Easyjet gründet wegen Brexit in Wien ein drittes Standbein

Easyjet gründet wegen Brexit in Wien ein drittes Standbein

Easyjet wird ein bisschen Wienerin - die britische Billig-Airline übersiedelt einen Teil der Flotte nach Wien. Und wird von Bundeskanzler Christian Kern bereits empfangen.

Der britische Billigflieger verlegt ein gutes Drittel seiner Flotte nach Wien. Der Brexit sowie die gute Erfahrungen mit Austro Control haben für Wien gesprochen. Auch die Bundesregierung, allen voran Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ), hätten die attraktiven Standortvorteile vermitteln können. Österreich soll dabei Portugal ausgestochen haben.

Wien/London. Die britische Fluglinie Easyjet wird zu einem Drittel Wienerin. Die Fluglinie will künftig 4.000 Mitarbeiter und 100 Flieger von der Donaumetropole aus steuern, teilte Easyjet am Freitag mit. Ausschlaggebend für das dritte Standbein seien die Unsicherheiten rund um den Brexit und die guten Erfahrungen mit der Wiener Flugsicherheitsstelle Austro Control.

Die Firmenzentrale bleibt weiterhin in London, auch am zweiten Standbein in der Schweiz wird festgehalten. Eine Lizenz für die neu zu gründende Gesellschaft Easyjet Europe ist beantragt und soll in Bälde ausgestellt werden, bestätigte heute die Austro Control. "Wir sind im Prozess, die Lizenz zu bekommen und erwarten deren Ausstellung in naher Zukunft", ergänzte Thomas Haagensen, Country Manager für die Region Österreich, Deutschland und die Schweiz.

Für Easyjet ist die Lizenz von großer Bedeutung. Ist die Lizenz da, dann darf Easyjet weiterhin in der EU fliegen, selbst nach einem Brexit. Denn laut EU-Recht hat die Fluggesellschaft eines EU-Mitgliedsstaates die Freiheit, innerhalb der EU beliebige Strecken zu fliegen.

Basis des europaweiten Flugverkehrs ist ein Regelwerk der EU namens European Common Aviation Area (ECAA). Jeder der 28 EU-Staaten ist automatisch Mitglied in dem Flugpakt. Der Pakt steht aber auch Nicht-EU-Mitgliedern offen, wie das zum Beispiel bei Norwegen der Fall ist. Wie die britische Zeitung "Guardian" berichtet kostet die Lizenz mindestens 10 Mio. Pfund (11,3 Mio. Euro).

Für Österreich habe unter anderem die Austro Control gesprochen. "Die Austro Control verfolgt einen strikten Kurs bei der Umsetzung von Sicherheitsrichtlinien, der dem von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) vorgegebenen Weg hin zu mehr leistungsorientierter Sicherheit voll entspricht", so Haagensen.

Der attraktive Standort Österreich

Österreich sei auch deswegen attraktiv, weil die österreichische Bundesregierung und allen voran Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) für die Standortvorteile geworben hätten, heißt es bei den Briten. Dies wurde im Mittagsjournal von Luftfahrtexperte Kurt Hoffmann im Interview mit Ö1 bestätigt.

Bei der Politik war der Jubel jedenfalls groß, Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) ließ es sich nicht nehmen, ein Flugzeug von Easyjet persönlich in Wien Schwechat zu begrüßen. Zuvor meinte er: "Das ist eine großartige Nachricht für den Standort Österreich. Ich freue mich sehr, dass sich Easyjet für unser Land entschieden hat. Im Wettbewerb mit 27 anderen europäischen Ländern hat die Qualität des Staates und nicht Steuerdumping gewonnen. Nicht der Billigere, sondern der Bessere hat gewonnen. Das zeigt: Eine starke Wirtschaft braucht einen starken Staat als Partner."

Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (SPÖ) zeigte sich über die Auswahl Wiens heute erfreut: "Das ist eine Auszeichnung für den Standort Österreich. Unser großer Pluspunkt ist unter anderem die professionelle und serviceorientierte Arbeit der österreichischen Luftfahrtbehörden."

Dem Vernehmen nach soll sich Österreich gegen Portugal durchgesetzt haben. Am Flughafen in Wien Schwechat ist naturgemäß die Freude ebenfalls groß, auch wenn Easyjet keine Flieger nach Wien verlegt. "Das ist grundsätzlich eine positive Nachricht für den Wirtschaftsstandort Österreich und eine große Auszeichnung für die Austro Control", sagte Vorstandsdirektor Julian Jäger am Freitag im APA-Gespräch. Zufrieden gab sich auch die Wiener Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner: "Wien erweist sich erneut als international attraktiver Standort."

