Energielabel: Das verwirrende Aus für A+++

EU-weit tritt eine neue Kennzeichnung für Elektrogeräte in Kraft. Die neue Kennzeichnung für Waschmaschinen, Fernseher & Co lässt viele Geräte ohne ersichtlichen Grund eine oder mehrere Effizienzklassen absacken. Der Handel befürchtet ein Beratungschaos.

Energielabel: Das verwirrende Aus für A+++

Die Kennzeichnung des Energieverbrauchs von Elektrogeräten wird geändert - und sorgt für Verwirrung.

Dass Farbampeln außerhalb des Straßenverkehrs nicht unbedingt zur Aufklärung beitragen müssen, gilt derzeit nicht nur für den Gesundheitsbereich. Auch im Elektrohandel könnte sich in den kommenden Monaten die Verwirrung erhöhen. Denn in Umsetzung einer EU-Richtlinie beginnt in diesen Tagen die Neuauszeichnung des Energieverbrauchs von Elektrogeräten. Das altbekannte Ampel-Label mit seinen, ob seiner fehlenden Aussagekraft oft kritisierten sieben Abstufungen zwischen D und A-Triple-Plus (A+++), wird durch eines ersetzt, dass zu den einfachen Buchstaben G bis A zurückkehrt. Sozusagen ein Reset.

Das war es aber auch schon mit der Klarheit. Zwar freuen sich Konsumentenschützer wie Christian Kornherr, Leiter der Testabteilung beim VKI über die Umstellung: „Die Übergangsphase ist natürlich ein Thema, aber grundsätzlich haben wir lange dafür gekämpft, dass wir eine eindeutige Skala bekommen“. Im Hintergrund allerdings wurden so viele Bedingungen mitgeändert, dass die Interpretation der neuen Ampel einiges an Tüftelei verlangt. Wolfgang Krejcik, Sprecher des Elektrohandels in der Wirtschaftskammer: „Viele Hersteller haben es bisher verabsäumt, die Kunden über die Änderung zu informieren. Die Beratung in den Geschäften bleibt an uns hängen. Das wird noch ein Drama.“

Neue A-Klasse noch nicht existent

Notwendig wird die Beratung vor allem deswegen sein, weil es bald keine Geräte mehr in der A-Klasse geben wird. Auch Modelle, die bisher als A+++ gekennzeichnet waren, werden dann bestenfalls der Kategorie B zugeordnet. B und C werden nämlich vorläufig die besten Kategorien. Die neue, ebenfalls siebenstufige Farbskala ist so gewichtet, dass die besten Geräte ihrer Klasse derzeit eigentlich nur in der Kategorie B landen können. Die neue A-Klasse soll Geräten vorbehalten sein, die so effizient noch gar nicht entwickelt sind.

Das klingt gewöhnungsbedürftig, wenn bisher A+, A++ und A+++ an den ersten Stellen stehen. Das Kalkül der EU: Wenn die Hersteller dann so weit sind, müsse die Farbskala nicht erneut angepasst werden.

Freilich, zum Leidwesen kritischer Konsumenten, die den Energieverbrauch ihres Gerätes als Entscheidungsgrundlage genommen haben, erschwert das die Vergleichbarkeit. Es kann leicht sein, dass bisherige A+++-Geräte plötzlich in der Kategorie C landen, nur weil sich die Farbskala geändert hat, nicht, weil das Gerät schlechter wurde.

Nutzzyklen statt Jahresverbrauch.

Weiter erschwert wird die Vergleichbarkeit, weil auch die zentrale Maßzahl, der Verbrauch an Kilowattstunden (kWh) ihre Bezugsgröße ändert. Bisher galt der durchschnittliche Jahresverbrauch als Messlatte. Die Aussagekraft dieser Einstufung beschränkt sich damit allerdings auf den Vergleich verschiedener Geräte untereinander. Als tatsächliche Verbrauchsprognose ist sie ungeeignet. Denn der Verbrauch hängt zu sehr vom Nutzungsverhalten während des Jahres ab.

Daher hat die EU echte Nutzungszyklen als neue Bezugsgröße für den Stromverbrauch festgelegt. Die Verbrauchsangabe für TV-Geräte etwa bezieht sich daher nun auf exakt 1.000 Stunden Nutzung. Bei Waschmaschinen, Geschirrspülern & Co sind die Bezugsgrößen 100 Waschzyklen. So lassen sich nicht nur Geräte untereinander vergleichen, sondern auch ein realistischer Verbrauchswert für die Konsumenten abschätzen.

Energielabel alt und neu

Die wichtigsten neuen Merkmale:

  1. Ein QR-Code führt direkt zu den Gerätedaten.
  2. Eigentlich sollten B und C anfangs die besten Effizienzlevel sein. Auch für Geräte, die zuvor ein A+++ hatten. Die Kategorie A sollte zukünftigen Technologien vorbehalten sein.
  3. Der Stromverbrauch bezieht sich auf eine geringere Nutzungsdauer, als bisher. Das senkt den Wert aber nur rechnerisch.
  4. Der Stromverbrauch wird an optimierten Nutzroutinen gemessen, was in Zusammenhang mit Sparprogrammen ebenfalls zur niedrigeren Verbrauchswerten führt

Der Nachteil: Es kann durchaus vorkommen, dass der aufgedruckte kWh-Wert plötzlich niedriger ist, als am alten Label. Nicht, weil das Gerät besser wurde, sondern weil sich der Stromverbrauch nun nicht an einem ganzen Jahr ausrichtet sondern auf den neuen niedrigeren Stundenwert.

Testmethoden geändert.

Erschwerend kommt dazu, dass für die Einstufung in das neue Energielabel auch die Testmethoden verändert wurden – eher zugunsten der Hersteller. Sie drücken den Verbrauchswert, ohne dass sich am Gerät selbst etwas geändert hätte. Auch das macht den Vergleich zwischen neuem und altem Label beinahe unmöglich.

Beispiel Waschmaschine: Neuerdings dürfen auch nur halb- oder gar nur viertelgeladene Wäschetrommeln für den Energieverbrauch gezählt werden. Das spiegelt zwar das tatsächliche Waschverhalten durchaus wieder, ergibt aber in Verbindung mit speziellen Energiesparprogrammen einen deutlich geringeren Stromverbrauch – freilich nur rechnerisch. Zu Marketingzwecken lässt sich ein niedrigerer Wert jedenfalls gut ausschlachten. Und manche Hersteller nutzten das soweit aus, dass sie sich schon jetzt in die begehrte, aber eigentlich erst für Folgejahre vorgesehene A-Stufe "hineintesten". Ein Hauch von Dieselskandal liegt in der Luft.

Doppelauszeichnung.

Die größte Verwirrung allerdings dürfte die jetzt laufende Übergangsphase auslösen. In dieser sind Doppelauszeichnungen erlaubt. Bis zum März 2021 dürfen die Hersteller noch das alte Label auf den Geräten anbringen, das neue aber schon in die Verpackung beilegen. Und umgekehrt.

Leicht denkbar, dass es einige Zeit dauert, bis die Konsumenten die neue Farbampel auch wirklich erkennen und interpretieren können.

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