easyJet: "Was zählt ist, dass wir Gewinne schreiben"

Thomas Haagensen, Europa-Chef easyJet

easyJet hat die Europa-Zentrale in Wien eingerichtet. Die Stadt ist für die viertgrößte Airline Europas von großer Bedeutung.

easyJet-Europa-Chef Thomas Haagensen über den verschärften Kampf der Billigflieger in Österreich, Wien als Standort für easyJet Europa und weshalb die Fluglinie mit der NASA und einem Elektro-Flugzeugbauer zusammenarbeitet.

Vor zwei Jahren hat die britische Billig-Fluglinie easyJet – die viertgrößte Airline Europas - die Seiten gewechselt und ist mit der Fluglinie von London nach Wien übersiedelt. Zumindest auf dem Papier. Denn von den 14.000 Mitarbeitern arbeiten nur 20 in Wien. Von den 135 Fliegern, die hier registriert sind, ist keines davon in Österreich stationiert. Aber das ist auch nicht notwendig. „Mit der Gründung der Tochtergesellschaft easyJet Europe in Wien ist garantiert, dass wir, ob es nun zu einem harten oder weichen Brexit kommt, weiterhin alle unsere Flüge innerhalb Europas anbieten können“, stellt Thomas Haagensen, Chef von Easyjet Europa im Gespräch mit dem Trend klar. So weit so gut.

Wir haben ein dynamischeres Preismodell als unsere Konkurrenten
Doch easyJet bietet von Wien aus auch zwölf Destinationen an, von Österreich aus insgesamt 28, und da sind seit dem Vorjahr mit Lauda Motion, Wizz Air und Level neue, aggressive Player am Markt. Die kämpfen neben Marktführer Austrian Airlines und seiner Billigmarke Eurowings, teils mit Hardcore-Preisen um jeden Passagier. Davon lässt sich Haagensen jedoch nicht aus der Ruhe bringen. „Wir haben ein dynamischeres Preismodell als unsere Konkurrenten. Wir haben keine Kontingente für bestimmte Preise, sondern unser gesamtes Angebot wird ständig auf die Nachfrage abgestimmt.“

Solide Gewinne trotz hoher Übernahmekosten
Was für easyJet, neben wettbewerbsfähigen Ticketpreisen, zählt, ist jedoch „das wir Gewinne schreiben. Und das tun wir“, stellt der Boss von easyJet Europa klar. Auch auf Kurzstrecken, wo manch andere Airline finanziell zu kämpfen hätten. Im letzten Geschäftsjahr kletterte der Gewinn um gut 13 Prozent auf 521 Millionen Euro und das obwohl das Unternehmen 220 Millionen Euro in die Übernahme der Air-Berlin-Teile gesteckt hat.

Hohes zweistelliges Passagierwachstum in Österreich
Trotz verschärftem Gegenwind durch die Konkurrenz ist der EasyJet-Europa-Boss mit dem Wachstum in Österreich, wo die Airline nicht einmal eine Base betreibt, zufrieden. „Wir erzielen hohe Zuwächse“ Im Finanzjahr 2018 legte die Zahl der Passagiere gegenüber dem Jahr davor um 34 Prozent zu. Der Marktanteil liegt damit bei 4,3 Prozent. Das Wachstum liegt auch daran, dass die Zahl der Passagiere steigt. 2018 erreichte diese erstmals die 20 Millionen-Marke. Seit 2014 ist das ein Plus von fast einem Viertel Prozent.

trend-Redakteurin Anneliese Proissl im Gespräch mit Thomas Haagensen, Europa-Chef von easyJet.

Zuversicht hält an
Insgesamt transportierte das Unternehmen an seinen 30 Basen im vorigen Jahr 1,5 Millionen Passagiere. Für heuer prognostiziert easyJet für beim Passagieraufkommen ein Wachstum von gut acht Prozent „Wenn wir für die Zeit bis Ende Juni auch mit einer schwachen Nachfrage rechnen“, räumt Haagensen ein. Dann hofft der britische Konzern, trotz konjunktureller Eintrübung wieder auf höheres Kundeninteresse und im vierten Quartal auch auf mehr Klarheit mit Blick auf den Brexit.

Neue Destinationen sind für Österreich jedoch nicht geplant. Haagensen: „Unser Ziel ist es dort unser Engagement zu verstärken, wo wir bereits die Nummer eins am Markt sind wie in Berlin oder wo wir, wie in der Schweiz eine starke Nummer zwei sind.“ So hat das Unternehmen im Vorjahr Teile des bankrotten Konkurrenten Air Berlin übernommen. Mittlerweile sind von der Airline am Standort Berlin-Tegel 23 Maschinen und 665 Mitarbeiter stationiert. Dort fand 2018 - auch bedingt durch die Übernahme – das größte Wachstum des Unternehmens statt und betrug fast 50 Prozent.

Neue Austro-Verbindung nach Berlin
Von der Expansion in Deutschland profitieren auch die heimischen Kunden. Mit 1. April 2019 wurde die Frequenz der Strecke Salzburg – Berlin-Schönefeld erhöht. Seit Dezember 2018 steuert easyJet mit der Verbindung Innsbruck – Berlin-Tegel eine neue Destination an. Anders die AUA. Sie fliegt seit kurzem nur noch von Wien aus nach Deutschland. Dort tut man derzeit alles um die Wien-Bastion gegen den beinharten Billigflieger-Wettkampf zu verteidigen. So werden derzeit vier Flieger nach Wien verlegt, ebenso Crews von Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz und Salzburg.