Jährlich fliegen 78 Millionen Passagiere mit der britischen Billigfluglinie. Rund die Hälfte der Passagiere stammt aus den EU-27 Mitgliedsstaaten. Derzeit sind rund 100 Flugzeuge und 4.000 Mitarbeiter in EU-27 Mitgliedsstaaten stationiert sowie etwa 25 Flugzeuge und 950 Mitarbeiter in der Schweiz und 140 Flugzeuge und 6.000 Mitarbeiter in Großbritannien.

Alle drei Fluggesellschaften (Wien, Zürich, London) kommen unter das Dach der Easyjet plc, die weiterhin an der Londoner Börse notiert bleibt und ihren Sitz in Großbritannien hat.

Easyjet ist mit dem geplanten Gang nach Wien nicht die einzige Airline die über mehrere Flugrechte verfügt. Unter anderem hat dies auch die AUA-Konzernmutter Lufthansa.


Easyjet - Die Geschichte eines Billigfliegers

Die britische Billigfluglinie Easyjet (Markennamen easyJet) wurde 1995 vom damals 28-jährigen Stelios Haji-Ioannou, dem Sohn einer griechisch-zypriotischen Reederdynastie gegründet. Für die Airline-Gründung lieh sich der Reedersohn, der in London Wirtschaft studierte, fünf Millionen Pfund von seiner Familie.

Am 10. November 1995 hob der erste Easyjet-Flug vom Londoner Vorort Luton nach Glasgow ab. Die ersten beiden Flugzeuge mit Easyjet-Logo waren zwei von British Airways geleaste Boeing 737-200. Das Konzept der günstigen Preise bei minimalem Service kam an. Im ersten Jahr beförderte die erste Low-Cost-Linie Großbritanniens bereits 30.000 Passagiere. 1997 wagte EasyJet die erste große Investition und bestellte zwölf Boeing 737-300-Maschinen. Im selben Jahr eröffnete der Billigflieger neben Luton die zweite Basis am Flughafen Liverpool.

Seit dem Börsengang im Jahr 2000 ging die Expansion schnell voran. Die Aktie ist an der Londoner Börse (LSE) notiert. Easyjet fliegt heute nach eigenen Angaben 132 Flughäfen in 31 Ländern an.

In den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2016/17 wurden 33,8 Millionen Passagiere befördert - eine Rekordzahl. Der Umsatz stieg auf 1,827 Mrd. Pfund (rund 2 Mrd. Euro). Im Geschäftsjahr 2016 (bis Ende September 2016) lag der Umsatz bei 4,669 Mrd. Pfund, der Vorsteuergewinn betrug 495 Mio. Pfund.

Am 14. Juli 2017 kündigte Easyjet an, sich wegen des bevorstehenden britischen EU-Austritts in Wien ein drittes Standbein sichern zu wollen - neben Großbritannien und der Schweiz. Um auch nach dem britischen EU-Austritt weiterhin in der EU fliegen zu können, wurde in Österreich ein Luftverkehrsbetreiberzeugnis beantragt. Die geplante europäische Fluglinie in Österreich soll den Namen "easyJet Europe" tragen und ihren Sitz in Wien haben. Alle drei Fluggesellschaften (Wien, Zürich, London) kommen unter das Dach der Easyjet plc, die weiterhin an der Londoner Börse notiert bleibt und ihren Sitz in Großbritannien hat.

Jährlich fliegen 78 Millionen Passagiere mit der britischen Billigfluglinie. Rund die Hälfte der Passagiere stammt aus den EU-Mitgliedsstaaten. Derzeit sind rund 100 Flugzeuge und 4.000 Mitarbeiter in EU-Mitgliedsstaaten stationiert sowie etwa 25 Flugzeuge und 950 Mitarbeiter in der Schweiz und 140 Flugzeuge und 6.000 Mitarbeiter in Großbritannien.

Airline-Gründer Haji-Ioannou zog sich 2010 aus dem operativen Geschäft der Airline zurück, er wolle nur mehr die Aktionärsrolle wahrnehmen. Seine Familie hält weiterhin einen Großteil der Anteile.

Mit der Vorsilbe "Easy..." gründete Haji-Ioannou bereits zahlreiche Unternehmen mit billigen Preisen, darunter andere Verkehrsunternehmen wie Busrouten, Autovermietungen oder Kreuzfahrtanbieter. 2016 stieg er mit der Gründung von "EasyFoodstore" ins Lebensmitteldiskont-Geschäft ein. Heute lebt Haji-Ioannou in Monaco. Sein Vermögen wird auf über eine Milliarde Euro geschätzt.

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