Easyjet zückt wegen Coronakrise den Rotstift

Die britische Billigariline Easyjet will bis massiv Mitarbeiter abbauen sowie die Flugzeugflotte verkleinern. Easyjet rechnet damit, dass die Flugticket-Nachfrage nicht vor 2023 wieder auf das Niveau von 2019 steigen wird. Der Kurs der Easyjet-Aktie legt kräftig zu.

Easyjet zückt wegen Coronakrise den Rotstift

London. Die britische Billigairline Easyjet will wegen der Coronakrise tausende Arbeitsplätze streichen. Rund 30 Prozent und damit rund 4.500 der etwa 15.000 Jobs bei der Airline stehen auf der Kippe, wie das Unternehmen am Donnerstag in Luton bei London mitteilte.

Easyjet-Chef Johan Lundgren begründete die Kürzungen mit dem Einbruch des Flugverkehrs infolge der Coronavirus-Pandemie und der Erwartung, dass die Nachfrage nach Flugtickets nicht vor dem Jahr 2023 wieder auf das Niveau von 2019 klettert. "Wir müssen uns auf die geringere Nachfrage einstellen", sagte Lundgren.

Eine Finanzprognose für das laufende Geschäftsjahr bis Ende September traut sich Easyjet-Chef Johan Lundgren weiterhin nicht zu. Im vierten Geschäftsquartal, das die für Fluggesellschaften wichtigen Sommermonate umfasst, werde das Flugangebot voraussichtlich 70 Prozent geringer ausfallen als ein Jahr zuvor.

Am Finanzmarkt wurden die Nachrichten positiv aufgenommen. Die Easyjet-Aktie legte am Vormittag an der Londoner Börse um mehr als acht Prozent zu und war damit zweitstärkster Wert im britischen Leitindex FTSE 100. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier damit immer noch fast die Hälfte eingebüßt. Die Aussicht auf eine baldige Lockerung der Reiseverbote innerhalb der EU hat viele von der Krise gebeutelte Aktien aus der Reise- und Luftfahrtbranche seit Dienstag auf Erholungskurs geschickt.

Mit einem normalen Reisesommer ist heuer nicht zu rechnen. Easyjet hat den Flugbetrieb seit Ende März komplett gestoppt. Ab 15. Juni will das Unternehmen wieder schrittweise loslegen, vor allem auf Strecken innerhalb Großbritanniens. Für das Sommerquartal von Juli bis September dürfte Easyjets Flugangebot aus heutiger Sicht aber immer noch rund 70 Prozent geringer ausfallen als ein Jahr zuvor, schätzt Lundgren. Um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, sollen Passagiere, Besatzung und das Bodenpersonal Masken tragen.

Der Manager versucht nun weiterhin, den Geldabfluss zu bremsen. Easyjet hat sich bereits frische Kredite beschafft, darunter Mittel aus dem britischen Coronahilfsprogramm. Außerdem will die Gesellschaft eigene Flugzeuge verkaufen und zurückmieten. Insgesamt sollen die Maßnahmen rund 2 Mrd. britische Pfund (2,2 Mrd. Euro) an zusätzlicher Liquidität bringen. Pro Woche verbrenne Easyjet derzeit 30 bis 40 Mio. Pfund.

"Wir sind uns bewusst, dass dies sehr schwierige Zeiten sind und wir sehr schwierige Entscheidungen treffen müssen, die sich auf unsere Mitarbeiter auswirken werden", sagte Lundgren. "Aber wir wollen so viele Arbeitsplätze wie möglich langfristig schützen." Von den rund 15.000 Easyjet-Beschäftigten seien rund 4.000 Piloten und 8.000 Flugbegleiter, hieß es. Diese dürften von den Kürzungen am stärksten betroffen sein, weil ihre Arbeit direkt von der Zahl der Flugzeuge abhängt.

Zuvor hatten schon die IAG-Tochter British Airways und der irische Billigflieger Ryanair angekündigt, wegen der Krise zusammen rund 15.000 Arbeitsplätze zu streichen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sprach bereits von rechnerisch überzähligen 10.000 Mitarbeitern, wenn der Konzern seine Flotte um 100 Flugzeuge verkleinere. Um die Krise überhaupt zu überstehen, baut die AUA-Mutter Lufthansa auf ein neun Milliarden Euro schweres Rettungspaket der deutschen Regierung. Allerdings vertagte der Aufsichtsrat wegen absehbarer Auflagen der EU-Kommission am Mittwoch seine Zustimmung zu dem Vorhaben.

Wie Lufthansa-Chef Spohr traut sich auch Easyjet-Chef Lundgren eine Finanzprognose für das laufende Geschäftsjahr weiterhin nicht zu. Allerdings sieht der Manager im Gegensatz zur Lufthansa bisher keinen Bedarf, sich neben den Krediten auch noch frisches Eigenkapital zu besorgen. Seine Zahlen für das Ende März ausgelaufene Winterhalbjahr 2019/20 will das britische Unternehmen am 30. Juni veröffentlichen.

Easyjets Flugzeugflotte soll bis Ende des Geschäftsjahres 2021 auf 302 Maschinen schrumpfen. Zuletzt verfügte die Airline im März nach eigenen Angaben über 337 Flugzeuge und wollte ihre Flotte eigentlich weiter ausbauen. Das Unternehmen hat sich bereits mit dem Flugzeugbauer Airbus geeinigt, 24 bestellte Maschinen erst später abzunehmen als ursprünglich geplant. Auch Leasingverträge seien geändert worden. "Wir nutzen alle Optionen, die wir haben", sagte Lundgren.

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Zu den Personen:
Caroline Palfy (r.) ist neue Geschäftsführerin in der Handler Holding GmbH und verantwortet den Bereich Sustainable-Strategie. Das Familienunternehmen HANDLER ist Spezialist für hochwertige Bau- und Immobilienprojekte in Österreich.
Marieluise Krimmel ist Partnerin bei Deloitte in Wien im Bereich Audit & Assurance und ist in der Prüfung und Beratung tätig. Ihre Branchenschwerpunkte liegen neben der Industrie in der Immobilien- und der Bauwirtschaft.

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