E-David Kreisel Electric trifft Öl-Goliath Shell

Der Mühlviertler E-Mobilitäts-Spezialist Kreisel Electric und der Energie-Multi Shell vereinbaren in einer strategischen Allianz die Entwicklung und Vermarktung gemeinsamer Batterielösungen.

E-David Kreisel Electric trifft Öl-Goliath Shell

Power-Trio. Johann, Markus und Philipp Kreisel (v.l.n.r.) vor einem Evex Porsche 910, den sie erfolgreich elektrifiziert haben.

Der zweite Lockdown hat auch Kreisel Electric kalt erwischt. Die meisten der 140 Mitarbeiter sind zwischen 25 und 40 Jahre alt, viele haben Kinder im schulpflichtigen Alter, die sie nun im Homeschooling betreuen sollen. „Aber wir werden das schon wieder aufholen“, ist Markus Kreisel vorsorglich optimistisch, dass sein Unternehmen auch von einer Pandemie und ihren lästigen Begleiterscheinungen nicht vom Kurs abzubringen sein wird.

Kreisel Electric mit Sitz in Rainbach im Mühlkreis nahe Freistadt ist eine der österreichischen Vorzeigefirmen, wenn es um Elektromobilität geht. Das Unternehmen, 2014 gegründet von den drei Brüdern Johann, Markus und Philipp Kreisel, ist auf Batterientechnologie spezialisiert, derzeit arbeitet es an der Elektrifizierung eines Rallye-Fahrzeugs. Derzeit setzen die Kreisels rund 20 Millionen Euro um, das Wachstum lag in den letzten Jahren konstant zwischen einem Drittel und 50 Prozent.

Und heute, Mittwoch, gibt es News, die belegen, dass die Mühlviertler auf der internationalen Landkarte längst nicht mehr als verschrobenes Startup, sondern als innovativ und paktfähig gelten.

Die Vertriebskooperation

Der Öl- und Gasmulti Shell, der selbst bis 2050 klimaneutral werden will, gab an diesem Tag eine strategische Allianz mit Kreisel Electric bekannt. Sie läuft darauf hinaus, dass die beiden ungleich großen Unternehmen in der Entwicklung und im Vertrieb enger zusammen arbeiten, ohne sich kapitalmäßig zu verschränken. Eine Direktbeteiligung „stand nie zur Diskussion“, pocht Kreisel, der mit seinen Brüdern die Mehrheit hält, mit Bestimmtheit auf seine Unabhängigkeit.

Vermählt werden also nicht die Firmen, sondern ihre Produkte, die gemeinsam vermarktet werden: Die Batteriepacks von Kreisel auf der einen Seite, die Kühlflüssigkeit von Shell auf der anderen Seite. „Bei Kreisel-Projekten werden wir künftig ausschließlich Shell-Produkte verwenden, im Gegenzug erhalten wir Zugang zum weltweiten Vertriebsnetzwerk von Shell“, sagt Markus Kreisel enthusiastisch.

Denn dieses Netzwerk ist nicht gerade von schlechten Eltern: Die börsenotierte Royal Dutch Shell, ein Gigant mit zuletzt weltweit 345 Milliarden Dollar Umsatz, ist Weltmarktführer bei Schmierstoffen und liefert in 150 Länder. „Von den zehn größten Automobilherstellern beziehen sieben ihre Schmiermittel von Shell“, sagt Shell-Österreich-Chef Gert Seybold stolz. Diese gut geölten Zugänge eröffnen Kreisel Electric neue Marktchancen, aber ebenso verhält es sich umgekehrt. Seybold: „Es geht uns darum, die Schmierstoffe der Zukunft zu finden. Was bisher Mittel für das klassische Getriebe waren, können künftig Kühlflüssigkeiten für die Batterie sein.“

Geht das Kalkül auf beiden Seiten auf, wäre es somit eine klassische Win-win-Situation. „Indem wir die Kräfte mit Kreisel Electric bündeln, können wir die Nachfrage nach preislich wettbewerbsfähigen, starken, leichten, sicheren und langlebigeren Batterien erfüllen“, lässt Carlos Maurer, der fürs globale B2B-Geschäft zuständige Shell-Topmanager in der englischsprachigen Aussendung wissen. Kein Wunder, dass die für den Standort und Digitalisierung zuständige Ministerin Margarete Schramböck prompt mit einer Gratulationsadresse zur Stelle war.

Neuer Antrieb für Autos, Doppeldecker & Co

Anwendungsgebiete für die gemeinsamen Entwicklungen sind etwa elektrisch betriebene Autos, Lastwägen oder Busse - Kreisel hat zuletzt über 30 der berühmten Doppeldeckerbusse in London mit Batteriepacks ausgestattet. In die Batterieproduktion wollen die Allianzpartner nicht einsteigen, auch wenn Seybold das prinzipiell für Shell in der Zukunft nicht ausschließen will. Kreisel sieht seine Stärke in der Kleinserie und im Erarbeiten von Lösungen für Kunden, meist Automobilfirmen, die dann ihrerseits in die Großserie gehen. Die Zusammenarbeit mit Shell sieht er als Formalisierung einer schon bisher existenten Kooperation, um am Markt stärker gemeinsam aufzutreten. „Wir tauschen uns wöchentlich über technologische und Vertriebsthemen aus.“ Frisches Geld für seine Firma wird dabei nicht fließen.

Den Kunden stellt er bessere Produkte in Aussicht, vor allem puncto Sicherheit und Lebensdauer von Batterien, dem Herzstück der E-Mobilität. Bei Schnelllade-Systemen könne das kombinierte Know-how zu einer um 80 Prozent höheren Lebensdauer führen. Durch die spezielle Flüssigkeit soll es gelingen, das Thema Überhitzung in den Griff zu bekommen.

Vor wenigen Jahren wäre eine Partnerschaft dieser Art völlig unvorstellbar gewesen. Doch im Zuge der Klimadebatte und den daraus resultierenden Dekarbonisierungszielen, zu denen sich auch Shell offensiv bekennt, müssen die Energieriesen aus dem fossilen Zeitalter sich quasi neu erfinden. „Wir wollen in das Stromgeschäft – über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg“, erklärt Österreich-Chef Seybold die Konzernlinie. Neben Produktion und Handel bedeutet das eben auch Allianzen wie jene mit Kreisel in der Batterietechnologie.

Schon Anfang 2019 hat der britisch-niederländische Multi die Firma Sonnen, einen deutschen Spezialisten für Batterie-Speichersysteme gekauft. Zwei Jahre davor wurde NewMotion mit Sitz in den Niederlanden übernommen, ein führender Anbieter im Bereich E-Ladeinfrastruktur, mit europaweit 55.000 Ladestationen.

Die Transformation der Fahrzeugindustrie mitzumachen, ist für ehemals vermeintlich unsinkbare Schiffe wie Shell jedenfalls eine Existenzfrage. Noch dominieren im Straßenverkehr zwar Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Doch die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen steigt merklich an. 2019 gab es 7,2 Millionen Elektroautos auf der Straße, laut einem Szenario der Internationalen Energieagentur IEA könnten es bis 2030 bis zu 220 Millionen sein.

Vor diesem Hintergrund ist Markus Kreisel sicher, langfristig aufs richtige Pferd gesetzt zu haben. Kurzarbeit wird es in Rainbach in den nächsten Wochen jedenfalls keine geben, durch Corona haben sich einige Projekte aufgestaut. Und die oft belastende Kombination aus Homeoffice und Homeschooling werde viele Mitarbeiter dazu bringen, „gerne wieder einmal im Büro vorbeizuschauen“, ist er überzeugt.



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