Elefantenhochzeit: Fiat und PSA einigen sich auf Fusion

Fiat Chrysler Automobiles (FCA) und Peugeot und Citroen (PSA) haben sich auf einen Zusammenschluss geeinigt. Die Fusion soll ohne Werksschließungen vollzogen werden.

Elefantenhochzeit: Fiat und PSA einigen sich auf Fusion

Der französische Autokonzern PSA zu der die Marken Peugeot, Citroen, DS und Opel gehören und die Fiat Chrysler-Gruppe (FCA) haben sich zur Fusion und damit zur Schaffung eines gemeinsamen Automobil-Konzerns geeinigt. Der Aufsichtsrat von PSA und der Verwaltungsrat von Fiat Chrysler stimmten einer Fusion unter Gleichen zu, wie es in der gemeinsamen Erklärung heißt.

Durch den Zusammenschluss entsteht der nach verkauften Fahrzeugen gerechnet viertgrößte Autohersteller der Welt, hinter dem Volkswagen-Konzern, Renault/Nissan/Mitsubishi und Toyota und noch vor dem US-Riesen General Motors (siehe Grafik). Die IG Metall will sich für die "Eigenständigkeit" von Opel einsetzen. Werksschließungen sind laut PSA und Fiat Chrysler nicht geplant.

In der gemeinsamen Erklärung ist von jährlichen "Synergien" von 3,7 Milliarden Euro die Rede. Diese sollten vor allem durch verbesserte Investitionen und Produktionsprozesse erzielt werden und "nicht durch Werksschließungen", betonten die Konzerne.

PSA-Chef Carlos Tavares soll das fusionierte Unternehmen leiten. Der Verwaltungsratschef von Fiat Chrysler (FCA), John Elkann, soll dem Aufsichtsgremium auch in dem neuen Konzern vorstehen. Offenbar aus steuerlichen Gründen soll die fusionierte Gruppe ihren Sitz in den Niederlanden haben.

Börse: PSA stürzt ab, FCA zieht an

Die Unternehmen haben gemeinsam einen Börsenwert von rund 50 Milliarden Dollar, doch an den Börsen waren die Reaktionen auf den Zusammenschluss sehr unterschiedlich. Die Papiere von PSA (ISIN FR0000121501) gaben als Folge der Fusionsverhandlungen deutlich nach (am Morgen nach Bekanntwerden der Gespräche um -8,7%).

PSA-Aktie; ISIN FR0000121501; für aktuelle Kursinformationen auf den Chart klicken.

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Die Aktien des italienisch-amerikanischen Herstellers Fiat Chrysler Automobiles (ISIN NL0010877643) zogen dagegen gleichzeitig um knapp zehn Prozent an. Da war aber noch nicht bekannt, dass FCA im letzten Quartal (Q3 2019) in die roten Zahlen gerutscht ist. Über den Sommer 2019 hat der Konzern einen Verlust von 179 Millionen Euro eingefahren - während im Vorjahreszeitraum noch ein Gewinn von 564 Millionen Euro zu Buche stand.

FCA-Aktie; ISIN NL0010877643; für aktuelle Kursinformationen auf den Chart klicken.

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In der kriselnden Europa-Sparte fielen Abschreibungen auf das Modellangebot bei Kleinwagen und bei Alfa Romeo ins Gewicht. Zudem fielen in Europa, beim Luxusautobauer Maserati und in Asien operative Verluste an. Das starke Nordamerika-Geschäft konnte das nicht wettmachen.

Lange Partnersuche

Die Italiener hatten seit Jahren einen Partner gesucht und bereits viele Versuche in diese Richtung gestartet. Zuletzt waren sie im Mai mit einem Vorschlag an Renault herangetreten, um kurz darauf aber wieder davon abzusehen. Der Marke Fiat geht es schon seit Jahren schlecht. Das Hauptwerk Mirafiori in Turin musste bereits tausende Beschäftigte entlassen. „Bei Fiat lebt man mehr oder weniger von dem, in die Jahre gekommenen Fiat 500," sagt Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer.

"Die Fusion von Fiat Chrysler und PSA dürfte weit weniger Probleme bereiten, als ein Zusammenschluss mit dem Renault-Konzern, der zunächst einmal seine Liaison mit Nissan in den Griff bekommen muss", so Autoaktien-Spezialist Frank Schwope von der Nord/Landesbank.

Der deutsche Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer warnt jedoch nach dem Zusammenschluss vor negativen Folgen für Opel. "Beide Seiten wollen die Fusion, für beide hat sie Vorteile. Aber Opel zieht den schwarzen Peter", sagt er (siehe "Die Sache mit Opel").


