "neuen Erneuerbaren" will der Verbund von den Mengen, die bis 2030 in Österreich dazukommen, einen Anteil von 20 bis 25 Prozent stellen. Bei Windkraft verfügt man über 153 Anlagen mit 418 MW Gesamtleistung (davon 44 mit 106 MW in Österreich, 88 mit 226 MW in Rumänien, die restlichen 21 Anlagen mit 86 MW in Deutschland.

"Noch stärker engagieren" will sich der Konzern laut Anzengruber bei PV-Strom für Privatkunden. Aktuell gebe es hier 4.500 Photovoltaik-Anlagen mit rund 340.000 m2 Modulfläche und rund 34 MW (34.000 kWp) installierter Leistung; die Aktivitäten laufen hier über die 50-Prozent-Tochter Solavolta. Auch bei PV-Strom für Businesskunden wolle man "stärker tätig werden", kündigte Anzengruber an, etwa bei Gemeinschaftsanlagen für die Industrie. Die Möglichkeit von PV-Strom aus nicht agrarisch genutzten Freiflächenanlagen sollte - inklusive einer Förderung - im geplanten neuen Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG 2020) einen Niederschlag finden, wünscht sich der Verbund-Chef.

2018 erzeugte der Verbund 29.518 GWh aus erneuerbaren Energien, trockenheitsbedingt etwas weniger als 2017 (30.639 GWh). Der Erzeugungskoeffizient der Laufkraftwerke sank von 0,99 auf 0,94. Die schlechte Wasserführung im zweiten Halbjahr habe zu "massiven Einbußen in der Stromerzeugung" geführt, so Anzengruber. Die Windkrafterzeugung sank auf 834 (952) GWh.

Ausstieg aus der Kohle

Die letzte Kohlenutzung des Verbund - im Fernheizkraftwerk Mellach in der Steiermark (mit 246 MW Leistung) soll mit Ende der Heizsaison 2019/20 beendet werden, sagte Anzengruber. Derzeit wird dort Fernwärme für den Großraum Graz erzeugt.

Das Gas-Kombi-Kraftwerk Mellach mit 838 MW Leistung setzt der Verbund zur Stromnetz-Stabilisierung ein, dafür gibt es auch finanzielle Abgeltungen. Insgesamt verringerte der Verbund die Wärmekraft-Erzeugung 2018 um 28 Prozent oder um 615 auf 1.611 GWh. Dabei produzierte das Gas-Kombi-Kraftwerk durch einen geringeren Einsatz fürs Engpassmanagement mit 915 GWh um 550 GWh weniger Strom (-38 Prozent), das Steinkohlekraftwerk mit 696 GWh um 65 GWh weniger Fernwärme (-14 Prozent).

Mellach wird vom Verbund außerdem zu einem Standort für Zukunftstechnologien entwickelt. Einerseits werden Großbatterien speziell für die E-Mobilität getestet, zudem wird direkt beim Gaskraftwerk ein Hochtemperatur-Elektrolyse-Pilotprojekt mit der TU Graz zur zukunftsträchtigen Wasserstoff-Technologie verfolgt, wie Anzengruber sagte.

Ausbau der Netz-Infrastruktur

Der Netzausbau sei für die Versorgungssicherheit notwendig, betonte der Verbund-Chef. Die Tochter Austrian Power Grid (APG) ist "der" unabhängige Übertragungsnetzbetreiber in Österreich. Auf diesen 3.400 km Leitung wurden voriges Jahr 47.149 GWh Strom transportiert, rund 70 Prozent des heimischen Strombedarfs. Allerdings setzt gerade die vermehrte Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien das Netz starken Belastungen aus. 2018 musste die APG an 277 Tagen stabilisierend eingreifen, nach 301 Tage 2017. Die Redispatch-Mengen seien dabei mit 3,5 (4,6) GWh erheblich gewesen, so Anzengruber. Auch habe für 3.890 (5.678) Stunden der Börse-Intraday-Handel wegen drohender Engpässe gestoppt werden müssen. Es gebe also noch "keine Entwarnung für die Zukunft". Eine 100-prozentige Grünstrom-Versorgung in Österreich werde es ohne Netzausbau nicht geben. Immerhin werde künftig rund die Hälfte der Strommenge vom Sommer in den Winter "geschoben" werden müssen, auch mit Speichern.

Über die kürzlich erfolgte gerichtliche Freigabe für die 380-kV-Salzburgleitung in zweiter Instanz freut sich Anzengruber, doch gebe es noch eine Einspruchsfrist. Man erhoffe aber für Mitte 2019 die endgültige Freigabe. "Falls wir im Sommer den Baubeschluss fassen können, könnten wir Ende 2019 mit der Bauvorbereitung beginnen", sagte Anzengruber. Die Bauzeit werde dann drei Jahre betragen. Der Verbund-Chef erinnerte daran, dass allein das Genehmigungsverfahren 77 Monate gedauert hat.

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