Das Ende der ÖVAG: 888 Millionen Euro Verlust

Das Ende der ÖVAG: 888 Millionen Euro Verlust

Notausgang Bad Bank: Und noch ein kapitaler Verlust. Eine Frage bleibt offen: Muss der Steuerzahler nochmals nachschießen?

Im letzten Einzelabschluss der Österreichischen Volksbanken AG wird abermals ein satter Verlust verbucht. Die Staatshilfen - also Geld der Steuerzahler - in der Höhe von 1,3 Milliarden Euro sind weg. Die Krisenbank will weitere Kapitalschnitte setzen, um als Bad Bank Immigon ab 4. Juli neu durchzustarten. Wie der Kapitalschnitt finanziert werden soll, ist indes noch unklar.

Wien. Ihr letztes Bilanzjahr in der bisherigen Form hat die teilstaatliche Volksbanken AG (ÖVAG) mit einem Jahresverlust von 887,9 Mio. Euro beendet. Im Jahr davor waren im Einzelabschluss 223 Millionen Euro Verlust gestanden. Wegen der bevorstehenden Abwicklung mussten drastische Abwertungen vorgenommen werden.

Zählt man noch einen Verlustvortrag aus Vorjahren dazu, summiert sich der Bilanzverlust der ÖVAG im Einzelabschluss 2014 auf 1,29 Mrd. Euro. Das geht aus dem Jahresbericht hervor, der am Freitag auf der Internetseite der Bank veröffentlicht wurde.

Im Konzernabschluss bleib der Verlust unter der Marke von einer halben Milliarde, bei 499,6 Mio. Euro.

Die ÖVAG musst mit Steuergeldern in der Höhe von 1,3 Milliarden gerettet werden. 43 Prozent der Anteil der ÖVAG sind in Händen des Bundes, den Rest halten regionale Volksbanken. Die alte ÖVAG ist ab Sommer eine Bad Bank. Sie heißt "Immigon Portfolioabbau AG". Wie der Kapitalschnitt erfolgen soll, es müsste nochmals Geld nachgeschossen werden, steht derzeit in den Sternen.

Im Vorfeld der ÖVAG-Abwicklung muss der Staat - also der Steuerzahler - wieder Geld in den Wind schreiben. Zur Verlustabdeckung ist eine Kapitalherabsetzung vorgesehen. Die wird nach ÖVAG-Angaben in einer Hauptversammlung am 28. Mai beschlossen und 96,65 Prozent des Kapitals (Aktien, Partizipationskapital) betreffen. Damit soll der aufgelaufene Verlust beseitigt werden.

Von dem Kapitalschnitt sind nicht nur die mehrheitlich beteiligten regionalen Volksbanken betroffen. Auch das Geld des Bundes wird "geschnitten". Der Bund ist in der ÖVAG mit 250 Millionen Aktienkapital investiert, und zwar seit der Teilverstaatlichung 2012. Damals gab es auch bereits einen ersten Kapitalschnitt, mit dem 700 Mio. Euro an staatlichem PS-Kapital verlorengegangen sind. Der nach dem ersten Kapitalschnitt von 2012 verbliebene Rest an staatlichem Partizipationskapital (300 Mio. Euro) ist von dem Kapitalschnitt jetzt im Mai 2015 betroffen.

Die Foderungen des Finanzministers

Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) hat zuletzt mehrfach deponiert, dass er jedenfalls die aushaftenden 300 Millionen von der ÖVAG bzw. vom Volksbankensektor zurück haben will. Wie am Freitag gegenüber der APA verlautete, ist - ungeachtet des jetzigen Kapitalschnitts - die Art der Rückführung einer solchen Summe noch Gegenstand von Verhandlungen. Es wird dazu eine Sondervereinbarung erwartet. Dem Haircut unterworfen ist das Partizipationskapital jedenfalls.

Der Abbau der Krisenbank ÖVAG (Volksbanken AG) ist eingeleitet, am 28. Mai wird mit einem Kapitalschnitt der Verlust aus den Büchern geräumt. Am 4. Juli geht die ÖVAG als Bank vom Markt, legt die Lizenz ab und wird zur Bad Bank "Immigon". Der Zentralinstitutsteil wandert in die Volksbank Wien-Baden. An der müssen die anderen Volksbanken nun Kapitalanteile zeichnen.

Der Abbau von Arbeitsplätzen

Für die betroffenen Mitarbeiter der ÖVAG - im Einzelinstitut arbeiten rund 600 - hieß es in den letzten Monaten bangen. Jetzt steht fest, dass in der Abbaubank 75 Leute bleiben werden. 355 bisherige ÖVAG-Leute wandern zur Volksbank Wien-Baden.

Rund 180 Mitarbeiter fallen dem ÖVAG-Abbau zum Opfer, da gibt es Kündigungen. Konzernweit hat die ÖVAG die Mitarbeiterzahl 2014 schon drastisch abgebaut: Ihre Zahl sank von 1.853 auf 1.317. Hier schlugen auch Verkäufe zu Buche.

Der Plan der Bad Bank Immigon

Sofern die Aufsichts- und Kartellbehörden der Restrukturierung (Abspaltungen, Fusionen und Umgründungen) zustimmen, wird eine Spaltungsbilanz erstellt. Die Aufteilung der jetzigen ÖVAG dürfte sich so darstellen:

Die Abbaugesellschaft Immigon wird nach Institutsangaben mit 75 Beschäftigten betrieben werden und rund 7,1 Mrd. Euro Bilanzsumme haben. Die Assets und Beteiligungen müssen sehr rasch abgebaut bzw. veräußert werden. Unter den zu verkaufenden Beteiligungen sind das Leasing, der RZB-Anteil, die Factoring- und Kapitalanlage-Gesellschaften.

Die Aktiva der Bank Bank sind: Non Core Kreditportfolio: 0,83 Mrd. Euro; Kreditforderungen an Töchter: 0,88 Mrd. Euro; Beteiligungen: 0,50 Mrd. Euro; Bankbuch: 1,31 Mrd. Euro; Forderungen Banken: 1,82 Mrd. Euro; Sonstige Aktiva: 1,76 Mrd. Die Passiva sind Emissionen: 2,73 Mrd. Euro; Schuldscheindarlehen: 1,19 Mrd. Euro; Nachrangkapital: 0,58 Mrd. Euro; Bankverbindlichkeiten: 0,96 Mrd. Euro; Eigenkapital: 30 Millionen Euro; Sonstige Passiva: 1,61 Mrd.

Was von der ÖVAG künftig unter einer anderen Bank (der Volksbank Wien-Baden) fortgeführt wird, macht rund 8,7 Mrd. Euro aus. Im wesentlichen sind dies die Spitzeninstituts-Bankdienste.

Die an die Volksbank Wien-Baden übertragenen Aktiva umfassen: Forderungen an Volksbanken: 2,54 Mrd. Euro; Konsortialgeschäft: 1,43 Mrd. Euro; Bankbuch: 2,35 Mrd. Euro; Barreserve: 1,35 Mrd. Euro; Kleine Beteiligungen (z.B.: start:gruppe/Immobank, Bausparkasse): 14 Millionen. Euro, Sonstige Aktiva: 0,97 Mrd. Euro. Die Passiva umfassen Covered Bonds: 1,50 Mrd. Euro, Verbindlichkeiten Volksbanken: 4,27 Mrd. Euro; Kundeneinlagen: 1,03 Mrd. Euro und Sonstige Passiva 1,86 Mrd. Euro

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