E-Scooter: den ersten Anbietern geht der Saft aus

Leih-E-Scooter sind in den letzten Jahren in den Städten wie Pilze aus dem Boden geschossen. Jetzt zieht sich mit Hive der erste Anbieter wieder aus Wien zurück. Ab April gelten in der Stadt neue Regeln für Leih-Scooter.

E-Scooter: den ersten Anbietern geht der Saft aus

Erst die Fahrräder, dann die Roller: wie in vielen Städten haben sich Leih-E-Scooter auch in Wien zumindest in der Innenstadt binnen kürzester Zeit einen Fixplatz im Stadtbild erobert. Anders als in Graz, wo die Stadt im Dezember ein kommerzielles Verleihsystem untersagt hat, weil man, wie Bürgermeister Siegfried Nagl erklärt hat, ein "Chaos wie in anderen Städten verhindern will", werden die Scooter in der Bundeshauptstadt als ein Beitrag zur Mikromobilität gesehen.

Doch dabei ist natürlich auch in Wien längst nicht alles eitel Wonne. Zum einen ist der Verdrängungswettbewerb knallhart. Mit Bird, Circ, Hive, KiwiRide, Lime, Max Motion,Rollmi/Hollmi, Tier und Wind/Byke buhlen insgesamt zehn Anbieter um die Gunst der Kunden und mit Arolla, Voi und Bolt stehen drei weitere Anbieter vor dem Markteintritt. Jeder der registrierten Anbieter darf eine Höchstzahl von 1.500 Scootern auf die Straßen bringen und Schätzungen zufolge sind aktuell rund 9.000 der Gefährte mitunter recht rasant unterwegs.

Nun fordert der harte Wettbewerb ein erstes Opfer. Hive, ein Joint Venture von Daimler und BMW, wird sich demnächst aus Wien zurückziehen. Der Anbieter will sich in Zukunft strategisch auf die Städte konzentrieren, in denen die Anzahl der Anbieter und Scooter klar reguliert und limitiert ist. "Dies ist aus unserer Sicht ein Ansatz, der Mikromobilität sowohl für die Städte, als auch für die Nutzer und Anbieter attraktiver macht", heißt es in der entsprechenden Stellungnahme des Unternehmens.

Als aktuelle Beispiele für eine solche Regulierung führt Hive die Städte Porto und Paris an. "Falls sich auch in Wien die Regulierung dementsprechend ändert, wird Wien gegebenenfalls auch wieder ein attraktiver Markt", betont das Unternehmen. Tatsächlich plant die Stadt die Konzessionierung des Leih-E-Scooter-Markts. Das heißt: Wer künftig batteriebetriebene Roller betreiben will, muss sich in einer Ausschreibung bewähren.

Neue Regeln ab April

Vermutlich wird aber Hive nicht der letzte Anbieter sein, der das Handtuch wirft. Ab dem 1. April gelten in Wien nämlich neue, strengere Spielregeln für E-Scooter.

Mit der letzten Reform der Straßenverkehrsordnung (StVO) wurden sie bereits österreichweit als bewegte Fahrzeuge von den Gehsteigen verbannt. Ab April dürfen Sie in Wien dann auch nur noch auf mindestens vier Meter breiten Gehsteigen geparkt werden. Das ist aber nur eine von neun Maßnahmen, mit denen die Stadt Wien den E-Scooter Wildwuchs eindämmen und eine bessere Beziehungsgrundlage zwischen der Stadt und ihren Bewohnern, den Scooter-Anbietern und den Benutzern schaffen will.

  1. Zonenregelung. Die Stadt wird in drei Zonen eingeteilt. Zone 1 ist die Innere Stadt (1. Bezirk), Zone 2 sind die Bezirke 2 bis 9 - das Gebiet innerhalb des Gürtels bzw. der Südost-Tangente. Die dritte Zone umfasst das restliche Stadtgebiet. (siehe Grafik) Jeder Anbieter darf künftig in jeder der drei Zonen maximal 500 E-Scooter platzieren. So sollen sich die Scooter besser in der ganzen Stadt verteilen.
  2. Abstellregelung. Scooter dürfen nur noch auf mindestens vier Meter breiten Gehsteigen und dort auch nur am fahrbahnseitigen Gehsteigrand geparkt werden. Ansonsten müssen sie auf der Straße abgestellt werden. Damit reagiert die Stadt auf die häufigen Beschwerden über Geräte, die die Fußgänger behindern.
  3. Falschpark-Regelung. Werden Fahrzeuge von den Benutzern regelwidrig abgestellt, haben die Anbieter an Werktagen zwischen 6.00 und 18.00 Uhr zwei Stunden (statt bisher vier) Zeit, sie zu entfernen. Außerhalb dieser Kernzeit sind es sechs Stunden - bisher zwölf. Passiert das nicht, werden die Scooter kostenpflichtig von der MA 48 entfernt.
  4. Speed-Control. Die Verleiher werden verpflichtet, ihre Modelle so zu modifizieren, dass sie in bestimmten Gebieten wie Begegnungszonen oder Fußgängerzonen mit Radfahrerlaubnis automatisch die Geschwindigkeit drosseln.
  5. Sperrgebiete. In definierten Sperrgebieten wie Märkten oder Krankenhausarealen soll die App nach Möglichkeit so programmiert werden, dass Fahren und Abstellen dort überhaupt nicht möglich ist.
  6. Fixe Abstellplätze. Vorerst nur ein Test: Die Stadt probiert fixe Scooter-Abstellplätze aus. Im Bezirk Neubau werden sie eigens markiert, dienen aber vorerst nur als Ergänzung. Man hofft, dadurch das Abstellverhalten der Nutzer zu ändern. Abhängig vom Ergebnis des Tests soll das Angebot ausgeweitet werden.
  7. Einsammeln und Aufladen. Die E-Scooter-Verleiher beschäftigen sogenannte "Juicer", die Scooter nachts einsammeln und aufladen. Um die Scooter leichter finden zu können wurden diese so aktiviert, dass sie akustische Ortungssignale senden. Das darf künftig nicht mehr geschehen.
  8. Benutzerregeln in der App. Die Anbieter müssen die Benutzer in ihren Apps deutlich über die in der Stadt geltenden Regeln und Benutzungsbedingungen informieren.
  9. Sammelanzeigen. Auf Wunsch der Polizei können für E-Scooter-Diebstähle künftig Sammelanzeigen eingebracht werden.

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