5 Punkte, die für die Fusion sprechen

  1. Gemeinsame Stärke. Sowohl FCA als auch PSA hinken bei Zukunftstechnologien wie der Elektromobilität und dem Autonomen Fahren weit hinter der Konkurrenz her und müssen Kompetenzen aufbauen und bündeln.

  2. E-Mobilität. Bei Fiat ist auch die Modellpalette recht schmal geworden. Wenn die FCA Gruppe beim Elektroauto aufschließen will. (Siehe Artikel: So starten Fiat und Maserati in die Elektrozukunft), braucht sie viel Geld.

  3. Damoklesschwert Emissionen. In Europa sind die Konzerne unter besonderem Zugzwang. Das Geschäft ist wegen der laufend verschärften Emissionsanforderungen immer schwieriger geworden. So drohen Autobauern Strafen, wenn die CO2 -Emissionen weiter gesenkt werden und die Grenzen von den Herstellern nicht eingehalten werden können.

  4. FCA verdient das meiste Geld in den US-Markt - mit veralteten Modellen. Geld wird derzeit beim Fiat Chrylser Konzern vor allem in den USA verdient. Dort kommen die Modelle der FCA-Marken Jeep, RAM und Dodge gut an. Die Zukunft für europäische Autohersteller ist allerdings aufgrund von drohenden Zöllen für europäische Hersteller und auch Teilzulieferer schwer vorherzusagen. PSA kann von der Stärke der Italiener am US-Markt profitieren. Ein fusionierter Konzern hat eine starke Marktpräsenz in vielen Regionen und Fahrzeugsegmenten.

  5. FCA und PSA: Einer der ganz Großen. Größe wird für Autohersteller angesichts der großen Herausforderungen und der damit zu stemmenden Investitionen immer wichtiger. Bisher spielten beide Hersteller nur im Mittelfeld und die fehlende Größe zwang FCA und PSA schon bisher zur Zusammenarbeit.


Die Sache mit Opel

Der weinende Dritte?

PSA-Chef Carlos Tavares, der künftige Chef des FCA/PSA-Konzernsm ist ein cleverer Zahlenmensch und guter Sanierer. Er hat Opel, das unter der Führung von General Motors zwanzig Jahre lang Verluste geschrieben hatte, nach der Übernahme bereits 2018 in die schwarzen Zahlen geführt. Was Tavares drauf hat, zeigt auch die Bilanz des Vorjahres. Der Umsatz der PSA-Gruppe stieg - auch dank Opel - um 19 Prozent auf 74 Milliarden Euro. Der Nettogewinn stieg um 40 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Damit lag die Gewinnmarge lag bei 7,7 Prozent. Tavares' Strategie: Der Konzern soll in den nächsten Jahren außerhalb Europas deutlich mehr Autos verkaufen. Opel soll in Russland verkauft werden, Peugeot in Nordamerika und Citroën in Indien.

Tavares wird - ähnlich wie schon bei Opel - nicht davor zurückschrecken, bei Fiat hart durchzugreifen und den italienischen Konzern von oben bis unten zu sanieren. Das Betätigungsfeld für Tavares wäre bestimmt breit gefächert. Skaleneffekte beim Einkauf sind absehbar, vor allem wenn künftig Fiat-Autos auf Plattformen des PSA-Konzerns produziert werden. "Er ist sich nicht zu fein, die Brechstange auszupacken", sagte Autoexperte Stefan Bratzel vom deutschen CAM-Institut.

Opel, eine "Überkapazität"?

Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer fürchtet, dass nach dem Zusammenschluss von Fiat Chrysler und PSA "einiges an Überkapazitäten" abgebaut wird, und dass dabei Opel zum Handkuss kommen könnte. Ob beispielsweise das Opel-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim weiter betrieben wird, hält er für fraglich. Zum derzeitigen Sanierungsplan bei Opel gehört unter anderem ein Abbau von 2.000 der 6.400 Stellen im Entwicklungszentrum, der französische Ingenieursdienstleister Segula übernahm bereits Teile der Entwicklungsarbeit in Rüsselsheim.

Die weiteren Entscheidungen rund um Opel könnten auch Auswirkungen auf Österreich haben. Opel betreibt in Wien-Aspern eine Getriebe- und Motoren-Fabrik. Im Frühjahr wurde dort bereits ein Jobabbau angekündigt: Rund 400 der insgesamt knapp 1.200 Stellen wurden gestrichen.

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Agatha Kalandra ist seit 2016 Partnerin und Leiterin des Management-Consulting-Teams von PwC Österreich und Member of the Management Board. Sie verfügt über einen MBA in Controlling und Finance und mehr als 25 Jahre Berufserfahrung. Ihr Fokus liegt auf Finance-Transformation, HR-Transformation und Sustainability.

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