Einkaufen in den 20er-Jahren: 5 Trends, die den Handel aufmischen

Einkaufen in den 20er-Jahren: 5 Trends, die den Handel aufmischen

Shopping-Erlebnis war schon gestern, heute und morgen muss dem Kunden noch etwas mehr geboten werden, damit er in den Laden zurück kommt.

Der Einzelhandel ist gefordert: Bis zum Jahr 2025 wird es in der Einkaufslandschaft in Europa kräftige Umbrüche geben. Fünf Trends hat der Shopping-Center-Betreiber Unibail-Rodamco-Westfield (URW) im Rahmen einer Umfrage identifiziert. 15.700 Konsumenten in zehn Staaten Europas wurden befragt.

Der Einzelhandel ist wie keine andere Branche von derart massiven Veränderungen betroffen, die durch die Digitalisierung in Gang gebracht wurde. Und die großen Veränderungen Die Konsumenten wandern scharenweise ins Internet ab, erkundigen sich über Produkte und Preise via Internet und bestellen letztendlich immer mehr via PC oder Smartphone und lassen sich die Ware nach Hause liefern.

Kaum Wunder, dass der Handel auf der Suche nach neuen Verkaufsstrategien ist, um die Kunden auch weiterhin in die Geschäfte zu locken. Shopping Center-Betreiber Unibail-Rodamco-Westfield (URW) hat nun erhoben, wie der Kunde der 20er-Jahre künftig einkaufen wird. Und wie der Handel den Ansprüchen gerecht wird. Demnach hat der Handel nur noch fünf Jahre Zeit, sich auf die ändernden Kundenverhalten einzustellen. Fünf große Trends hat Unibail-Rodamco-Westfield in seinem Report "Westfield How We Shop: The Next Decade" identifiziert. Das Jahr 2025 wird demnach das Schlüsseljahr, für einige Händler eventuell zum Schicksalsjahr.

Der Händler wird zum Tausendsassa

Myf Ryan, Marketing-Vorstand von Unibail-Rodamco-Westfield (URW), sieht daher auch einen zum Teil radikalen Wandel im Einzelhandel. "Einzelhändler müssen sich im kommenden Jahrzehnt neu erfinden, um relevant zu bleiben." So müssen Einzelhändler, die etwa führend im Bereich von Nachhaltigkeit sind, mehr Raum für Erlebnisse schaffen. Sie werden zudem wieder mehr zu dem Experten, der den Bedarf des Kunden genau erkennt und nicht aufgrund von Vermutungen seine Ratschläge gibt. Die Stores werden sich dabei auch in ihrem aussehen gravierend verändern.

Hoch gesteckt werden die Anforderungen an die Shops, Betreiber, Eigentümer der Läden und ihre Mitarbeiter. Die Händler müssen den Spagat zwischen der Online- und Offline-Welt mehr denn je schaffen. "Händler müssen ein breites Produktspektrum online wie offline anbieten, präzise Produktempfehlungen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse liefern und lokal denken und agieren, werden davon profitieren“, so URW-Marketingvorstand Ryan.

Ausgehend aus den Interviews mit 15.700 Konsumenten aus zehn Ländern Europas hat Unibail-Rodamco-Westfield (URW) 5 Kerntrends herausgearbeitet.


1. Die Erlebnis-Welt [Upside-Down Retail]


Die 20-Jahre werden das Verkaufserlebnis auf neue Ebene bringen. Laut URW-Studie wird das gesamte Geschäftsmodell des Einzelhandels sowie die Einkaufsgewohnheiten der Menschen auf den Kopf gestellt. Mitte des Jahrzehnts kommt dann endgültig eine Trendwende im Handel: mehr als die Hälfte der Retailflächen sind nicht länger Produkten, sondern Erlebnissen gewidmet.

Diese These wird zumindest von der Umfrage gestützt. 53 Prozent der befragten Konsumenten in Österreich sind davon überzeugt. Schon jetzt seien demnach die Österreicher der Meinung, dass mehr als ein Drittel der Fläche für das Angebot von Erlebnissen (Experience Economy) vorgesehen sein sollte.

