Enorme Arbeitslosigkeit in der Tourismus-Branche

Im Tourismus steht seit November alles still. Viele Mitarbeiter kehren der Branche im Lockdown Rücken zu und suchen eine andere Arbeit. Derzeit sind rund 72.000 Tourismus-Mitarbeiter auf Jobsuche.

Arbeitsminister Martin Kocher und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger

Arbeitsminister Martin Kocher und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger berichten über die Lage in der Tourismusbranche.

Seit über elf Wochen steht in der heimischen Gastronomie und Hotellerie alles still und der der aktuelle Lockdown gilt für die Hotels und Gastro-Betriebe aus derzeitiger Sicht wahrscheinlich noch bis Ende Februar. Bei den ersten Lockerungsschritten ab 8. Februar sind sie jedenfalls nicht dabei. Die triste Lage wirkt sich auch auf den Jobmarkt aus: In der Branche sind aktuell rund 72.000 Menschen auf Arbeitssuche - das sind um rund 50 Prozent mehr als vor einem Jahr, wie die aktuellen Daten des Arbeitsministeriums zeigen.

"Der touristische Arbeitsmarkt ist zur Zeit extrem schwierig", betonte auch Tourismusministerin Elisabeth Köstinger. Das gilt für den Beherbergungsbereich ebenso wie für die Gastronomie und das Veranstaltungswesen. "Rund ein Drittel der krisenbedingt Arbeitssuchenden ist auf den Tourismus zurückzuführen", streicht Arbeitsminister Martin Kocher hervor. Die über 70.000 Arbeitslosen im Tourismus entsprächen eine Anteil von etwa 16 Prozent an der gesamten Arbeitslosigkeit in Österreich. "Wir haben im Tourismus eine große Herausforderung", so Kocher.

Kurzarbeit sichert 130.000 Tourismus-Jobs

Etwa 70 Prozent der unselbstständig Beschäftigten im Tourismus seien derzeit in Kurzarbeit. Das ist den Angaben zufolge rund ein Viertel aller Kurzarbeitenden in Österreich. D

"Der Zugang 'Kurzarbeit statt Kündigungen' hat sich bewährt", betont Köstinger. Allein im Bereich Beherbergung und Gastronomie hat das Instrument der Kurzarbeit laut Arbeitsministerium 129.000 Arbeitsplätze gerettet. Die Möglichkeit, die Arbeitszeit auf null Prozent zu reduzieren gilt vorerst bis Ende März. "Das bietet den Betrieben die Sicherheit, die Mitarbeiter halten zu können", so die Tourismusministerin. Eine Verlängerung steht bereits im Raum: "Heute finden auch Gespräche mit Sozialpartnern statt, um über Nachfolgemodelle zu verhandeln", berichtete die Ministerin.

Doch es geht nicht nur um das Erhalten von Arbeitsplätzen, sondern auch um das Zurückgewinnen von Arbeitnehmern für die Zeit nach der Krise - Stichwort Fachkräftemangel zum Beispiel bei Servicekräften, Köchinnen und Köchen. "Sehr viele haben die Branche in den vergangenen Monaten verlassen", räumte Köstinger ein. Man müsse Instrumente ausarbeiten und Anreize anbieten, dass die Arbeitskräfte wieder in den Tourismus zurückkommen. Handlungsbedarf sieht die Tourismusministerin auch bei der Lehrlingsausbildung. Im vergangenen Jahr seien im Tourismus rund ein Fünftel weniger Lehrlinge eingestellt worden.

Arbeitslosigkeit steigt weiter

Aktuell sind in Österreich 440.384 Personen in Kurzarbeit, um 25.611 mehr als in der Vorwoche. Gleichzeitig sind auch über eine halbe Millionen Menschen (533.512) beim Arbeitsmarktservice (AMS) als arbeitslos gemeldet. 65.493 davon machen Schulungen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das ein Plus von 112.596

Die aktuellen Arbeitslosenzahlen seien niedriger als am Höhepunkt im April 2020, aber noch immer "historisch hoch", merkt Kocher an. Er rechnet "in den nächsten Wochen mit einer Stagnation, vielleicht einer leichten Erhöhung". Die Verringerung der Arbeitslosigkeit sei nur möglich, wenn es die ersten Öffnungsschritte gebe.

Bisher wurden rund 5,7 Milliarden. Euro für die Corona-Kurzarbeit vom AMS ausbezahlt. Für die Phase 3, die noch bis Ende März läuft, wurden 4,3 Milliarden Euro bewilligt.

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