Einigung zur Drosslung der Ölförderung lässt Ölpreis steigen

Der russische Energieminister Alexander Novak, OPEC Präsident Mohammed bin Saleh al-Sada und der Saudi-Arabische Energieminister Khalid al-Falih (L-R)

Der russische Energieminister Alexander Novak, OPEC Präsident Mohammed bin Saleh al-Sada und der Saudi-Arabische Energieminister Khalid al-Falih (L-R)

Die OPEC-Länder haben sich mit zahlreichen weiteren Erdöl fördernden Staaten auf eine weiter Drosselung der Förderquoten geeinigt. Der Ölpreis hat in der Folge kräftig angezogen und ist auf den Höchststand seit dem Sommer 2015 gestiegen.

Nach den ersten Erfolgen seit dem Beschluss der OPEC-Staaten, die Ölförderquoten zu reduzieren um den Preis zu stabilisieren und nach oben zu treiben, ist es am Wochenende in Wien zu einer weiteren Einigung gekommen, die den Ölpreis in der nächsten Zeit anziehen lassen dürfte.

Die OPEC-Länder haben sich mit rund einem Dutzend weiteren Staaten, darunter auch Russland, darauf geeinigt, die Ölförderung um zusätzliche 558.000 Barrel pro Tag zu reduzieren. Eine entsprechende Erklärung gab der OPEC-Präsident und Ölminister Katars, Mohammed Bin Saleh Al-Sada, ab.

Russland als aktuell größter Ölproduzent will allein 300.000 Barrel weniger produzieren. Allerdings werde die Drosselung allmählich beginnen und erst im April oder Mai den vollen Umfang erreichen, sagte der russische Energieminister Alexander Nowak der Agentur Tass.

Die Maßnahme unterstützt die jüngst von der OPEC beschlossene eigene Kürzung ihrer Produktion um 1,2 Millionen Barrel am Tag im ersten Halbjahr 2017. Die OPEC-Produktion soll künftig bei 32,5 Millionen Barrel (je 159 Liter) liegen. Insgesamt haben sich nun mehr als 20 Länder entschieden, weniger Öl zu fördern. Mit diesen Schritten dürfte der Preis für Benzin und Heizöl zumindest kurzfristig weiter steigen. Am Montag ist der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent auch prompt auf einen neuen Höchstwert seit dem Sommer 2015 gestiegen. Übers Wochenende hat er um 6,55 Prozent zugelegt. Ein Barrel Öl kostete im Tagesverlauf bereits knapp 58 Dollar Um 18:00 Uhr hielt der Ölpreis bei 56, 63 Dollar.

Ölpreis (Brent); Stand vom 12.12.2016: 57,89 $. Für aktuelle Preisinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Ölpreis (Brent); Stand vom 12.12.2016: 57,89 $. Für aktuelle Preisinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Breite Allianz

"Das ist ein wahrhaft historisches Ereignis", sagte Nowak. Noch nie habe es so eine breite Allianz von OPEC und weiteren Ölförderländern gegeben. Die beteiligten Länder repräsentierten mehr als die Hälfte der weltweiten Öl-Produktion. Die Vereinbarung lege den Grundstein für eine langfristige Kooperation. Der saudische Ölminister Chalid al-Falih sagte, die Maßnahme diene nicht nur Produzenten und der Öl- und Gasindustrie, sondern auch der Weltwirtschaft.

Der Einladung der OPEC waren neben Russland auch Mexiko, Kasachstan, Aserbaidschan, Bahrain, Malaysia, Brunei, Oman, der Sudan und Süd-Sudan gefolgt. Bolivien nahm teil, legte sich aber nicht auf eine Reduzierung fest. Die Förderkürzungen sollen von einem gemeinsamen Komitee aus fünf OPEC- und Nicht-OPEC-Ländern überwacht werden.

Bei einer gegenwärtigen Rekordförderung von 11,2 Millionen Barrel Rohöl täglich bleibt Russland auch nach der Drosselung auf hohem Niveau. "Weil staatliche wie private Firmen betroffen sind, kann es nur um eine freiwillige Reduzierung gehen", sagte Minister Nowak. Die Moskauer Regierung habe aber bereits mit Firmen gesprochen und werde dies auch weiter tun.

Ölpreis mit Aufwärtstendenz

Schon nach dem OPEC-Beschluss vom 30. November hatte sich Öl deutlich verteuert. Das Nordsee-Öl der Sorte Brent stieg um rund 15 Prozent auf fast 55 Dollar pro Barrel. Es ist seit 2008 das erste Mal, dass die OPEC wie auch andere Ölförderländer gemeinsam eine Förderkürzung beschließen. Alle leiden unter dem seit 2014 stark zurückgegangenen Ölpreis, der von mehr als 100 Dollar auf zwischenzeitlich etwa 30 Dollar zu Jahresbeginn 2016 eingebrochen war.

Die Vereinbarung wird nach Überzeugung von Analysten den Ölpreis kurzfristig steigen lassen. Allerdings erwarten Experten mittelfristig keine deutliche Verteuerung. Selbst mit den Kürzungen - sollten sie überhaupt Bestand haben - sei im ersten Halbjahr zu viel Öl auf dem Markt, so ein Experte des Forschungsunternehmens JBC. Für Autofahrer bedeutet der Schritt, dass Treibstoffe mittelfristig einige Cent mehr kosten werden.

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