Vor allem kreative, gesundheitsorientierte und sportliche Erlebnissen würden demnach hoch im Kurs stehen.

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2. Das selbstbestimmte Shopping [Anti-Prescription]


Die Sehnsucht nach Impulskäufen, nach stöbern und schmökern im gesamten Sortiment scheint noch immer sehr groß zu sein. Ergo: Der stationäre Laden hat weiterhin Zukunft. Einschränkungen werden von Konsumenten abgelehnt, was vor allem enttäuschten Konsumenten genannt haben. Und auch die Algorithmen, die Online-Empfehlungen vorgeben, werden von der Mehrzahl der Konsumenten nicht goutiert.

Mehr als 60 Prozent der Befragten sind enttäuscht von ungenauen, durch Algorithmen vorgegebenen Online-Empfehlungen. Das ist mehr als im europäischen Durchschnitt (56 Prozent). Fast die Hälfte zieht es vor das gesamte Sortiment zu durchstöbern als lediglich vorausgewählte Kollektionen. Die überwältigende Mehrheit (87 Prozent) der österreichischen Käufer schätzt und genießt die Atmosphäre des stationären Einkaufens.

Lediglich die Niederlande hat von den zehn untersuchten Ländern mit 89 Prozent einen noch höheren Wert. Rund drei Viertel (74 Prozent) der Österreicher haben Spaß am Bummeln und Schmökern – ein weiterer Spitzenwert im europäischen Vergleich. Wenn sie in physischen Geschäften einkaufen, tätigen mehr als drei Viertel (76 Prozent) Impulskäufe.

Aber Bummeln und Schmökern im Geschäft reicht dem Konsumenten nicht. Gleichzeitig wünschen sich die österreichischen Konsumenten stationäre Läden ihrer liebsten Onlinemarken wie Youtube, Google, Otto und anderen.

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3. Der Nachhaltigkeits-Experte [Self-Sustaining Stores]


Einzelhändler stehen große Herausforderungen bevor. Sie werden ihr Geschäftsmodell von Grund auf neu erfinden müssen. Das Thema Nachhaltigkeit spielt in Österreich eine große Rolle und Österreich ist einer jener Märkte, die diesen Trend in naher Zukunft am ehesten annehmen werden. Ergo: Der Handel muss verstärkt nachhaltige Angebote und Lösungen anbieten. Denn vier von fünf Österreichern (81 Prozent) fordern, dass der Einzelhandel zukünftig weitgehend autark agiert. Was auch bedeutet: die angebotenen Produkte sollten direkt vor Ort oder in der unmittelbaren Nähe produziert werden. Ebenso viele sind der Meinung, dass die Geschäfte mehr für die Umwelt tun sollten.

Auffallend stark wächst der Druck der Österreicher (71 Prozent) bezüglich des Verbots von Einwegplastik, welches sie europaweit am stärksten einfordern. Mehr als die Hälfte der Österreicher (57 Prozent) wollen, dass die Geschäfte vorrangig nachhaltigere Produkte verkaufen und mehr als zwei Drittel (69 Prozent) wünschen sich Abholstationen, an denen es Produkte von regionalen Bauern zu kaufen gibt.

"Mieten statt kaufen" wird zu einem neuen Lebensstil und soll nicht länger auf einzelne Lebensphasen begrenzt sein. Fast die Hälfte der Österreicher (45 Prozent) möchte Produkte zukünftig lieber mieten anstatt zu kaufen. Bei Haushaltsgegenständen und Möbeln wird bereits von mehr als drei Viertel der Österreicher (78 Prozent) das Mieten von Produkten bevorzugt. Damit liegt Österreich gemeinsam mit Großbritannien und Polen an der europäischen Spitze.