Die Marktanteile der fünf größten Airlines in Europa nach Sitzen 2018:
1. Lufthansa Gruppe : 17 %
2. Ryanair: 16 %
3. International Airlines Group (IAG) mit British Airways, Iberia, Vuzeling und Aer Lingus: 13 %
4. easyJet : 11 %
5. Air France-KLM-Gruppe: 9 %

Mehr Flüge auf der Strecke Wien – Berlin
Zurück zu easyJet. Die Fluglinie hat ebenfalls die Bemühungen am Standort Wien erhöht. So wurde die Flugfrequenz für Strecke Wien – Berlin-Tegel gesteigert. Nun heben fünf Flieger am Tag nach Berlin ab, aktuell ab 24,11 Euro. Der höhere Takt entspricht auch der Strategie des Unternehmens: „Wir streben eine höhere Frequenz auf den bestehenden Strecken an“, erläutert Haagensen.

Wichtige Zielgruppe Businesskunden
Das liegt auch an der guten Nachfrage von Businesskunden. „Ein wichtiges Segment für uns“, so der Manager. Zwischen acht und 20 Prozent unserer Passagiere sind bereits Geschäftskunden. „Wir verfügen in Europa über das beste Streckennetz und steuern zentrale Flughäfen an. Das ist gerade für Businesskunden wichtig“, argumentiert er. Insgesamt fliegt easyJet rund 160 Destinationenmit insgesamt 30 Basen an. Auf diesen sind auch die meisten unserer Mitarbeiter stationiert, davon 4.000 Piloten und 8.500 Flugbegleiter.

Keine Ausbeuter der Lüfte
Die Mitarbeiter dürften im Gegensatz zu Billig-Konkurrenz Ryanair auch zufriedener sein. Denn die britische Fluggesellschaft beschäftigt laut eigenen Angaben, im Gegensatz zu manch anderem Mitbewerber, in ihren Niederlassungen fast ausschließlich heimische Mitarbeiter mit lokalen Verträgen und akzeptiert auch Gewerkschaften, wie Verdi, die das Unternehmen lobt. „Im Schnitt zahlen wir auch besser“, meint Haagensen. Streiks blieben dem Unternehmen, wie zuletzt Ryanair, auch erspart. Das brachte sogar zusätzliche Kunden. Denn während der Billigflieger-Konkurrent hunderte Flüge streichen musste, weil zu wenige Piloten im Einsatz waren, haben Reiseveranstalter und Kunden sich andere Anbieter gesuchten. Letztlich haben sich viele davon für easyJet entschieden.

Austro Control: Starker Regulator für Standort-Wahl maßgeblich
Selbst wenn der Standort Wien für die easyJet, was das Fluggeschäft betrifft, nur ein vergleichsweise kleiner Fisch ist, Wien als Verwaltungssitz ausgewählt zu haben, bereut Haagensen trotz des verschärften Konkurrenzdrucks nicht: „Eine erstklassige Wahl.“ Das liegt an der Austro Control. „Für uns war die Zusammenarbeit mit einem starken Regulator, der viel in die Verbesserung der Sicherheitssysteme investiert, entscheidend.“ Die Austro Control spiele auch bei der EASA, der Agentur für europäische Flugsicherheit, eine wichtige Rolle, was Haagensen schätzt.

NASA sorgt für optimale Einsatzzeiten von Piloten
Um die Flugsicherheit zu erhöhen, arbeitet easyJet auch mit der Raumfahrtbehörde NASA zusammen, die Belastung und Müdigkeit der Crew monitort und entsprechend Flugzeiten für diese erstellt. Neuen Ideen steht die Airline bei der Antriebsart offen gegenüber. So arbeitet das Unternehmen mit Wright Electric zusammen, das an Passagierflugzeugen mit Hybrid- und E-Antrieb tüftelt. „In zehn Jahren könnten wir die ersten Hybridflieger einsetzen“, glaubt Haagensen. Derzeit ist der Airbus Neos das Tech-Herzstück der Airline. Dieser braucht weniger Sprit und spart 30 Prozent C02 gegenüber herkömmlichen Fliegern. 26 der 319 Flieger sind bereits Airbus Neos. „Jede Neubestellung wird ein solches High-Tech-Flugzeug sein“, so der easyJet-Manager.

Weitere Pleiten in Europa erwartet
Kunden Neues zu bieten, könnte im Wettstreit um die Passagiere ein wichtiges Puzzle sein. Denn der Markt in Europa ist stark fragmentiert. Ein Indiz, dass zu viele am Markt sind, belegt die jüngste Entwicklung. Mit Air Berlin, Alitalia und der britischen Monarch waren gleich mehrere Airlines Ende letzten Jahres vom Markt verschwunden. Seit kurzem gesellt sich auch die deutsche Linie Germania zu den Bankrotteuren. „Die Konsolidierung wird weitergehen. Noch weitere kleinere Airlines werden aufgeben müssen“, glaubt Haagensen. Der Marktanteil von EasyJet liegt derzeit in Europa bei zehn Prozent. „In den USA, wo wesentlich weniger Fluggesellschaften gibt, wäre unser Anteil viel höher“, so der Manager. Die Zeit dürfte also für die britischen Billigflieger arbeiten.

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