Enttäuschender Gewinn drückt Voestalpine - Eder wehrt sich

Enttäuschender Gewinn drückt Voestalpine - Eder wehrt sich

Der Gewinn (Betriebsergebnis) der Voestalpine bricht um 25 Prozent ein. Ein Ergebnis unter den Erwartungen der Analysten. Die Aktien fällt und rutschen damit ans Ende des Wiener ATX. Doch Voest-Chef Eder wehrt sich.

Auf den Gewinnen der voestalpine lastet vorerst noch eine ganze Reihe von Großinvestitionen. Um Sondereffekte bereinigt sieht das Ergebnis besser aus. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sank der Gewinn (EBITDA) in den ersten drei Quartalen um 12,1 Prozent, bereinigt aber nur um 0,8 Prozent. "Ein Gewinneinbruch sieht anders aus", meinte Konzernchef Wolfgang Eder in einer Telefonkonferenz.
Beim Betriebsergebnis (EBIT), das sich in den ersten drei Quartalen 2016/17 gegenüber der Vorjahresperiode de facto um 25 Prozent auf 545 Mio. Euro verringerte, gehe es "im Wesentlichen um investitionsbedingt höhere Abschreibungen", wie Eder heute, Donnerstag, betonte. Um Sondereffekte bereinigt sank das EBIT um nur 8,5 Prozent. Der bereinigte Gewinn nach Steuern schmolz um fast ein Drittel, bereinigt aber nur um 8 Prozent. "Die voestalpine entwickelt sich stabil und auch mit einem entsprechenden operativen Ergebnis - man kann die Ziffern nur auf bereinigter Basis betrachten", so Eder. "Das operative Ergebnis entwickelt sich weitgehend stabil - wie gesagt, auf bereinigter Basis."

Weniger Investitionen geplant

Für das kommende Geschäftsjahr 2017/18, das am 1. April startet, stellte Eder eine "Reduktion des Investitionsniveaus" auf rund 850 Mio. Euro in Aussicht. 2015/16 war mit 1,3 Mrd. Euro das Jahr der höchsten Investitionen in der Geschichte der voestalpine.

Auch das Gearing (Verhältnis der Nettoschulden zum Eigenkapital), das sich in den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres 2016/17 von 57 auf 61,2 Prozent verschlechterte, soll sich dann wieder "deutlich verringern - in Richtung etwas über 55 Prozent". Der Anstieg der Nettofinanzverschuldung um etwa 300 Mio. Euro auf 3,5 Mrd. Euro per Ende Dezember 2016 gegenüber dem Stichtag des Jahrs davor sei "zur Gänze auf die stark gestiegenen Rohstoffkosten zurückzuführen", erklärte Eder.

Hohe Abschreibungen nötig

Ein Streifzug durch die aktuellen Investment-Highlights verdeutlicht die Notwendigkeit hoher Abschreibungen: "Wir haben im Oktober die Direktreduktionsanlage in Texas eröffnet - wir haben vom Start bis heute eine durchschnittliche Auslastung von rund 70 Prozent gesehen, fahren derzeit mit Vollauslastung und gehen davon aus, dass wir am Ende des vierten Quartals 2016/17 in den Normalbetrieb übergehen", berichtete der Konzernchef.

Die Hightech-Produktion des Stahlkochers

Im deutschen Schwäbisch Gmünd eröffnete der Konzern vergangenen Sommer die weltweit erste Anlage für "phs-directform", mit der Karosserieteile aus verzinktem Stahlband in einem Prozessschritt gefertigt werden können. In Linz wurde per September die Produktion von lasergeschweißten Platinen für den Automobilbau massiv ausgebaut - Standorte für den 3-D-Platinendruck betreibt die Voest bereits in Düsseldorf, Singapur und Taiwan - ein weiterer im NAFTA-Raum - voraussichtlich in Kanada, wie Eder heute sagte, - werde heuer folgen.

Darüber hinaus sei die Voest mit einer "in-house" entwickelten Anlage zur Herstellung von Grobblechen, einer Eigenentwicklung, in Betrieb gegangen. Die aktuell in Bau befindliche Stranggießanlage 8 am Standort Linz werde voraussichtlich "im Herbst des Jahres" anlaufen. Ein vollautomatisiertes Drahtwalzwerk in Leoben/Donawitz werde das alte "in den nächsten drei Monaten ablösen", kündigte der voestalpine-Chef weiters an. Die Errichtung eines völlig neuen Edelstahlwerks im steirischen Kapfenberg um 250 bis 300 Mio. Euro wird derzeit noch geprüft - eine Entscheidung wird in der zweiten Jahreshälfte erwartet. Das bestehende Werk, in dem rund 3.000 Mitarbeiter beschäftigt sind, würde dadurch ersetzt. Fix ist dort vorerst ein 40-Millionen-Euro-Investment in eine vollautomatisierte Schmiedeanlage bei Böhler Edelstahl.

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