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4. Die Einzelhandels-Praxis [Retail Surgery]


Bakc to the Roots oder alles wird wieder, wie es einmal war? Der Einzelhändler glänzt mit Expertise. Er wird zum Service-Provider, Konsulenten oder angelehnt an Arztpraxen zur Vertrauensperson, die genau die Bedürfnisse des Konsumenten diagnostizieren kann. Und es auch will. Laut URW-Studie soll der Markt hierbei ein Potenzial von vier Billionen Euro haben.

Mehr als die Hälfte der Käufer aus Österreich (53 Prozent) wünscht sich persönliche Beratung durch den Fachhändler, um die für sie passenden Produkte zu finden. Hier liegt Österreich über dem europäischen Durchschnitt. Darüber hinaus besteht bei mehr als einem Drittel Interesse daran, dass der Einzelhandel DNA-Tests anbietet, um personalisierte Empfehlungen zu Ernährungsplänen und Gesundheitsempfehlungen geben zu können.

Das Expertentum des Händlers geht soweit, dass bei mehr als einem Drittel Interesse daran besteht, dass der Einzelhandel DNA-Tests anbietet, um personalisierte Empfehlungen zu Ernährungsplänen und Gesundheitsempfehlungen geben zu können. Das Teilen von DNA- und Gesundheitstest zur Entwicklung von besseren Produkten und Services wollen jedoch nur ein Viertel der Österreicher (24 Prozent).

Damit zählen die Österreicher im europäischen Vergleich zu den Skeptikern. Die höchsten Zustimmungswerte finden sich hierzu in Polen, Italien und Großbritannien mit jeweils über 35 Prozent.

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5. Der Lokal-Matador [Locally-Morphed]


Global Ausschau halten, aber dennoch lokal verbunden bleiben - das schlägt sich auch im Konsum nieder. Und die Nachfrage nach Produkten aus lokaler Fertigung sowie die damit verbundene Community-Bildung steigt. Die Einzelhandelsflächen von morgen werden sich an ihre lokale Umgebung und Gemeinschaft (Community) anpassen und dabei die gesamte Bandbreite von lokalen Marken bis hin zu Gemeinschaftserlebnissen abbilden.

Die Österreicher prägt eine starke Verbundenheit mit der lokalen Umgebung. 40 Prozent von ihnen äußern den Wunsch, sich stärker für ihre lokale Gemeinschaft zu engagieren.

Gerade im Einzelhandel wünschen sich mehr als zwei Drittel (68 Prozent) von ihnen, dass sich die zukünftige Einzelhandelslandschaft an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort orientiert.

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Unibail-Rodamco-Westfield [Börsenkürzel URW - ISIN: FR0013326246] ist der weltweit führende Entwickler und Betreiber von Flagship Shoppingzentren. Die Aktien des Unternehmens notieren an der Euronext in Amsterdam und Paris sowie in Zweitnotierung in Australien.

Fünfjahres-Chart der Aktie von Unibail-Rodamco-Westfield (URW).

Das Gesamtportfolio beträgt 65 Milliarden Euro (Stand 30. Juni 2019) – davon entfallen 86 Prozent auf den Einzelhandel, 7 Prozent auf Büros, 5 Prozent auf Kongress- und Ausstellungsflächen sowie 2 Prozent auf Dienstleistungen. Die Gruppe ist Eigentümer und Betreiber von insgesamt 92 Shoppingzentren, darunter 55 Flagship Shoppingzentren in mehreren Großstädten Europas und der USA und beschäftigt insgesamt 3.700 Mitarbeiter.

In Österreich betreibt URW mit der Shopping City Süd und das Donau Zentrum die zwei größten österreichischen Einkaufszentren

Die Gesamtausgaben des Einzelhandels in der Europäischen Union betrugen laut Trading Economics im zweiten Quartal 2019 insgesamt rund 2 Billionen Euro. Die Ausgaben pro Monat betragen somit 674,122 Mrd. Euro. 51 Prozent der europäischen Käufer wünschen sich, dass der Handel ihnen eine persönliche Beratung anbietet, um ihnen das für sie perfekte Produkt zu bieten.

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