Ebola: Die Epdemie der Angst

Urlaube werden storniert, Konferenzen verschoben und Investitionen gestrichen - die Länder Ostafrikas leiden nicht nur an der Ebola-Seuche, sondern auch an dem aus ihrer resultierenden Image-Schaden.

Ebola: Die Epdemie der Angst

Gerade erst waren die von Ebola betroffenen westafrikanischen Länder dabei, sich von den Jahren der Bürgerkriege zu erholen. Der gesamte afrikanische Kontinent rückte zunehmend in den Fokus von Investoren und Touristen. Mit der verheerenden Seuche droht der Region nun eine neue Stigmatisierung mit schweren nachhaltigen Folgen für die Menschen. Afrika könnte dies wirtschaftlich weit zurückwerfen.

Die Region mit ihrer rund einer Milliarde Einwohnern und ihren natürlichen Reichtümern galt vor dem jüngsten Ebola-Ausbruch weltweit geradezu als eine Art Leuchtfeuer des Wachstums - die Stereotypen vom Kontinent der Armut, Konflikte und Seuchen schien sich allmählich aus den Köpfen verflüchtigt zu haben. Die Seuche verbreitet jetzt vor allem in Liberia, Sierra Leone und Guinea Leid und Tod, reißt Familien auseinander, rottet Dörfer aus, macht Hunderte von Kindern zu Waisen. Die Afrikaner setzen daher große Hoffnungen in die weltweite Aufmerksamkeit und in die zunehmende internationale Hilfe.

Auf der anderen Seite beklagen Regierungen und Afrika-Experten einen eher einseitigen und verzerrten Blick auf Afrika, bei dem die positive Entwicklung der vergangenen zehn Jahre meist ausgeblendet bleibt. Jegliche Fortschritte drohen ins Hintertreffen zu geraten, obwohl die von Ebola hauptbetroffenen Staaten gerade einmal ein Prozent der afrikanischen Wirtschaft ausmachen.

"Hysterie und Panik sind weit ansteckender als die Seuche selbst", warnt der Ökonom Carlos Lopes aus Guinea-Bissau, der die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Afrika leitet. Wie Regierungen, Ökonomen und Politiker fürchtet er, dass Subsahara-Afrika das Etikett Ebola auf Dauer anhaften wird. Nach der Rückkehr eines Afrika-Reisenden, der vor wenigen Tagen in Dallas verstarb, forderten einige US-Politiker lautstark gar, ganz Afrika unter eine Art Quarantäne zu stellen.

"Es gibt zwei Epidemien - die Krankheits-Epidemie und die Epidemie der Angst", sagt Mark Weinberger, Vorstandschef der Beratungsgesellschaft Ernst & Young, die die wachsende Attraktivität Afrikas für Investoren in den vergangenen Jahren aufmerksam verfolgt hat. Die teils irrationalen Ängste könnten Entscheidungen zu Investitionen erheblich verlangsamen.

Weltbank warnt vor Panik

Die Weltbank warnte vor wenigen Tagen, dass sich in Liberia und Guinea das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts wohl halbieren werde. Die drei Länder im Epizentrum der Seuche drohten in die Rezession zu rutschen.

Der Region Westafrika könnten bis Ende 2015 insgesamt 32 oder sogar 40 Milliarden Dollar verloren gehen, wenn große benachbarte Volkswirtschaften wie Nigeria, Elfenbeinküste und Senegal ebenfalls von der Seuche heimgesucht würden. Die Folgen könnten dann katastrophale Ausmaße annehmen. Die Weltbank-Ökonomen verweisen vor allem reflexartige Panikreaktionen, die sich in einem Vermeidungsverhalten äußern: Flüge und Urlaubsreisen werden storniert, Geschäftsreisen und Tagungen verschoben, Investitionsentscheidungen ad acta gelegt, Grenzen geschlossen, der Transport und Reiseverkehr unterbrochen. Bauern lassen ihre Felder unbestellt zurück, Unternehmer haben die Produktion in den Firmen gestoppt.

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) geht in seinem Ausblick zur Weltwirtschaft davon aus, dass die weitere Ausbreitung der Seuche für Afrika "dramatische Konsequenzen" haben wird. An seiner eher positiven Prognose hält er aber fest. So prophezeit der IWF den Ländern südlich der Sahara für kommendes Jahr ein Wachstum von 5,8 Prozent - nach 5,1 Prozent in 2014.

Weinberger hält von den Worst-Case-Szenarien der Weltbank nicht viel. "Diese können eintreten oder auch nicht." Es bestehe aber die Gefahr, dass sie am Ende zu einer Art selbsterfüllender Prophezeiung würden.

Nigerias Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala ruft die Staaten dazu auf, eine eher breitere Sichtweise einzunehmen. Die Medienberichterstattung zu Ebola hält sie nach eigenen Worten für unfair, da ganz Westafrika und sogar der gesamte Kontinent über einen Kamm geschoren würden. Okonjo-Iweala mahnt daher, das Augenmerk weniger auf Horrorszenarien zu richten und stattdessen die Erfolge im Kampf gegen die Seuche in den Vordergrund zu rücken.

Auch in Liberia und Sierra Leone sind die Menschen hin- und hergerissen: Einerseits begrüßen sie die zunehmende internationale Aufmerksamkeit, andererseits wehren sie sich über Berichte, die eine Art Weltuntergang für Afrika beschreiben. Irritiert verfolgen sie die hohe Aufregung über einzelne Ebola-Fälle in den USA und Spanien, die in keinem Vergleich zum tagtäglichen Grauen in den betroffenen Regionen stehen. Andere wiederum glauben, dass durch die Berichterstattung egal welcher Art der Fokus der Weltgemeinschaft auf den Kampf gegen die Seuche gerichtet bleibt. "Je länger die zögern, desto schlimmer ist es für die ganze Welt", bemerkt Richard Kemokai, ein Sozialarbeiter in Liberia.

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Agatha Kalandra ist seit 2016 Partnerin und Leiterin des Management-Consulting-Teams von PwC Österreich und Member of the Management Board. Sie verfügt über einen MBA in Controlling und Finance und mehr als 25 Jahre Berufserfahrung. Ihr Fokus liegt auf Finance-Transformation, HR-Transformation und Sustainability.

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